Beim Tiguan gibt es Lieferengpässe - haben Sie falsch geplant?
Der Tiguan ist für uns ein hochprofitables Produkt. Das Auto sitzt perfekt im Markt. Die Nachfrage ist so hoch, dass wir mit den bestehenden Kapazitäten nicht auskommen. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern.
Übernehmen Sie sich?
Das Unternehmen geht sehr realistisch mit seinen Möglichkeiten und Chancen um. Wir schauen sorgfältig, dass wir die Organisation nicht überfordern. Innerhalb kurzer Zeit Werke in Indien, Russland, China und den USA aufzubauen ist eine große Herausforderung.
Was macht Sie zuversichtlich?
Wir haben eine außerordentlich robuste Strategie aufgestellt, die wir seit einiger Zeit konsequent verfolgen. Sicher gibt es die ein oder andere Herausforderung, die wir nicht vorhersehen konnten. Unseren Plan setzen wir aber mit großer Konsequenz um. Dabei ist es unwesentlich, ob sich zusätzliche Herausforderungen stellen. Es ist das Ergebnis eines Lernprozesses, richtig damit umzugehen. Und es geht nur, weil die ganze VW
-Mannschaft dahinter steht.
Welche Rolle spielt es, dass Sie absehbar Ford
als Nummer drei der Welt überholen dürften?
Für mich ist das nicht so wichtig. Wir kennen den hohen Marktanteil von Ford
in den USA und wissen, wie der Markt zu beurteilen ist. Mir ist viel wichtiger, unseren Weg profitabel weiterzugehen. Mit dem Erreichten sind wir nicht unzufrieden. Entscheidend ist aber, weiter auf dem eingeschlagenen Pfad zu bleiben. Kosten und Investitionen müssen wir im Griff haben.
VW
-Vorbild Toyota
zeigt Schwächen. Erleichtert das die Jagd?
Die Tatsache, dass Toyota
in den USA ebenfalls unter der Marktentwicklung leidet, darf man nicht überbewerten. Hätten wir dort ein größeres Engagement, wären wir auch stärker betroffen. Man darf die derzeitige Situation nicht zur Schwäche von Toyota
stilisieren. Das sind Probleme, die nicht strukturell angelegt sind, sondern schnell vorbeigehen. Toyota
bleibt Benchmark der Industrie. Das japanische Produktionssystem einschließlich der Einbindung der Lieferanten bleibt vorbildlich. Davon kann VW
noch einiges lernen.
Bedroht der Konzentrationsprozess der Zulieferer die Hersteller?
Natürlich müssen wir die Konsolidierung innerhalb der Branche beobachten. Im Vordergrund steht für uns die Leistungsfähigkeit unserer Partner. In diesem Kontext hat das Thema Continental
für uns eine hohe Bedeutung: Wir wollen sichergestellt wissen, dass strategische Projekte weitergeführt werden und wir keine mehrmonatige Hängepartie erleben.
Hat Sie die Attacke auf Ihren Zulieferer Continental
überrascht?
Es musste jedem klar sein, dass in einer Zeit, in der Aktienkurse ein solches Niveau erreichen, ein Einstieg hochattraktiv ist. Und es wird sicher noch mehr Fälle geben.
Schlägt die Stunde der Familien?
Es ist sicher kein Zufall, dass einige der erfolgreichsten Unternehmen der Automobilindustrie in Familienhand sind. Das hängt mit der Geschäftscharakteristik unserer Branche zusammen. Wir müssen hohe Investitionen tätigen - dabei dauert es relativ lange, bis das Geld zurückverdient wird.
Sind sie zufrieden mit Ihrem Großaktionär Porsche
?
Ich bin froh, dass wir uns in diesem schwierigen Marktumfeld nicht mit Verteidigungsstrategien auseinandersetzen müssen. Deshalb hat der VW
-Vorstand immer den Einstieg von Porsche
begrüßt. Es ist für uns ein Vorteil, dass wir uns voll auf die Herausforderungen des Marktes konzentrieren können.
Porsche
will bis zum Herbst die Mehrheit an VW
halten. Weht dann ein anderer Wind ?
Ich bin sicher, dass Porsche
davon überzeugt ist, dass das VW
-Management professionell vorgeht. Das für uns maßgebliche Gremium wird der Aufsichtsrat von Volkswagen
bleiben.

