Volkswagen-Chef
Winterkorn verlangt von Porsche Klarheit

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn geht vor der Machtübernahme seines Großaktionärs Porsche in die Offensive. Der VW-Manager dringt auf eine schnelle Beilegung des Konfliktes zwischen beiden Autobauern. Unternehmenskreisen zufolge setzt er sich für eine größere Beteiligung des Wolfsburger Autokonzerns im neuen Autoreich Porsche-VW. Doch damit nicht genug.

REYKJAVIK. Am Rande einer Präsentation des neuen VW Golf in der isländischen Hauptstadt Reykjavik sagte er, es seinen noch einige Fragen offen in Bezug auf das Führungsmodell des neuen Konzerns und die künftige Modellpolitik: "Es braucht Antworten, damit man auch im Management Klarheit hat und ein vertrauensvolles Verhältnis entwickeln kann."

Unternehmenskreisen zufolge sieht Winterkorn noch immer großes Potenzial im gemeinsamen Autoreich von Porsche und VW, mit einem addierten Jahresumsatz von gut 140 Mrd. Euro. Der Automanager reagiert aber zusehends genervt auf die Einflussnahme von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Statt einer Holdingstruktur nur mit Wiedeking und Porsches Finanzchef Holger Härter soll Winterkorn eine geteilte Verantwortung bevorzugen, die seinen Einzug in einen größeren Holding-Vorstand beinhalten würde. Öffentlich hält er sich noch zurück. "Wir müssen darüber reden, wenn das Thema auf uns zukommt", sagte er am Rand der Veranstaltung auf Island.

Porsche-Chef Wiedeking bekommt damit unmittelbar vor der VW-Aufsichtsratsitzung am Freitag nicht nur den Unmut des Betriebsrates von Volkswagen und der IG Metall zu spüren. Die Arbeitnehmervertreter organisieren parallel zum Treffen der VW-Kontrolleure in Wolfsburg „eine der größten Demonstrationen in der VW-Geschichte“, zu der 30 000 Werker erwartet werden. Offiziell treten sie für den Erhalt des VW-Gesetzes ein, die Demo wird aber von Wiedeking als Affront gegen den mit 30,6 Prozent an VW beteiligten Großaktionär Porsche verstanden.

Winterkorn lehnt ein von Porsche gefordertes Verbot ab, die von Betriebsrat und Gewerkschaft organisierte Demonstration der VW-Werker am Freitag auf dem Firmengelände abzuhalten. "Wir stehen zur Mitbestimmung und zur Meinungsfreiheit", sagte ein VW-Manager. Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh gebe den VW-Werkern ein Ventil, um ihren Unmut abzulassen. "Porsche zeigt einmal mehr, wie wenig es den VW-Konzern versteht: Auf dem Werksgelände zu protestieren spart Zeit und führt zu den geringsten Produktionsausfallen", sagte ein VW-Manager. Auf Volkswagens Wachstumskurs bezogen, unterstrich Winterkorn die Bedeutung der Belegschaft: "Man muss die Menschen mitnehmen."

In Porsche-Kreisen war vor kurzem als Lösung des seit Monaten schwelenden Konfliktes mit der Volkswagen-Belegschaft über eine Einbindung des VW-Chefs in die Holdingspitze spekuliert worden. Offiziell ist er aber nicht angesprochen worden. "Bisher hat mich noch keiner gefragt", bestätigte Winterkorn in Reykjavik.

Von Wiedeking geforderte engere Abstimmungen und damit Einschränkungen in der Modellpalette, etwa bei Volkswagens Premiumtochter Audi, lehnt Winterkorn den Kreisen zufolge ab. "Er findet nicht, dass man darf den Wettbewerb begrenzen darf", sagt ein VW-Manager. Selbst die Kunden-Überschneidungen zwischen Audis Spitzenmodell R8 und Porsches Sportwagen 911 lägen schließlich nur bei vier Prozent.

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