Volkswagen
Hohe Boni für Müller und Pötsch?

Volkswagen steht vor der Zerreißprobe: Während die Mitarbeiter lediglich eine geringere „Anerkennungsprämie“ erhalten sollen, bestehen die Vorstände offenbar auf ihre Bonuszahlungen. Bricht VW-Chef Müller sein Wort?
  • 29

DüsseldorfVolkswagen steht schwer unter Druck. Der Autobauer hat sich das Sparen verordnet – der Abgasskandal könnte den Konzern viele Milliarden Euro kosten. Das werden auch die Mitarbeiter im Portemonnaie spüren: Der Vorstand verhandelt mit dem Betriebsrat gerade, wie hoch die Prämie für 2015 ausfallen wird. Früher hieß diese „Erfolgsprämie“, jetzt geht es nur noch um eine „Anerkennungsprämie“. Es werden also sicher weniger als die 5900 Euro im Vorjahr gezahlt.

Nur im Vorstand, da sieht es offenbar anders aus: Wie „Spiegel Online“ am Donnerstag berichtet, wollen die VW-Vorstände eine Streichung ihrer Boni nicht akzeptieren. Kurz vor der Entscheidung des Aufsichtsrats über die Entlohnung würden die Top-Manager allenfalls eine Kürzung ihrer Boni hinnehmen, schreibt das das Nachrichtenmagazin.

Dabei hatte VW-Chef Matthias Müller Ende vergangenen Jahres noch eine Gehaltskürzung für den Vorstand vorgeschlagen. „Dabei geht es um den Bonus für 2015“, sagte Müller. „Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Auch hier muss die Unternehmensspitze Vorbild sein“, zitiert ihn „Spiegel Online“.

Sein Vorgänger Martin Winterkorn, der im Zuge des Abgasskandals zurücktrat, hatte für 2014 mehr als drei Millionen Euro Bonus kassiert.

In den Fokus gerät in der Wolfsburger Bonus-Debatte nun Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Der ehemalige Finanzvorstand ließ sich für seinen Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats im Oktober eine Entschädigung zahlen, weil sein Vorstandsvertrag ihm bis 2017 deutlich höhere Einnahmen garantiert hätte, schreibt „Spiegel Online“.

Als Sonderzahlung seien dabei knapp zehn Millionen Euro vereinbart worden. Dabei hatte Pötsch im Zusammenhang mit dem Abgasskandal von einer „existenzbedrohende Krise“ durch die drohenden Strafzahlungen für VW gesprochen.

Ein Streit mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat scheint damit vorprogrammiert. Der verschärfte Sparkurs treibt ohnhin einen Keil zwischen den mächtigen Betriebsrat und das Management. Die bereits seit Monaten andauernde Konfrontation mit dem Vorstand der VW-Kernmarke ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter an einem neuen Höhepunkt angelangt. Da ein „gravierendes Vertrauensproblem“ vorliege, ruft Betriebsratschef Bernd Osterloh nun zu Gesprächen über einen „Zukunftspakt“ an den Verhandlungstisch. Mit dieser Offensive steht dem Vorstand auch mit Blick auf das Diesel-Debakel eine Machtprobe ins Haus.

Es gebe keine Basis mehr für die bisherige Form der Zusammenarbeit, heißt es aus dem Betriebsrat. Diskussionen über einen „Zukunftspakt“ seien nötig, um die aktuellen Spekulationen zur Sicherheit von Jobs und Werken in Deutschland zu beenden. „Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben“, schrieb der Betriebsrat an die VW-Belegschaft. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag von Vertrauensleuten der IG Metall. Der Brief ging unter anderem per E-Mail auf den Weg.

Der Vorstand der VW-Kernmarke zeigte sich bereit, rasch in Gespräche über mehr Planungssicherheit und Gewissheit für die künftigen Jobs einzusteigen. „Das Schreiben des Betriebsrats sehen wir als sehr gute Vorlage für die weitere Arbeit. Wir begrüßen ausdrücklich das Verhandlungsangebot für einen langfristigen Zukunftspakt“, sagte VW-Personalchef Karlheinz Blessing der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Die Sicherung der Standorte liegt auch im Interesse des Vorstands. Die Gespräche werden wir zügig und konstruktiv führen.“

Der mit dem Schreiben in die Belegschaft getragene Konflikt markiert eine neue Qualität.

Seite 1:

Hohe Boni für Müller und Pötsch?

Seite 2:

Großes Misstrauen beim Betriebsrat

Kommentare zu " Volkswagen: Hohe Boni für Müller und Pötsch?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Knecht
    Lesen ist nicht gerade Ihre Stärke, oder? Ich habe überhaupt nicht von "Judenvernichtung" geschrieben, sondern von einer Diskreditierung der Juden. Und die hat sich während des Dritten Reiches der gleichen Mittel bedient, wie aktuell die mediale Diskreditierung der AfD.

  • Das Problem ist ganz einfach, dass diese sog. Top-Manager ihren Laden so dermaßen nicht im Griff haben, dass alles drunter und drüber geht - auch jenseits des Diesel-Betrugs. Der einzig mögliche Bonus kann hier doch nur eine Wertvernichtungsprämie sein.

  • Das sind nimmersatte Aasgeier ... null Respekt vor solchen Wesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%