Volkswagen
fährt ungeachtet weltweit eher schwacher Automärkte auf Rekordkurs: Europas größter Autobauer hat beim Gewinn im ersten Halbjahr dank gestiegener Fahrzeugverkäufe kräftig zugelegt und die Analystenerwartungen übertroffen. Die Reaktion der Anleger auf die Zahlen war eindeutig.
Der Volkswagen Golf 5 und Golf Plus werden auf im Stammwerk in Wolfsburg montiert. Europas größter Autobauer hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr kräftig gesteigert. Foto: dpa
HB HANNOVER. Der Konzernüberschuss erhöhte sich um 31,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro, wie das Wolfsburger Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Vor Steuern verdiente VW
mit 3,8 Mrd. Euro 25,5 Prozent mehr. Der Umsatz legte um drei Prozent auf 56,5 Mrd. Euro zu. "Dies zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", erklärte VW
-Chef Martin Winterkorn.
Die Zahl der an Kunden ausgelieferten Fahrzeuge bezifferte Volkswagen
für die ersten sechs Monate mit knapp 3,3 Millionen, dies waren 5,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist und so viele wie noch nie in dem Zeitraum. Damit setzten sich die Wolfsburger klar von der Konkurrenz ab: Branchenweit habe das Plus laut VW
nur ein Prozent betragen. Seine liquiden Mittel gab VW
mit 15 Mrd. Euro an, das sind 28 Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Die Aktie legte nach Vorlage des Zwischenberichts deutlich zu und gehörte mit einem Plus von 4,5 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax. Die VW
-Aktienkurs war bereits vor Veröffentlichung der Zahlen erstmals über 200 Euro gesprungen. "Das ist völlig faszinierend, was VW
an Finanzzahlen produziert", kommentierte Christoph Stürmer vom Analystenhaus Global Insight.
Im Zeitraum April bis Juni erhöhte sich der Überschuss sogar um 34,8 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro. Vor Steuern (Ebt) verdiente VW
im Quartal mit 2,4 Mrd. Euro 24,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz legte um 4,5 Prozent auf 29,4 Mrd. Euro zu. Das ist weit mehr als von Branchenexperten erwartet: Analysten hatten im Schnitt mit einem Überschuss von 1,3 Milliarden, einem Ebt von 1,9 Mrd. und Erlösen von 28,9 Mrd. Euro gerechnet.
Für das Gesamtjahr 2008 stellt der vor der Übernahme durch Porsche
stehende Konzern bei steigenden Absatzzahlen weiterhin einen Anstieg von Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht. Dabei seien die Auswirkungen des Erwerbs des schwedischen Lkw-Bauers Scania
in den Prognosen nicht enthalten. Für das zweite Halbjahr werde durch Scania
ein leicht positiver Ergebnisbeitrag erwartet.
Die positive Entwicklung soll sich unter anderem auf eine Reihe neue Modelle stützen, die im zweiten Halbjahr auf den Markt kommen - darunter der neue Golf VI.
"Durch die erfolgreiche Modelloffensive, schlankere Prozesse und unsere strikte Kostendisziplin ist Volkswagen
in der Lage, profitabel zu wachsen", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Daher gehe der Vorstand unverändert davon aus, dass 2008 die Werte des Vorjahres übertroffen werden - trotz der schwächelnden weltweiten Autokonjunktur und rückläufigen Zulassungszahlen in Westeuropa.
Glänzende Geschäfte macht Volkswagen
derzeit vor allem in Wachstumsregionen wie Südamerika, Indien und Russland. In China verkauft VW
inzwischen fast so viele Autos wie in Deutschland. Aber auch auf dem Heimatmarkt stieg der Absatz zuletzt.

