Volkswagen Das Ringen um die Zukunft

Bei Volkswagen stehen wichtige Entscheidungen über das Budget der kommenden Jahre an. Doch noch ringen Vorstand und Betriebsrat fieberhaft um den Umbau der Hauptmarke. Im Brennpunkt steht dabei Markenchef Herbert Diess.
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Der Chef der VW-Kernmarke drängt beim Umbau zur Eile. Quelle: Reuters
Herbert Diess

Der Chef der VW-Kernmarke drängt beim Umbau zur Eile.

(Foto: Reuters)

HamburgVolkswagen will in der schwersten Krise seiner Geschichte die Weichen für die Zukunft stellen. Dazu soll der Aufsichtsrat an diesem Freitag die Budgetplanung für die kommenden Jahre beschließen. Voraussetzung ist, dass sich Vorstand und Betriebsrat bis dahin auf einen Pakt für den Umbau der schwächelnden Hauptmarke VW einigen. Fast täglich wird daran gearbeitet. Ein Durchbruch ist noch nicht erreicht, was auch am Streit über Einsparungen liegt.

Mit dem Zukunftspakt sollen bei der Sanierung von VW Schritte zu Kostensenkung mit Zusagen für Investitionen verknüpft werden. Der beschleunigte Umschwung auf die Elektromobilität führt dazu, dass Werke, die bisher fast völlig auf die arbeitsintensiveren Verbrennungsmotoren ausgerichtet sind, Beschäftigung verlieren. Deshalb geht mit dem Umbau voraussichtlich ein Personalabbau einher.

„Für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens ist es absolut entscheidend, dass man sich jetzt einigt“, sagt Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. „Investoren stellen sich die Frage, wer das Unternehmen führt und welches Mandat der Vorstand überhaupt hat. Das Management ist ja nicht handlungsfähig, weil im Aufsichtsrat Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter blockieren.“ Niedersachsen ist mit 20 Prozent zweitgrößter VW-Eigner, in dem Bundesland arbeiten mehr als 100.000 Menschen für den Wolfsburger Autobauer.

Ellinghorst hofft, dass VW-Markenchef Herbert Diess keine großen Abstriche an seinem Sparkurs macht, mit dem er der Rendite auf die Sprünge helfen will. „VW kann dankbar sein, dass sie jemanden haben, der sich nicht verbiegen lässt und der auch unbequeme Dinge umsetzt. Wenn man Diess verliert, wäre das ein kolossaler Verlust. Volkswagen würde damit zeigen, dass Leute, die Veränderungen vorantreiben wollen, scheitern.“

Das Verhältnis zwischen dem ehemaligen BMW-Manager und dem mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh gilt seit längerem als angespannt. Deshalb wurde schon über Diess' Zukunft bei Volkswagen spekuliert. Er selbst hat erklärt, er fühle sich in Wolfsburg wohl.

Ein bisschen neu
Das wichtigste deutsche Auto bekommt eine Auffrischung:
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VW stellt das Facelift des Golf vor. Der Besteller läuft aktuell in der siebten Generation vom Band und erhält jetzt nach vier Jahren Bauzeit ein optisches und technisches Update.

Zeitloses Design, mit feinen Strichen geschärft. So fasst VW die optischen Maßnahmen im Zuge der Golf-Auffrischung zusammen.
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Aber ehrlich: Um die feinen Striche zu erkennen, muss man schon zwei Mal hinschauen. Ganz sanft wurden die Stoßfänger überarbeitet, hinten gibt es immer LED-Rückleuchten, vorne kommen statt Xenon-Scheinwerfen jetzt Voll-LED-Leuchten zum Einsatz – aber nicht serienmäßig. Der Basis-Golf fährt immer noch mit herkömmlichen Halogenlichtern vor. Zu welchem Preis – wahrscheinlich weiterhin für knapp unter 18.000 Euro – und wann exakt im kommenden Jahr die neueste Ausgabe beim Händler steht, lässt VW allerdings noch offen.

Dass sich der Golf nach dem Facelift – oder Update, wie es Volkswagen treffender nennt – optisch nahezu unverändert präsentiert, dürfte mehrere Gründe haben.
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Die Wolfsburger sprechen von einem „vertrauten Gesicht“, dem in Zeiten schwindenden Vertrauens in die Marke sicher große Bedeutung zukommt. Jetzt bloß keine Experimente! Aber natürlich kosten große Veränderungen auch großes Geld, und damit muss man in Wolfsburg in diesen Tagen ebenfalls sparsam umgehen. Grundlegend Neues dürfen wir also erst beim Golf 8 erwarten, und der lässt noch gut zwei Jahre auf sich warten.

Blick ins virtuelle Cockpit, das es gegen Aufpreis gibt
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Unter anderem glänzt der aktualisierte Kompakte mit einem digitalem Kombiinstrument, dessen Anzeigen sich an die Wünsche des Fahrers anpassen lassen. 

Ebenfalls neu:
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Das Top-Infotainmentsystem Discover Pro mit Gestensteuerung. Der nun 9,2 statt acht Zoll große Bildschirm kommt mit höherer Auflösung, außerdem ist die gesamte Front jetzt unter Glas – herkömmliche Tasten und Regler gibt es nicht mehr.

Gesteuert wird über den Touchscreen, mit sogenannten kapazitiven Drückfeldern am linken Rand, per Sprache oder eben per Handgeste: Durch eine Wischbewegung vor dem Bildschirm kann in verschiedenen Menüs geblättert werden.

Mit den neuen Infotainment-Systemen zieht auch eine verbesserte Smartphone-Anbindung ein, über die unter anderem ein Navigationsziel vom Handy ins Auto übertragen werden kann.
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Und es gibt neue Online-Services, wie etwa die Tankstellen- oder Ladestationssuche, das Merken der Parkposition oder eine Diebstahlwarnanlage, die den Fahrer über einen Einbruchversuch per Push-Nachricht informiert. 

Ebenfalls Pflicht bei einem Update: Neue Assistenzsysteme
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Der Golf 7 bekommt eine City-Notbremsfunktion, einen Anhängerrangierassistenten und einen Stauassistent, der erstmals teilautonomes Fahren erlaubt. Er soll im Stopp-and-Go-Verkehr bis 60 km/h den Fahrer entlasten, indem der Wagen selber Gas gibt, bremst und lenkt. Auch das automatische Ein- und Ausparken wurde erweitert: Zusätzlich zum rückwärtigen Einparken in Quer- und Längslücken kann der Golf fortan auch vorwärts in Querlücken lenken.  

Eigentlich hatten beide Seiten eine Einigung über den Zukunftspakt bis Ende Oktober angestrebt. Doch die Gespräche ziehen sich hin. Zeitweise wurde deshalb eine Verschiebung des Aufsichtsratsratstermins diskutiert. Das scheint vom Tisch zu sein. Wahrscheinlich ist, dass die Kontrolleure am Freitag auch dann zusammenkommen, wenn es noch keine Einigung gibt.

Der Autoexperte Marc-Rene Tonn rechnet damit, dass das Gremium dann nur eine generelle Marschroute für die nächsten Jahre festlegt und bestimmte Budgetentscheidungen ausklammert. „Man könnte einige Entscheidungen treffen und bei anderen warten, bis die Einigung beim Zukunftspakt steht“, sagte der Analyst der Bank M.M. Warburg. Allerdings gilt in den Verhandlungen auch ein Durchbruch vor dem Aufsichtsratstermin noch als möglich.

Diess drängt zur Eile
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