Volkswagen

Boni für die Chefs, „Anerkennung“ für die Belegschaft?

Volkswagen steht vor der Zerreißprobe: Während die Mitarbeiter lediglich eine geringere „Anerkennungsprämie“ erhalten sollen, bestehen die Vorstände offenbar auf ihre Bonuszahlungen. Bricht VW-Chef Müller sein Wort?
Update: 07.04.2016 - 13:28 Uhr 29 Kommentare

Es brodelt bei Volkswagen

DüsseldorfVolkswagen steht schwer unter Druck. Der Autobauer hat sich das Sparen verordnet – der Abgasskandal könnte den Konzern viele Milliarden Euro kosten. Das werden auch die Mitarbeiter im Portemonnaie spüren: Der Vorstand verhandelt mit dem Betriebsrat gerade, wie hoch die Prämie für 2015 ausfallen wird. Früher hieß diese „Erfolgsprämie“, jetzt geht es nur noch um eine „Anerkennungsprämie“. Es werden also sicher weniger als die 5900 Euro im Vorjahr gezahlt.

Nur im Vorstand, da sieht es offenbar anders aus: Wie „Spiegel Online“ am Donnerstag berichtet, wollen die VW-Vorstände eine Streichung ihrer Boni nicht akzeptieren. Kurz vor der Entscheidung des Aufsichtsrats über die Entlohnung würden die Top-Manager allenfalls eine Kürzung ihrer Boni hinnehmen, schreibt das das Nachrichtenmagazin.

Dabei hatte VW-Chef Matthias Müller Ende vergangenen Jahres noch eine Gehaltskürzung für den Vorstand vorgeschlagen. „Dabei geht es um den Bonus für 2015“, sagte Müller. „Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Auch hier muss die Unternehmensspitze Vorbild sein“, zitiert ihn „Spiegel Online“.

Sein Vorgänger Martin Winterkorn, der im Zuge des Abgasskandals zurücktrat, hatte für 2014 mehr als drei Millionen Euro Bonus kassiert.

In den Fokus gerät in der Wolfsburger Bonus-Debatte nun Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Der ehemalige Finanzvorstand ließ sich für seinen Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats im Oktober eine Entschädigung zahlen, weil sein Vorstandsvertrag ihm bis 2017 deutlich höhere Einnahmen garantiert hätte, schreibt „Spiegel Online“.

Als Sonderzahlung seien dabei knapp zehn Millionen Euro vereinbart worden. Dabei hatte Pötsch im Zusammenhang mit dem Abgasskandal von einer „existenzbedrohende Krise“ durch die drohenden Strafzahlungen für VW gesprochen.

Ein Streit mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat scheint damit vorprogrammiert. Der verschärfte Sparkurs treibt ohnhin einen Keil zwischen den mächtigen Betriebsrat und das Management. Die bereits seit Monaten andauernde Konfrontation mit dem Vorstand der VW-Kernmarke ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter an einem neuen Höhepunkt angelangt. Da ein „gravierendes Vertrauensproblem“ vorliege, ruft Betriebsratschef Bernd Osterloh nun zu Gesprächen über einen „Zukunftspakt“ an den Verhandlungstisch. Mit dieser Offensive steht dem Vorstand auch mit Blick auf das Diesel-Debakel eine Machtprobe ins Haus.

Es gebe keine Basis mehr für die bisherige Form der Zusammenarbeit, heißt es aus dem Betriebsrat. Diskussionen über einen „Zukunftspakt“ seien nötig, um die aktuellen Spekulationen zur Sicherheit von Jobs und Werken in Deutschland zu beenden. „Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben“, schrieb der Betriebsrat an die VW-Belegschaft. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag von Vertrauensleuten der IG Metall. Der Brief ging unter anderem per E-Mail auf den Weg.

Bosch-Beschäftigte können sich über dickes Extra freuen
Bosch
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Der Technologiekonzern lässt seine Mitarbeiter stärker am finanziellen Erfolg teilhaben. 106 Millionen Euro und damit rund 30 Millionen Euro mehr werden als Prämien an die Mitarbeiter des Mutterkonzerns in Deutschland ausgeschüttet. Jeder der 55.000 Tarifbeschäftigten bekommt den Angaben zufolge etwa 43,2 Prozent seines Monatsgehalts - im Vorjahr lag der Wert bei 33,6 Prozent. Für viele Bosch-Beschäftigte dürfte die Prämie etwa bei 1700 Euro liegen; diesen Betrag nannte ein Sprecher als Wert für die Prämie eines typischen Produktionsmitarbeiters, der seit 20 Jahren im Betrieb ist. Vergangenes Jahr hatte ein solcher Mitarbeiter 1300 Euro bekommen.

Schaeffler
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880 Euro wird der Autozulieferer seinen Mitarbeitern mit der Gehaltsabrechnung im April zusätzlich überweisen. Die Boni basieren auf einer Grundsatzverhandlung zwischen der IG Metall und der Familie Schaeffler aus dem Jahr 2009. Seit Einführung der Erfolgsbeteiligung 2011 hat jeder Tarifbeschäftigte insgesamt 4540 Euro an Prämien erhalten.

Continental
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Der Autozulieferer fährt einen Rekordgewinn nach dem nächsten ein. Continental beteiligt seine Mitarbeiter auch für 2015 daran und zahlt seinen fest angestellten Beschäftigten einen Bonus von 1200 Euro. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die weltweite Ausschüttungssumme für die Beschäftigten steigt auf 150 Millionen Euro. Der Nettogewinn war im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro gestiegen.

Merck
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Jeder Konzernmitarbeiter erhält durchschnittlich ein halbes Monatsgehalt als zusätzlichen Bonus. Insgesamt beteiligt der deutsche Pharmahersteller damit seine Mitarbeiter mit etwas mehr als 300 Millionen Euro am wirtschaftlichen Erfolg in 2015. Einen Bonus gibt es bei Merck seit 2003.

Bayer
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Für seine 36.700 Beschäftigten in Deutschland zahlt der Pharmariese mit der anstehenden Gehaltsabrechnung Ende April insgesamt 510 Millionen Euro aus. Das ist ein Plus von 90 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die individuelle Höhe setzt sich aus Zielvorgaben des Gesamtkonzerns, der einzelnen Teilbereiche des Unternehmens und der persönlichen Leistung zusammen. Tarifangestellte erhalten 110 bis 150 Prozent eines Monatsgehalts.

Mediengruppe RTL
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Rund 16 Millionen Euro zahlt die private Fernsehkette ihren Angestellten als Erfolgsprämie. Das ist eine Million Euro mehr als im Vorjahr. Etwa 2500 der insgesamt 3000 Mitarbeiter der RTL-Mediengruppe bekommen eineinhalb Monatsgehälter zusätzlich.

Daimler
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Gut geht es den Mitarbeitern, aber auch den Aktionären. Denn sie streichen mit ihrem Depotauszug die Rekorddividende von 3,5 Milliarden Euro ein. Das ist ein Zuwachs von 33 Prozent. Niemand in Deutschland schüttet mehr aus. Doch auch die Mitarbeiter können sich etwas verzögert und mit ihrer Gehaltsabrechnung Ende April freuen: Die Beteiligung fällt mit 5650 Euro um 30 Prozent höher aus als im Vorjahr.

Der Vorstand der VW-Kernmarke zeigte sich bereit, rasch in Gespräche über mehr Planungssicherheit und Gewissheit für die künftigen Jobs einzusteigen. „Das Schreiben des Betriebsrats sehen wir als sehr gute Vorlage für die weitere Arbeit. Wir begrüßen ausdrücklich das Verhandlungsangebot für einen langfristigen Zukunftspakt“, sagte VW-Personalchef Karlheinz Blessing der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Die Sicherung der Standorte liegt auch im Interesse des Vorstands. Die Gespräche werden wir zügig und konstruktiv führen.“

Der mit dem Schreiben in die Belegschaft getragene Konflikt markiert eine neue Qualität.

Großes Misstrauen beim Betriebsrat
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Mehr zu: Volkswagen - Hohe Boni für Müller und Pötsch?

29 Kommentare zu "Volkswagen: Hohe Boni für Müller und Pötsch?"

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  • @ Herr Knecht
    Lesen ist nicht gerade Ihre Stärke, oder? Ich habe überhaupt nicht von "Judenvernichtung" geschrieben, sondern von einer Diskreditierung der Juden. Und die hat sich während des Dritten Reiches der gleichen Mittel bedient, wie aktuell die mediale Diskreditierung der AfD.

  • Das Problem ist ganz einfach, dass diese sog. Top-Manager ihren Laden so dermaßen nicht im Griff haben, dass alles drunter und drüber geht - auch jenseits des Diesel-Betrugs. Der einzig mögliche Bonus kann hier doch nur eine Wertvernichtungsprämie sein.

  • Das sind nimmersatte Aasgeier ... null Respekt vor solchen Wesen.

  • Der arme VW-Aktionär bekommt keine Dividende und muß weiterhin beim Daimler Wurst klauen aber die VW-Führung bekommt einen Bonus. Das ist völlig unverständlich.

  • Wenn du das Problem nicht verstehst ... dann fehlen dir Intellekt & Anstand!!

  • Verstehe immer noch nicht, wo das Problem ist ?!

    Einen Top-Manager wie MM kann man eben nur motivieren bei der Stange zu bleiben wenn ich ihn auch ordentlich bezahle. Dagegen kann ich die Belegschaft beliebig austauschen, und meinetwegen auch aus China oder Indien importieren für ein Appel und Ei. Wir leben in einer globalisierten Arbeitswelt des 21. Jahrhundert.

  • Na, da haben wir ja wieder die Frau Petry in ihrer beliebten "armes Opfer" Rolle. Jeglicher auch nur annähernde Vergleich zwischen Judenvernichtung und AfD-Berichterstattungist jedoch das Allerletzte! Da sollten sie in Zukunft lieber dreimal nachdenken, bevor sie so einen Müll schreiben. Mal ganz abgesehen davon, dass es die erklärte PR-Strategie der AfD ist, auf diese Weise die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie sonst niemals erhalten würde!

  • Ein Artikel dazu ist mir hier nicht aufgefallen, Herr Mayer. Aber zum Glück haben wir ja die DWN!
    Hier kann man nur noch reinsehen, um zu erfahren, was das Merkel-System so meint.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Völlig unangebracht und instinktlos.

    Das völlig falsche Signal.

    Solche Entscheidungen sind auch eine Ohrfeige gegenüber den Kunden.

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