Volkswagen
Im Zentrum der Macht

Das VW-Gesetz ist gefallen, das letzte Relikt des alten Systems Volkswagen. Jetzt wird Europas größter Autokonzern von Porsche regiert und am Ende möglicherweise gar in seine Einzelteile zerlegt. Der neue Konzern soll sich am großen Vorbild Toyota orientieren – und den Konkurrenten irgendwann überflügeln.
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Ungefähr dort, wo es mit Stuttgart zu Ende geht, fängt Zuffenhausen an. Und der Porsche-Platz markiert das nördliche Ende. Auf dem Weg dahin zuckelt die Trambahn an Fachwerkhäusern vorbei und an der evangelischen Pauluskirche, an deren Portal die „Sangesbrüder Zuffenhausen“ gerade einen Kulturabend ankündigen. Daneben ein Zettel: „Opel billig abzugeben.“

Nicht jeder in Zuffenhausen fährt Porsche, der Sportwagenfabrikant dominiert den Stuttgarter Stadtteil bei Weitem nicht so wie Volkswagen Wolfsburg. Nichts deutet darauf hin, dass hier künftig die wohl mächtigste, industrielle Machtzentrale Europas liegt. Von hier aus wird demnächst VW gesteuert. Jenseits der aufgemotzten Produktionshallen, im eher unscheinbaren Fünfzigerjahre-Backsteingebäude der historischen Hauptverwaltung von Porsche, wird künftig über das berufliche Schicksal von 12 000 Porsche-Mitarbeitern und 325 000 Volkswagen-Beschäftigten bestimmt werden.

In wenigen Monaten – nach Wirtschaftswoche-Informationen im kommenden Jahr nach den Wahlen in Niedersachsen – wird die Autodynastie der Eignerfamilien Porsche und Piëch die Mehrheit an Volkswagen übernehmen und aus den Marken VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat, Bentley, Bugatti und Lamborghini einen Konzern mit mehr als 110 Milliarden Euro Umsatz formen. Der neue Konzern soll so effizient wie Toyota werden und den japanischen Konkurrenten irgendwann einmal sogar überflügeln.

Alles kommt dabei auf den Prüfstand: Modellpolitik, Kosten, Management, ja, die gesamte Konzernstruktur unter dem Dach der im Sommer gegründeten Porsche Automobil Holding, einer Societas Europeae (SE), also einer europäischen Aktiengesellschaft. Die soll demnächst, so berichtet einer ihrer Aufsichtsräte, ganz symbolträchtig den gleichen Namen bekommen wie das Zuffenhausener Unternehmen: Dr. Ing. h.c. F. Porsche SE.

Und unter diesem Dach? Wie aus Kreisen von Porsche und VW zu hören ist, sind zwei Szenarien denkbar. Zum einen ein Gebilde aus den Konzernen Porsche AG und Volkswagen AG. Das läge nahe. Doch nachgedacht wird auch über eine extreme Variante: Dabei werden die einzelnen acht Marken von VW sowie Porsche getrennt und gleichberechtigt der Holding untergeordnet. Das käme einer Zerschlagung des VW-Konzerns in seine Einzelteile gleich.

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