Volkswagen Neuer Haustarif für 115.000 Mitarbeiter

Die Beschäftigten des Autoherstellers Volkswagen verdienen mehr. In der Nacht handelte die IG Metall einen Kompromiss aus, der Eckpunkte des Metall-Flächentarifs übernimmt. Am stärksten profitiert Niedersachsen.
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Der Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen-Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine, in Langenhagen (Niedersachsen). In der Nacht einigte er sich mit Volkswagen auf einen neuen Haustarif. Quelle: dpa
Haustarif-Verhandlungen

Der Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen-Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine, in Langenhagen (Niedersachsen). In der Nacht einigte er sich mit Volkswagen auf einen neuen Haustarif.

(Foto: dpa)

Wolfsburg/HannoverDie rund 115 000 Haustarif-Beschäftigten beim Autobauer Volkswagen bekommen schon bald spürbar mehr Geld. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr, erzielten die IG Metall und die VW-Arbeitgeber nach stundenlanger Sitzung in der Nacht zu Donnerstag eine Einigung.

Details wollen sie bei einer Pressekonferenz am Vormittag erläutern. Nach dpa-Informationen läuft es auf 3,4 Prozent Einkommensplus hinaus. Diese Höhe sieht auch der kürzlich erfolgte bundesweite Kompromiss im Metall-Flächentarif vor. Mit den 3,4 Prozent hätten die VW-Haustarif-Beschäftigten je nach Entgeltstufe pro Monat zwischen 65 und 209 Euro brutto mehr.

Der Firmentarif bei VW ist laut IG Metall mit Abstand der größte in Deutschland. Die hausinterne Regelung des Autobauers hat ihre Wurzeln in der Nachkriegszeit und gilt für die sechs westdeutschen VW-Werke Emden, Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover und Kassel sowie für die Bank- und Immobilientochter des VW-Konzerns.

Das ist das Autoreich von VW
Bentley - Umsatz: 887 Millionen Euro - Gewinn: 95 Millionen Euro (+ 37 Millionen Euro)*
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Die britische Nobeltochter ist das Übrigbleibsel aus einer Übernahmeschlacht im Jahr 1998 zwischen BMW und Volkswagen um Rolls-Royce, in der sich die Wolfsburger am Ende durchsetzten, doch auch einen Streit um Markenrechte lostraten, der am Ende in der Scheidung der beiden britischen Marken gipfelte. Mittlerweile sind die Briten auch außerordentlich profitabel - und längst mehr als ein Imageprodukt.

*im ersten Halbjahr 2014

Seat - Umsatz: 3,9 Milliarden Euro - Verlust: 37 Millionen Euro (+ 3 Millionen Euro)
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Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns verkauft zwar - auch durch den Erfolg des Leon - wieder deutlich mehr Autos. Doch profitabel sind die Spanier immer noch nicht. Das Unternehmen, das in seiner Historie eine enge Beziehung zu Fiat pflegte, ist seit 1986 Teil des Markenreiches der Wolfsburger.

VW Nutzfahrzeuge - Umsatz: 4,7 Milliarden Euro - Gewinn: 280 Millionen Euro (+ 34 Millionen Euro)
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Als eigene Marke im VW-Konzern wird die Nutzfahrzeugsparte seit 1995 geführt. Mit dem Tranporter haben die Hannoveraner eines der bekanntesten Modelle des Segments im Portfolio. Doch insgesamt bewegt sich VW Nutzfahrzeuge in schwierigem Gelände: Vor allem braucht man dringend einen Großtransporter, wenn die Gemeinschaftsproduktion mit Daimler ausläuft.

Scania - Umsatz: 5,1 Milliarden Euro - Gewinn: 476 Millionen Euro (+ 12 Millionen Euro)
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Nachdem Volvo vergeblich versucht hatte, bei Scania das Steuer zu übernehmen, griff 1999 der VW-Konzern zu. Um aus Scania und MAN einen neuen Nutzfahrzeugriesen zu schaffen, zog man in diesem Jahr in Wolfsburg die Zügel an - und übernahm alle Aktien der Schweden. Bald könnte sich das Unternehmen von der Börse verabschieden.

Skoda - Umsatz: 6,0 Milliarden Euro - Gewinn: 425 Millionen Euro (+ 182 Millionen Euro)
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Die Tschechen sind einer der großen Gewinnbringer im VW-Konzern. Kein Wunder, dass der Fabia das erste Auto aus der Kleinwagenriege ist, das auf dem neuen Baukasten-System basiert. 1990 nutzte VW die Gunst der Stunde und setzte sich beim Privatisierungsverkauf gegen Renault und BMW durch. Seitdem geht es steil aufwärts für Skoda.

MAN - Umsatz: 6,7 Milliarden Euro - Gewinn: 222 Millionen Euro (+ 346 Millionen Euro)
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Die zweite Lkw-Tochter macht endlich wieder Gewinn. Doch wie es mit den Münchenern weitergeht, ist weiterhin ungewiss. Denn die Allianz mit der Konzernschwester Scania geht nur schleppend voran - zu groß scheinen die Gräben zwischen den Schweden und den Bayern.

Porsche - Umsatz: 8,2 Milliarden Euro - Gewinn: 1,4 Milliarden Euro (+ 104 Millionen Euro)
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Gewinne, Gewinne, Gewinne - der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen fährt bei der Rendite allen anderen Autobauern davon. Mit einer Hybrid-Offensive will Porsche auch beim Verbrauch in die Spitzengruppe vorstoßen. Ihre Unabgängigkeit verloren die Schwaben im Jahr 2009 - nachdem sie ihrerseits vergeblich versucht hatte, den größeren Konkurrenten Volkswagen zu übernehmen.

Die IG Metall hatte bei VW einige Wochen später als in der Fläche verhandelt. Die Gewerkschaft orientiert sich beim VW-Haustarif an den bundesweiten Forderungen der Metallindustrie, hatte zuletzt aber oft ein Sahnehäubchen erzielt, etwa in Form einer Rentensonderzahlung.

Dieses Ziel hatte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine zum Start der Verhandlungen am Mittwoch bekräftigt: „Es muss schon ein Stückchen Sahne oben drauf sein“, sagte er. In der Fläche hatte es 150 Euro Einmalzahlung als Ausgleich für drei anfängliche Nullmonate ohne Erhöhung gegeben. VW dürfte das nun mindestens ähnlich regeln.

Mit der Einigung beenden die Arbeitgeber die Haustarifverhandlungen geräuschlos schon in Runde drei. Bei der zweiten Runde Mitte Februar hatte der neue bundesweite Flächentarif noch nicht gestanden, an dem sich VW im Haustarif orientiert.

Damals bot VW-Verhandlungsführer Martin Rosik 2,2 Prozent Entgeltplus an - das war der damalige Stand der Arbeitgeberofferte im Flächentarif. Die IG Metall war bei VW und in der Branche mit 5,5 Prozent Entgeltforderung ins Rennen gegangen.

Bei VW verdienten die Haustarif-Mitarbeiter bisher in der niedrigsten Stufe 1916,50 Euro brutto im Monat, wobei jedoch die zweitniedrigste Stufe mit 2139,50 Euro die Regel für das Minimum ist. Das Ende der tariflichen Fahnenstange waren zuletzt 6131,50 Euro brutto im Monat - gezahlt in der Regel an erfahrene Spezialisten mit Uni-Abschluss.

Neben der Entgeltfrage wollte die IG Metall die jährliche Zahl der Ausbildungsplätze bei VW um 150 auf 1400 erhöhen. Zusätzlich sollte es eine Verhandlungsverpflichtung über einen Zukunftspakt geben. Er soll etwa die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf regeln oder Konzepte, die sich um die Digitalisierung der Arbeitsplätze drehen.

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