Volkswagen, BMW und Co

Industrie dringt auf Staatshilfe für Elektroautos

Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Doch noch sind die Preise für Batterien so teuer wie ein Kleinwagen. Daher fordert die Industrie fordert neue Subventionen – Geld für die Entwicklung und auch Kaufprämien. Viele Politiker stellen sich quer. Wie Politik und Wirtschaft über das Steckdosen-Auto streiten.
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Die Autoindustrie fordert eine Kaufprämie für Elektroautos. Quelle: dpa

Die Autoindustrie fordert eine Kaufprämie für Elektroautos.

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BERLIN. Es geht aufwärts in der Wirtschaft, die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen mit einem kräftigen Wachstum. Fast dreieinhalb Prozent in diesem Jahr und rund zwei Prozent im kommenden Jahr. Zeit, um durchzustarten und aus eigener Kraft wieder die Weltmärkte zu erobern, sollte das Motto der Industrie lauten. Doch die Signale sind andere – vor allem die aus der Automobilindustrie. Sie ruft lieber nach neuen Subventionen.

Seit Monaten fordert die Branche hinter den Kulissen nach der Abwrackprämie für Altautos eine Kaufprämie für neue Elektroautos. Zuletzt gab dies Daimler-Forschungschef Wolfgang Weber öffentlich zu Protokoll. Er und seine Kollegen von Volkswagen, BMW und Co. sehen, wie im Ausland – in Amerika, China und auch in europäischen Staaten wie Frankreich – der Staat Tausende von Euro für jeden Kauf zuzahlt, und rätseln, wie sie ohne eine Subvention in Deutschland den Anschluss halten können. Auf jeden Fall, so die Warnung, verfehle Deutschland das Ziel, dass eine Million Elektroautos bis 2020 auf deutschen Straßen fährt.

Brüderle lehnt „verzerrten Wettbewerb ab“

Auch in der „Nationalen Plattform Elektromobilität“, der von Kanzlerin Angela Merkel im Mai ins Leben gerufenen konzertierten Aktion von Industrie, Gewerkschaften und Politik, wird dies intensiv debattiert. Weber leitet dort die Arbeitsgruppe „Batterieforschung“. Allein die Batterie kostet heute noch so viel wie ein Kleinwagen. Es existieren viele offene Fragen.

Im ersten Zwischenbericht, den die Plattform kommende Woche vorlegen wird, finden sich Forschungsprojekte, die bis 2014 insgesamt 4,5 Mrd. Euro kosten würden. Auch mahnt die Plattform staatliche Hilfen für die Unternehmen an, wie die steuerliche Forschungsförderung. Der Kauf von Fahrzeugen soll für gewerbliche Kunden erleichtert werden. Im Gespräch sind Sonderabschreibungen, Steuernachlässe und Investitionsanreize wie etwa Sonderkredite über die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Für Private könnte es später Kaufprämien geben.

Doch damit beißt die Autoindustrie auf Granit. „Es ist nicht Sache des Staates, das Konsumverhalten der Bürgerinnen und Bürger mit Kaufprämien zu lenken. Das verzerrt den freien Wettbewerb“, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dem Handelsblatt. Auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bleibt hart: „Man sollte den zweiten nicht vor dem ersten Schritt machen“, erklärte sein Sprecher. Der Bund fördere gemeinsam mit der Industrie die Erforschung elektrischer Antriebe mit mehr als zwei Mrd. Euro. Das müsse reichen.

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9 Kommentare zu "Volkswagen, BMW und Co: Industrie dringt auf Staatshilfe für Elektroautos"

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  • @Stefan L. Eichner [8]
    "Vorhersagen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen". „ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ Thomas Watson, ibM-Vorsitzender, 1943
    Und Nokia hat Apple auch mal belächelt - bevor das iPhone enthüllt wurde.
    Ja, es stimmt, dass die Käufer darüber entscheiden, ob ein Produkt ein Erfolg wird, oder wieder vom Markt verschwindet. Aber bisher gab es halt fast keine Alternative zu einem Auto mit "Verbrenner".

    Die Hybrid Technik ist in meinen Augen nur eine brückentechnologie in Richtung elektrische Antriebe (eine sehr kurze brücke) und es zeichnet sich ab, dass die chinesischen Autobauer "über den Fluss springen" und gleich massiv auf elektrische Antriebe umschwenken. in den Megacities in China soll der Smog durch Autoabgase zeitweise so schlimm sein, dass man von einer Straßenseite nicht auf die andere sehen kann. Die Städte in China haben ein Problem mit der Luftqualität und das Wachstum in China erfordert immer höhere Ölimporte die irgendwann eine bremse darstellen werden.

    Unzweifelhaft besteht ein großes interesse bei den Autokäufern wie das so ist mit einem Elektromobil. Der ADAC hat 40 ADAC-Mitgliedern ermöglicht einen Smart ED (Electric Drive) für eine Woche zu testen - Der ACAC hat 12.000 Anfragen dafür bekommen.
    Und lesen Sie mal die Fahrberichte für den Nissan Leaf in den USA. Das ist ein richtig gutes Auto. Wem die Reichweite für das tägliche Pendeln ausreicht, der wird solch ein Fahrzeug beim nächsten Autokauf bestimmt in die engere Wahl nehmen. Es kommt nicht nur auf den Preis an sondern ob ein Produkt dem Käufer ein "besseres Gefühl" gibt oder den sozialen Status erhöht. Wenn er dabei auf nichts verzichten muss, sondern eher ein noch besseres Fahrgefühl hat, dann könnten die Anbieter von Elektromobilen kein Nachfrageproblem ondern eher ein Lieferproblem - Die aktuelle Produktion für den Nissan Leaf ist auf jeden Fall schon ausverkauft.

  • @Net_Worker

    Der Absatz von E-Autos wird aller Voraussicht nach auf Jahre hinaus gering bleiben - in jedem Fall weit entfernt von einem Massenmarkt. Gesellschaftlicher Konsens reicht nicht aus, die Autos müssen auch gekauft werden. Und nur ein bruchteil der befürworter der Technologie dürfte bereit sein, sich eins zu kaufen. Toyota weiß das und stellt deswegen in seiner Strategie nicht das E-Auto, sondern den Hybrid in den Mittelpunkt. Und wer sagt, dass es am Ende wirklich der E-Antrieb sein wird, der sich am Markt durchsetzt? Es gibt eine Reihe anderer, konkurrierender Antriebskonzepte.

    im Übrigen sind einige kleine Pioniere bei der Entwicklung von marktreifen Autos schon schon viel weiter als die meisten Konzerne. Und da ein E-Auto ganz anderes Know How benötigt als ein normales Auto mit Verbrennungsmotor, ist auch keineswegs von vornherein klar, dass die Autokonzerne die besseren E-Autos bauen können. bestes beispiel: Die batterielösung von Tesla (7000 Lithium-ionen-Akkus für Laptops!) wurde von allen Konzernen erst belächelt - jetzt nicht mehr. Das gilt z. b. für den ehemaligen GM-Entwicklungschef Robert Lutz. Der hat sich dann gefragt, wie es geschehen kann, dass eine kleine Startup-Klitsche wie Tesla die Technologie in den Griff bekommen kann, GM aber nicht?

    MfG
    SLE

  • @Stefan L. Eichner:
    ich würde eher sagen "Der Markt für Elektroautos war bis vor kurzem noch eine Nische", die von den kleineren Herstellern, die Sie genannt haben, besetzt wurde.
    Jetzt wird durch den Auftritt von GM mit dem Volt und von Renault/Nissan mit einem ganzen Programm von Elektrofahrzeugen ein neues Spiel eröffnet.
    Die Elektromobile sind auf dem Sprung in einen Massenmarkt mit einem erheblichen Potential.
    Es ist doch mittlerweile ein gesellschaftlicher Konsens erreicht, dass die Zukunft der Energieversorgung möglichst ohne Öl auskommen soll (weil endlich und CO2 erzeugend) und die Stromerzeugung möglichst mit einem hohen Anteil aus erneuerbaren Energiequellen erfolgen soll.
    Die Transformation des Verkehrssektors in Richtung elektrische Antriebe unterstützt die Erreichung dieser Ziele.
    Wenn man das also will, sollte die Elektromobilität ein Massenmarkt werden. Das wird er aber nur wenn die Stückzahlen für die Hersteller hoch sind. Und das können die "kleinen" Hersteller einfach nicht bieten, auch nicht mit viel Geld. Da müssen schon Massenhersteller wie VW, Toyota usw. ran, die wissen wie man Autos in Stückzahlen in einer hohen Qualität fertigt. Das Gute ist, dass die Kosten für die Stromspeicher umso schneller sinken, je schneller die Stückzahlen der Autohersteller steigen. Und dafür *kann* ein Anreiz in Form einer echten "Umweltprämie" wirklich sehr nützlich sein.

  • Die Konzerne sind kapitalstark genug und brauchen keine staatlichen Hilfen. Mehr noch sollte sichergestellt werden, dass sie den E-Automarkt nicht schon in der Entstehungsphase oligopolisieren. Doch schaut man sich die Mitgliederliste der Nationalen Plattform Elektromobilität an, die sich wie das Who is Who der Großindustrie liest, dann sieht es eher danach aus, als helfe der Staat auch noch dabei.

    Der Markt für Elektroautos wird auf absehbare Zeit eine Nische und deswegen für die Automobilkonzerne allenfalls eine Art Reserverad bleiben, das sie sich allerdings gerne jetzt schon exklusiv und ohne Risiko sichern wollen. Pionierarbeit haben hier andere und zwar kleine, ehedem unbekannte Hersteller geleistet (Tesla, bolloré, Mindset, Rinspeed, StreetScooter und viele andere) - gegen den Widerstand der großen Autohersteller, die das E-Auto lange Zeit überhaupt nicht wollten. Sie haben es allein, mit eigenen Mitteln und mit hohem unternehmerischen Risiko getan.

    Wenn überhaupt jemand aus volkswirtschaftlicher Sicht staatliche Förderung verdient, dann diese kleinen Hersteller. So könnte der Staat helfen, dass sich neben dem von den Großen bedienten herkömmlichen Automarkt auch wieder ein neues, zunächst noch kleines Segment mit neuen Anbietern und mit dynamisch-innovativem Wettbewerb entwickelt.

    Danach sieht es aber leider nicht aus. Die Pioniere werden beim Thema E-Auto von Regierungsstellen und den Medien kaum einmal erwähnt. Es wäre insofern schon viel erreicht, wenn sie in der fortlaufenden berichterstattung zum Thema die gleiche Aufmerksamkeit erhielten wie die großen Firmen. Denn dann würden die Öffentlichkeit erfahren, wie vielfältig und innovativ die Unternehmenslandschaft zum Thema E-Auto wirklich ist.

  • @ A. Prenden

    Die Studien belegen zwar, dass das Auto heute nicht mehr den Stellenwert als Statussymbol besitzt, wie früher, aber deswegen die Zukunft der individuellen Mobilität in Frage zu stellen, ist doch etwas weit hergeholt! Für die große Mehrheit ist die individuelle Mobilität nach wie vor wichtig! Man sollte Niemanden die Wahl eines beförderungsmittels aufzwingen - Dann sind wir wieder auf besten Wege in eine Diktatur, wo der Staat festlegt, wohin man wie kommt!
    Statt sich immer auf eine CO2-bilanz zu versteifen, deren Sinnhaftigkeit nicht unumstritten ist, sollte man lieber einen ganzheitlichen Ansatz wählen und als Ausgleich für die Umweltverschmutzung nachhaltig umweltfördernde Maßnahmen ergreifen.

  • @Helmers: Das nenne ich jammern auf hohem Niveau. Wer sich eine S-Klasse leistet, der darf sich über den Wertverlust und die Wartungskosten nicht wundern.
    Soweit ich weiß gibt es für das batterieproblem eine Einrichtung zur Erhaltungsladung. Die vielen elektrischen Helferlein verbrauchen einfach zu viel Strom im Ruhezustand.
    Übrigens, beim einem Elektroauto dauert es seeehr lange bis die batterie im Ruhezustand leer wird ;-)
    batterie-Kapazität S-Klasse 100 Ah
    batterie-Kapazität Elektroauto 25 kWh = die 250 fache Kapazität

  • Wie siehts denn stattdessen mit der Förderung des ÖPNV aus. Da sagt doch die Natur gerne, wenn es einfach weniger Autos und Abgase gibt. Studien belegen doch, dass die nachwachsenden Generationen das Auto nicht mehr als Statussymbol sehen, geschweige denn dafür Kredite aufnehmen wollen. Das Auto bleibt trotzdem, ob elektrisch oder verbrennend, ein Fahrzeug mit einer schlechten "CO2-bilanz" in der Herstellung. Ausserdem muß der Strom ja auch irgendwoher kommen. Das mit Nullemission ist doch nur ein Märchen! Aber Deutschland muß an seinen Autostandort festhalten, am besten mit Steurmitteln. Wir brauchen einfach neue beförderungskonzepte, keine marginalen Neuerungen!

  • Nie mehr Mercedes-benz, dauernd ist die batterie leer und man benötigt Starthilfe vom ADAC, S-Klasse, weiterhin fängt die Karosserie zum durchrosten an mehreren Stellen an.Angeblicher Stromabnehmer für 800 Euro repariert, danach das gleiche wieder. Motorblock verliert Öl. Das nach nur 86.000 Km. Auf beschwerde bei der Mercedes-Zentrale kein Entgegenkommen. Wertverlust innerhalb vier Jahren 18.000 Euro. Da war mein alter Audi besser, er hatte eine 10-jährige Garantie gegen Durchrostung. Selbst danach war noch nichts festzustellen. Deshalb nie mehr den Ärger mit Mercedes-benz und ein teures E-Fahrzeug schon gar nicht.

  • Die deutsche industrie und die dazugehörigen Manager haben mal wieder einen Trend verpennt. ich wundere mich schon lang, warum man den Elektoautoweg nicht schon lang eingeschlagen hat - wie bspw. Renault. Wichtiger war es bMW, VW und Co offenbar die PS-Leistungen der herkömmlichen Modelle aufzublasen. benzineinsparungen hat es nicht gegeben. Die Mentalität der deutschen Autokäufer ist vielleicht auch noch dadurch geprägt, dass es auf Autobahnen kein generelles Tempolimit gibt. Dort zählt Leistung und nicht Sparsamkeit!

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