Volkswagen in China
Die Eroberer aus Wolfsburg

VW sucht in China die Balance zwischen aggressivem Wachstum und guten Beziehungen zur Regierung. Auf der Auto China belegen die VW-Marken eine ganze Halle. Warme Sprüche sollen dem Autobauer den Weg in den Westen öffnen.
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PekingDem Volkswagen-Konzern kann die Bühne am Eröffnungstag der Auto China in Peking nicht groß genug sein. Für die Präsentation der Konzernmarken auf dem derzeit wichtigsten Automobilmarkt ließen die Wolfsburger eigens das von den Olympischen Spielen 2008 auch in Deutschland bekannte blaue Schwimmstadion „Watercube“ umbauen. „Wir erlauben uns, über Wasser zu gehen“, sagt Weiming Soh, Vize-Chinachef der gesamten VW-Gruppe.

Auch VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg freut sich, in der Arena auftreten zu dürfen, in der Michael Phelps vor vier Jahren achtmal zu Gold schwamm. Das Becken ist in den Diagonalen überdeckelt, so dass die Autos der einzelnen Marken von den Seiten vorfahren können. Trommler für VW, Gymnasten für Skoda, Wasserballett für Seat, chinesischer Hardrock für Porsche. Perfekt und pompös inszeniert von Musikproduzent Leslie Mandoki. Wolfsburg überlässt nichts dem Zufall.

Porsche-Chef Matthias Müller lässt Jacky Ickx sein legendäres Siegerfahrzeug der Rallye Paris-Dakar vorfahren. Der Sieg ist zwar schon über 25 Jahre her, aber bildet ja nur die höllisch lärmende Ouvertüre für den neuen Cayenne GTS mit über 500 PS.

Mühe und Kosten scheinen bei der Eroberung des wachstumsstärksten Automarktes keine Rolle zu spielen. Volkswagen, ohnehin in den vergangenen Jahren bei Messen eher für Klotzen als Kleckern bekannt, zeigt in China, dass der Aufwand nach oben keine Grenzen kennt. Lamborghinis Chef Stephan Winkelmann hält sich mit dem neuen Modell Urus gar für „unbesiegbar“.

Superlative kommen bei 2000 geladenen Gästen auf der Tribüne des Schwimmstadions an. Die Kameras der chinesischen Gäste verrichten beim Anblick der Konzeptstudie des ersten Renn-Geländewagens der italienischen Konzerntochter Schwerstarbeit. Der tiefer gelegte Gelände-Bolide aus Italien mit 600 PS bildet den Schlusspunkt der Präsentation.

„Sie müssen doch niemanden mehr fürchten. Sie sind doch schon die Besten“, sagt ein chinesischer Journalist zu Ulrich Hackenberg. „Na ja, in einzelnen Segmenten gibt es schon ernstzunehmende Wettbewerber“, versucht der VW-Entwicklungschef die Euphorie der Chinesen zu bremsen, „aber wir wollen trotzdem vorne liegen.“ Allein im ersten Quartal steigerte der Konzern den Absatz um 15,6 Prozent auf 630.000 Fahrzeuge. Jedes dritte Fahrzeug verkauft der Konzern im Reich der Mitte.

Kommentare zu " Volkswagen in China: Die Eroberer aus Wolfsburg"

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  • Die deutsche Autoindustrie sollte nicht uebersehen, dass sie derzeit von der erhoehten Kaufkraft aber dem geringen Angebot in ehemaligen Entwicklungslaendern profitiert. Das Blatt koennte sich sehr rasch aendern, wenn dort nicht nur die Kaufkraft gestiegen ist, sondern auch das Know-How und die Produktionskapazitaeten fuer eigene Entwicklungen. Japan wurde auch lange Zeit falsch eingeschaetzt. Heute befinden sich dort einige der ganz grossen Autoproduzenten.

  • HaHaHa
    Wolfsburg glaubt China zu erobern, hahahaha.
    Ganz schön blauäugig. VW DARF sein Know How an einen chin. Partner transferieren, das würde es schon eher treffen.

    Dass VW das Werk im Westen als neue Strategie preist, such schön, wenn man doch weiß, dass die chin. Regierung VW gezwungen hat, ein Werk in einer strukturschwachen Region im Landesinneren zu bauen. Sonst wärs aus gewesen mit dem chin. Markt. So darf VW noch ein wenig mehr Know How abtreten. In allen Ländern ausserhalb Chinas schauen Firmen darauf, dass die Infrastruktur drum herum stimmt, Fachkräfte vorhanden sind ...... ja China diktiert alles, VW darf es dann positiv verkaufen. Hauptsache, der Shareholder Value stimmt die nächsten 5-10 Jahre noch. Dann ists aus und vorbei.

  • Falscher Titel. Korrekt: Die Eroberung Wolfsburg. Wetten?

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