Volkswagen-Manager Bernhard und Neumann
„Heute legen wir bei jedem Golf drauf“

Das Handelsblatt spricht mit Wolfgang Bernhard, Markenvorstand von VW, und Horst Neumann, dem VW-Konzern-Personalchef, über Arbeitszeiten, Managementfehler und den Standort Wolfsburg. Eines der Ergebnisse des Gesprächs: VW plant den Einheitstarif für seine Beschäftigten.

Angesichts der jüngsten Absatzerfolge – wie schaffen sie es, der Belegschaft den Ernst der Lage nahe zu bringen?

Bernhard: Fahrzeuge der Marke Volkswagen kommen bei den Kunden sehr gut an, das stimmt. Aber dieser Erfolg spiegelt sich nicht in unserer Unternehmenskasse wider. Grund dafür sind die immer noch zu hohen Herstellungskosten unserer Produkte. Die Zahlen des Jahres 2005 zeigen, dass die traditionellen Werke von VW in Westdeutschland einen dreistelligen Millionenverlust gemacht haben und nur mit Hilfe der anderen Standorte ein dünner Gewinn realisiert werden konnte. Die traditionellen Werke sind heute international nicht erfolgreich und auch im internen Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit das Schlusslicht. Das muss sich ändern, wenn diese Werke langfristig bestehen sollen. Die Mitarbeiter wissen das, auch wenn es sie natürlich nicht begeistert.

Neumann: Diese Analyse haben wir der Arbeitnehmerseite vorgelegt. Bislang waren viele davon ausgegangen, dass der aktuelle Tarifvertrag, der bis 2011 läuft, ohne weiteres umgesetzt werden kann. Doch die Lage hat sich verschärft: Wir haben angesichts des Kapazitätsaufbaus der Wettbewerber in Europa und des Preiskampfes keine fünf Jahre Zeit.

Das will die Gewerkschaft aber so nicht schlucken. Sie verweist auf Managementfehler, die das Unternehmen in diese Situation gebracht haben ...

Bernhard: Im Zweifel sind Fehler immer von beiden Seiten gemacht worden. Schuldzuweisungen nützen uns jetzt nichts. Unsere Standorte werden dadurch nicht wettbewerbsfähiger. Wir müssen handeln, um die Zukunft zu gestalten. Wir arbeiten seit einem Jahr mit Hochdruck und Erfolg an der Senkung der Materialkosten, niedrigeren Gemeinkosten, wir arbeiten an den Prozessen. Der Vorwurf, in erster Linie müsse jetzt das Personal Fehlentwicklungen kompensieren, ist also nicht richtig. Nachdem nun alles andere angepackt wurde, brauchen wir jetzt auch eine Diskussion über Standortkosten, selbst wenn es unangenehm ist. In den Traditionswerken von VW liegen die Lohnkosten je Stunde bei 55 Euro, bei der deutschen Konkurrenz bei bis zu 40 Euro, in Mittel- und Osteuropa liegen sie dagegen bei fünf bis zehn Euro. Wie sollen wir damit überleben, wenn selbst bei einem Luxuswagen-Hersteller wie Bentley die Stunde nur 25 Euro kostet? Wie sollen wir überleben, wenn uns unsere Wettbewerber aus Osteuropa heraus mit 10 Euro Stundenlohn angreifen?

Eine Optimierung der Prozesse reicht also nicht?

Bernhard: Langfristig ist es völlig hoffnungslos, bei diesen Kosten zu bestehen. Der Vorstand hat die Pflicht, die Karten offen und ehrlich auf den Tisch zu legen und allen Beteiligten zu sagen, wo wir stehen.

Müssen sich Mitarbeiter von VW also auf Gehaltskürzungen einstellen?

Neumann: Der einzelne Mitarbeiter soll kein Geld verlieren. Wir setzen auf längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn. Die Mitarbeiter bei anderen deutschen Herstellern verdienen unter dem Strich das gleiche Geld. Doch sie arbeiten 35 Wochenstunden, ihre Kollege bei VW 28,8 Stunden bzw. 30 Stunden bei den indirekt Beschäftigten.

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