Volkswagen
Katar schickt Militärexperten in VW-Aufsichtsrat

Das Stühlerücken im Aufsichtsrat von Volkswagen geht weiter. Auch Großaktionär Katar nimmt eine Neubesetzung vor. Das Emirat will einen als Militärexperten bekannten Scheich zum Aufseher des Autobauers machen.
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Wolfsburg/KatarVolkswagen-Großaktionär Katar plant eine personelle Neubesetzung für eines seiner zwei Aufsichtsratsmandate. Das Emirat, das 17 Prozent der Stimmrechte an Europas größtem Autobauer hält, will den Militärwissenschaftler und Luftwaffenpiloten Sheikh Abdullah Bin Mohammed Bin Saud Al-Thani ins Kontrollgremium der Wolfsburger entsenden. Das geht aus den jüngsten Unterlagen für die am 5. Mai geplante Hauptversammlung hervor.

Der 55-Jährige, der nach seiner umfangreichen militärischen Ausbildung in den Staatsdienst des Emirats eintrat, soll den bisherigen Aufsichtsrat Ahmad Al-Sayed ersetzen. Dieser hatte seine Kontrolleursfunktion erst 2013 begonnen und würde sie damit nun vorzeitig beenden, wie ein Konzernsprecher am Montag bestätigte.

Weiterhin offen ist, wie es an der Spitze des Gremiums weitergeht. Am Samstag hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch den Vorsitz des Aufsichtsrats abgeben. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt nun kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat ab.

Als gesetzter Piëch-Nachfolger galt bisher Martin Winterkorn. Er kennt den Konzern seit Jahrzehnten und war eine unangreifbare Autorität bei VW. Bis sein beruflicher Ziehvater Piëch ihn fallen ließ und der Vorstandschef vor dem Aus stand. Der 67-Jährige gilt mehr als Qualitätsfanatiker, denn als Visionär. „Die Stärke von Winterkorn ist es, auch die letzte Schraube an der Sitzverstellung zu optimieren – und nicht die Strategie des Unternehmens“, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Setzt Winterkorn trotzdem zum rasanten Durchmarsch an die Spitze des Aufsichtsrats an? Die Rückendeckung der mächtigsten Aufseher hat er als Konzernchef bereits schriftlich. Außerdem könnte ein Sprung in den Aufsichtsrat ihn davor bewahren, zum Vorstandschef mit beschnittenen Kompetenzen zu werden.

Die Politik blickt mit Sorgen auf die Zukunft von Volkswagen. Unionsfraktions-Vize Michael Fuchs warnte vor einer längeren Phase der Unsicherheit. „Eine Hängepartie in der Führung kann sich VW nicht leisten“, sagte Fuchs der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). „Der Konzern braucht so schnell wie möglich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden“, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker. „Das Wichtigste ist jetzt, dass jetzt das Gerede von einer Krise bei Volkswagen aufhört“, sagte der frühere Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Das Hauptproblem, vor dem Volkswagen jetzt steht, ist kein personelles.“

Seit Jahren schwächle die Kernmarke VW trotz der Erfolge von Skoda und Audi, der Konzern hinke zudem wie die gesamte deutsche Autoindustrie den Entwicklungen des Marktes hinterher, sagte Trittin weiter. Der Grünen-Politiker begrüßte es, dass der frühere IG Metall-Chef Berthold Huber kommissarisch den Aufsichtsrats-Vorsitz übernommen hat. „Berthold Huber ist ein kluger Gewerkschafter, der die Übergangszeit sicher sehr gut meistern wird“, sagte der Grünen-Politiker.

Es seien die Arbeitnehmer und die IG Metall gewesen, die Volkswagen zusammen mit Ferdinand Piëch aus der großen Krise der 90er Jahre herausgeführt hätten. „Auch Mitbestimmung hat Volkswagen zur Weltmarke und einer der größten Automobilproduzenten der Welt gemacht“, betonte Trittin, der im VW-Stammland Niedersachsen von 1990 bis 1994 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten war.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • „Die Stärke von Winterkorn ist es, auch die letzte Schraube an der Sitzverstellung zu optimieren – und nicht die Strategie des Unternehmens“, sagt Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
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    Genau das ist es. Auch wenn diese Aussage eigentlich von Herrn Dr. Piech stammt, so freut es mich, dass es auch von extrenen Experten bestätigt wurde.

    Der Lotse geht von Bord.

    Wie es weitergeht, erkennt man am Niedergang des dt. Reiches, nachdem ein dummer Kaiser-Rüpel Otto von Bismark vor die Tüer gesetzt hatte.

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