Volkswagen-Geländewagen
Der „Marrakesch“ wird kein „Marrakesch“

Seit zweieinhalb Jahren kursiert ein Name für den neuen kompakten VW-Geländewagen. Durch die Verhandlungen um den Produktionsstandort hat der Begriff Berühmtheit erlangt. Doch weder wird das Auto "Marrakesch" heißen, noch wird es auf Golf-Basis gebaut.

DÜSSELDORF. Die VW-Werker sprechen von "Kompakt-SUV", dem "kleinen Geländewagen" oder dem "kleinen Bruder des Touareg". Von "Marrakesch" redet hier niemand. Der Name tauchte um die Jahreswende 2003 in der Presse auf, damals noch als Spekulation. Es passte halt so schön zu "Touareg", dem Namen des großen VW-Geländewagens. Seitdem hat sich der Begriff verselbständigt und zum vermeintlichen Fakt verhärtet. Die eine Zeitung übernahm es von der anderen; Fernsehen, Radio und Onlinemedien sprangen auf. Volkswagen ließ den Dingen ihren Lauf, hat zwischenzeitlich nur mal darauf hingewiesen, dass der Name noch nicht feststünde. Aber erst am heutigen Mittwoch - einen Tag nach der Einigung auf den Produktionsstandort Wolfsburg - stellte der Konzern klar, dass das Fahrzeug definitiv nicht "Marrakesch" heißen werde.

Marrakesch ist eine Provinz-Hauptstadt in Marokko mit geschätzt 800 000 Einwohnern. So genau weiß das keiner. Der Name stammt aus der Sprache der Berber und bedeutet "Das Land Gottes". Ob Volkswagen das Fahrzeug deshalb anders taufen will? Bislang hat der Konzern seinen Autos eher unauffällige Titel aus der Natur verpasst: Passat in Anlehnung an die Winde, Golf mit der Meeresbucht im Hinterkopf oder als neuestes Modell das auf der IAA vorgestellte Cabrio Eos, das sich den Namen von der griechischen Göttin der Morgenröte entliehen hat.

"Die Namensfindung ist ein langer Prozess", sagt VW-Sprecher Hartwig von Saß, "und der steht ganz am Ende bei der Entstehung eines Modells." Er nennt drei Kriterien, die der Begriff erfüllen müsse: Erstens müsse der Name in jeder Sprache gut klingen. Zweites dürfe er nirgendwo für etwas Negatives stehen oder übersetzt gar als Schimpfwort dienen. Und drittens dürfe er nicht vergeben sein. "VW ist in mehr als 150 Ländern vertreten - und für alle muss der Name passen", verdeutlicht er die Schwierigkeiten. So heißt etwa der VW Fox in Mexiko Lupo - so wie das Vorgängermodell in Deutschland. Denn Fox ist der Name des mexikanischen Präsidenten und VW will sich nicht auf eine politische Seite stellen.

Die Namensfindung dauert beim kleinen Geländewagen aus Wolfsburg wegen der vielen Unwägbarkeiten noch an. 2007 soll der Wagen auf den Markt kommen. Erst wenige Monate oder gar Wochen vorher wird VW das Geheimnis der Benennung lüften.

Fest steht allerdings schon heute: Das Auto wird nicht wie bislang berichtet auf Golf-Basis gebaut. Für das Modell verwendet VW nur Bauteile aus dem Kompaktwagen; andere Komponenten werden vom Passat übernommen. "Wir bedienen uns aus einem großen Bauteile-Regal und stellen daraus das Auto zusammen", sagt Saß. Wirklich eigen ist dem "kleinen Bruder des Touareq" nur die Karosserie und der Schriftzug am Heck.

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