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Volkswagen-Bilanz: Wo der deutsche Held verwundbar ist

Volkswagen hat erneut Rekordzahlen vorgelegt - und investiert nun massiv international. Im Wettbewerb mit anderen Herstellern scheinen die Wolfsburger unverwundbar. Doch auch der deutsche Held hat seine Schwachstellen.

Harte Zahlen, weicher Kern: Auch VW ist verwundbar. Quelle: Getty Images
Harte Zahlen, weicher Kern: Auch VW ist verwundbar. Quelle: Getty Images

Wolfsburg„Der Volkswagen Konzern kann das Jahr 2013 aus einer Position der Stärke angehen“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag zur Vorstellung der Jahresbilanz. Das ist noch leicht untertrieben. Dem Autokonzern geht es blendend. Obwohl das Umfeld unter anderem wegen der aktuellen Absatzflaute in Europa schwierig ist , konnten die Wolfsburger ihren Rekordgewinn aus dem Vorjahr erneut toppen - er stieg auf 22 Milliarden Euro. Auch das operative Ergebnis wuchs leicht auf 11,5 Milliarden Euro. Und der Umsatz konnte dank der Integration von Porsche und MAN um fast 21 Prozent auf 192,6 Milliarden Euro zulegen. Damit ist Volkswagen unangefochtener Markführer in Europa - und vor allem die Kernmarken des Konzerns entwickeln sich positiv. Volkswagen verkauft 14,7 Prozent mehr Autos, Audi rund 11,7 Prozent.

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Grund genug für VW-Chef Winterkorn, eine noch stärkere Wachstumsstrategie zu verkünden. „Ein klarer Schwerpunkt unserer Investitionen ist die weitere Internationalisierung“, sagt er. Weltweit unterhält der Konzern 100 Werke und beschäftigt 550.000 Mitarbeiter. 10 neue Werke sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

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Die Entwicklungspläne von VW sind beeindruckend. 60 neue Fahrzeugmodelle sollen in den nächsten Jahren vorgestellt werden, daran arbeiten für den Konzern 44.000 Ingenieure. 50,2 Milliarden Euro will der Konzern in seine Werke, Produkte und Technologien investieren. Der Konkurrenz in Europa dürfte es angesichts dieses Vorhabens angst und bange werden. Es wirkt fast, als wäre Volkswagen unbesiegbar.

Trotzdem versucht Winterkorn die Euphorie zu dämpfen:„2013 wird für die gesamte Branche zum Jahr der Bewährung. Auch für uns.“ Der Vorstandsvorsitzende weiß: auch Volkswagen hat Schwachstellen, die das Wachstum in den nächsten Jahren negativ beeinflussen könnten. Handelsblatt Online hat sieben wunde Punkte der Wolfsburger identifiziert:

1. Unprofitable Marken

Was Opel für General Motors ist, das ist Seat für Volkswagen. Der spanische Patient belastet weiter die Bilanz und auch im laufenden Jahr ist keine Besserung in Sicht. „Noch fehlt Volkswagen ein schlüssiges Konzept, wie Seat wieder profitabel werden kann“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FHDW in Bergisch Gladbach. Tatsächlich hat die spanische Tochter seit 2005 einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro eingefahren – und ruiniert so auch die Kostenstruktur von Volkswagen insgesamt.

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Bisher baut Mercedes-Benz den VW-Transporter Crafter gemeinsam mit dem eigenen Modell.

Mit 321.000 Autos hat Seat erneut 8,3 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr. Und das obwohl die Marke von den neuen Versionen des Leon und des Toledo und dem Markteintritt in China profitieren konnte. „Eigentlich hätte man Seat längst schließen müssen“, sagt auch Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. Alleine im Jahr 2012 beziffert VW den Seat-Verlust auf 156 Millionen Euro, obwohl die Verluste zuletzt verringert werden konnten.

Auch bei der Premiummarke Bugatti und dem Motorradbauer Ducati ist Volkswagen weit davon entfernt, Gewinne zu schreiben. Experte Dudenhöffer bezeichnet die Marken als „Spielzeuge für alte Männer“. Für 700 Millionen wurde die traditionsreichen italienischen Motorräder übernommen. Die Nobelschmieden machen Volkswagen zwar bekannter – aber nicht reicher.

„Der Konzern sollte sich besser auf die Marken konzentrieren, die den Gewinn einfahren“, sagt Dudenhöffer. Mit vier bis fünf Prozent fällt die Umsatzrendite von Volkswagen trotz Rekordergebnis im Vergleich mit der Konkurrenz relativ niedrig aus. Hyundai kommt auf zehn Prozent.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

  • Platz 10

    Nissan

    Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 9

    Toyota

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 8

    Daimler

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 7

    BMW Gruppe

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 6

    Fiat Gruppe

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 5

    Ford

    Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 4

    General Motors

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 3

    Renault Gruppe

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 2

    PSA Gruppe

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Platz 1

    Volkswagen

    Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

  • Quelle

2. Die Integration der Lkw-Marken geht nicht voran

Kurz vor der größten Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover schickte MAN-Vorstand Anders Nielsen eine Kampfansage an den Konkurrenten in Stuttgart. „Wir wollen Daimler herausfordern“, sagte der Chef der Volkswagen-Lkw-Tochter. Doch bisher stockt die Integration der VW-Lkw-Töchter Scania und MAN. Im Gegenteil: Die Nutzfahrzeugsparten lassen den operativen Gewinn des Konzern um 0,4 Prozentpunkte schrumpfen. Allein der Gewinn von Scania ist um 32,2 Prozent eingebrochen. „Wir arbeiten derzeit intensiv daran, die Synergievorteile zu erkennen und zu nutzen", sagt Winterkorn. Doch bisher ist von Zusammenarbeit wenig zu sehen. Von einem gemeinsamen Angriff auf Marktführer Daimler noch viel weniger.

Zuletzt hatte Volkswagen darum öffentlich bekräftigt, die eigenen Interessen bei MAN durch einen Gewinnabführungsvertrag stärker durchzusetzen. Für 2,1 Milliarden hat der Konzern seine Anteile an MAN auf 75 Prozent aufgestockt. Doch die Widerstände und Machtspielchen bei den schweren Jungs des Konzerns bleiben groß. Von einem integrierten Nutzfahrzeugkonzern scheint Volkswagen noch weit entfernt. „Bis auf ein wenig Stühlerücken ist bisher wenig passiert“, sagt Dudenhöffer.

  • 18.03.2013, 19:29 UhrLennart

    Liest man den aktuellen Geschäftsbericht von VW erkennt man, dass die genannten 321.000 Fahrzeuge von SEAT produziert und nicht abgesetzt wurden. Der Absatz ist um 18,8% auf 429.000 Fahrzeuge gestiegen.

  • 14.03.2013, 21:22 UhrIngenius

    Der Vergleich passt so nicht, da die fertigungstiefe unterschiedlich ist.
    VW fertigt also voel mehr im eigenem Haus, Hyundai dagegen kauft mehr Teile zu.
    Entscheident ist die Nettoumsatzrendite, die liegt wohl 2012 eher bei 6%. Der Querbaukasten steht jetzt, muss jedoch erst nach und nach eingeführt werden, was erst bei neuen Modellen komplett funktioniert. In einigen Jahren dürfte die Nettorendite nach bisheriger Planung dann auch bei etwa 10% liegen.

  • 14.03.2013, 18:08 UhrIdealist

    Nur auf Umsatz-Renditen zu verweisen reicht nicht aus um die Wettbewerbssituation zu beschreiben, Rentabilitäten zu unterstreichen, etc. Es geht hierbei um die Langfristig- und Nachhaltigkeit um dauerhaft Erfolg zu haben! Und dabei ist VW sicherlich auf dem richtigem Weg, siehe z.B. Audi. Dies muss dem Konzern halt eben auch auf dem Massenmarkt wie z.B. dem Golf weiterhin gelingen und dort ist die Konkurrenz sicherlich enorm groß. KIA und Hyundai wissen halt dort gute Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. VW muss es halt immer wieder gelingen einem gewissen Klientel zu suggerien, dass man halt mehr für`s Geld bekommt. In Europa klappt das Marketing derzeit, warum auch nicht zukünftig weltweit?

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