Volkswagen
Ganz groß, der kleine VW Polo

Während Konkurrenten wie Opel, Peugeot und Ford ums Überleben kämpfen, will ihnen VW-Chef Martin Winterkorn mit dem neuen Polo Marktanteile abjagen. Leicht wird das aber nicht.

GENF. Wolfgang Porsche kommt als Erster zum Familientreffen. Es ist Dienstag früh, kurz nach acht in Genf, die Automesse hat eben begonnen. Grau ist Porsches Nadelstreifenanzug, silbergrau die Krawatte, das Einstecktuch passt perfekt dazu. Sofort steuert Porsche auf Martin Winterkorn zu. Der Volkswagenchef trägt seinen blauen Zweireiher. Man plaudert. Winterkorn weiß: Auch Smalltalk ist Business. Zumal wenn der Chef zum Kontrollbesuch kommt.

Wolfgang Porsche, 65, ist Aufsichtsratschef bei Porsche. Und weil der Sportwagenbauer vergangenes Jahr VW übernahm, ist er nun auch Winterkorns Boss.

Während der Chef mit seinem Mitarbeiter spricht, treffen die anderen Auto-Mächtigen ein. Erst Wolfgangs Cousin und Clanchef Hans Michael Piëch, dann dessen Bruder Ferdinand, VW-Chefkontrolleur, mit Gattin Ursula ("Wunderschönen guten Morgen!"). Händeschütteln mit den Topmanagern von VW auf dem reinraumweißen Messestand im ersten Stock von Messehalle eins.

Der Grund für das Defilee der Familiengranden ist im Reich der PS-satten Bugattis, Lamborghinis und 911er ein recht kleiner: die Premiere des neuen Polo. In Zeiten, in denen ein halbes Dutzend Autokonzerne rund um die Welt mit dem Tode ringt und den Kunden die Autos nicht sparsam genug sein können, ruht die Hoffnung der Branche plötzlich auf Kleinwagen - selbst für die verwöhnte PS-Dynastie

Die größte Autokrise seit Jahrzehnten trifft VW bisher wenig. Der Gewinn ist 2008 auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen, während Konkurrenten wie Ford, Peugeot oder Opel um Staatshilfen betteln müssen. Mit dem neuen Polo will VW den anderen nun noch ein Stück weiter davonfahren. Doch floppt der Kleinwagen, könnte auch VW noch in den Krisenstrudel gerissen werden.

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist der Polo deshalb das wichtigste Modell seiner Amtszeit. Mit dem ersten Auto, das der Konzern komplett unter seiner Ägide entwickelt hat, muss er seinen Aktionären, den Porsches und den Piëchs, beweisen, dass er den richtigen Riecher hat. Und dass er VW lehren kann, kleiner zu denken und trotzdem großes Geld zu verdienen: Nicht mehr Golf und Passat könnten die Umsatzbringer der Zukunft sein, sondern dieser Mini-Golf namens Polo.

Wie viel für VW vom Polo abhängt, beweist schon der Messestand. Fünf Autos ließ Winterkorn hier am ersten Messetag ausstellen, fünf Polos. Mal in Silber, mal in Blau, mal in Bayern-München-Rot, so dass es sich sogar Clubmanager Uli Hoeneß nicht nehmen ließ, sich zur Abwechselung mal ans Steuer eines Kleinwagens zu setzen - mit einem strahlenden Konzernchef Winterkorn kniend neben der offenen Fahrertür. Seit der mal Audichef war, sind der Auto- und der Fußballmann befreundet.

Früher haben sie den Polo belächelt als "Zweitwagen zum Einkaufen". 1975 lief der erste vom Band, bis heute folgten 10,5 Millionen. Nun soll der Kleine ein Erwachsener sein "mit maskulinem Anspruch", wie Marketingchef Jochen Sengpiehl dichtet.

Seite 1:

Ganz groß, der kleine VW Polo

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%