Volkswagen: Hintergrund: Piëchs altes Arbeitszeitmodell

Volkswagen
Hintergrund: Piëchs altes Arbeitszeitmodell

Vor zwölf Jahren standen bei VW schon einmal zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe. Mit einem spektakulären Arbeitszeitmodell rettete der Konzern die Arbeitsplätze und seinen Ruf.

zel DÜSSELDORF. Volkswagen macht derzeit nicht seine erste Absatz- und Beschäftigungskrise durch. Weil nicht genügend Autos verkauft wurden, drohte VW in den Neunzigern mit dem Abbau von 30 000 Arbeitsplätzen. Es kam nicht dazu, weil sich das Unternehmen mit der IG Metall auf ein revolutionäres Beschäftigungsmodell einigte: die Vier-Tage-Woche. Weil alle im Konzern weniger arbeiteten, musste niemand entlassen werden. Heute will der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder jedoch wieder zurück zur Fünf-Tage-Woche, um den Konzern konkurrenzfähiger zu machen.

„Das Arbeitszeitmodell ist für das Unternehmen von unschätzbarer Bedeutung“, hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch nach der Einigung mit der IG Metall im späten November 1993 gesagt. Die Personalkosten von VW können jährlich auf einen Schlag um 1,8 Mrd. Mark gesenkt werden. Auch außerhalb des Unternehmens ernteten Vorstand und Gewerkschaft nur Lob für den Kompromiss. Klaus Murmann, damals an der Spitze der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sprach von einem „wegweisenden Modell“.

Konzern und IG Metall hatten sich auf ein kompliziertes Arbeitszeitmodell verständigt. Schwierig zu durchschauen für Außenstehende, aber auf jeden Fall gesichtswahrend für die Verhandlungspartner. VW präsentierte sich als Sieger, weil der Konzern auf dem Papier sein gestecktes Ziel erreicht hatte, die Arbeitskosten um 20 Prozent zu senken. Aber auch die IG Metall war zufrieden: Die Jahresbezüge fielen tatsächlich nur um zehn Prozent – trotz der Kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 28,8 Stunden.

Erreicht wurde der Kompromiss mit einem Netz komplizierter Detailregelungen. Rechnerisch verzichteten die VW-Werker auf 20 Prozent ihres Lohns. Doch dann wurde die Lücke aufgefüllt – etwa dadurch, dass VW eine für das Folgejahr anstehende Tariferhöhung vorzog. Viel brachte auch, dass eine Sonderfreizeit („Nordhoff-Urlaub“) ersatzlos wegfiel. Diese Extra-Freizeit hatte der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Heinrich Nordhoff den Beschäftigten in den 50er-Jahren zugestanden.

Schließlich profitierte das Unternehmen noch auf andere Weise. Etwa dadurch, dass die Sozialabgaben dank der Neuregelung um einiges geringer ausfielen. Die finanziellen Konsequenzen für die Beschäftigten hielten sich auch deshalb in Grenzen, weil VW mit dem eigenen Haustarif bis heute besser bezahlt als die übrige Metallindustrie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%