Volkswagen
Piëch laufen die Aufsichtsräte davon

Der 20-köpfige Aufsichtsrat von Volkswagen steht vor einem drastischen Umbau. Auch bekannte Namen stehen auf der Abschiedsliste. Das dürfte dem neuen Großaktionär Porsche gelegen kommen.

fo/hz WOLFSBURG. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen steht bereits im kommenden Jahr die Verlängerung von vier Mandaten allein auf der Seite der Kapitaleigner an. Einige Kontrolleure wollen ihre Mandate nicht verlängern, weil sie mit dem "intransparenten" und "eigenwilligen" Führungsstil des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch nicht mehr einverstanden sind.

Porsche dürfte es damit leichter fallen als erwartet, die (mindestens) zwei beanspruchten Plätze im Aufsichtsrat schnell zu besetzen. Als erster Vertreter des Sportwagenherstellers wird voraussichtlich Vorstandschef Wendelin Wiedeking als einfaches Mitglied in den VW-Aufsichtsrat einziehen. Dies könnte schon bald geschehen, da VW-Aufsichtsrat Klaus Liesen (74) bereit ist, seinen Platz vorzeitig zu räumen.

Porsche-Finanzvorstand Holger Härter könnte spätestens auf der nächsten Hauptversammlung des Wolfsburger Konzerns am 3. Mai 2006 Wiedeking in den VW-Aufsichtsrat folgen. Unklar ist allerdings noch, wer ihm dort Platz machen wird. Das Mandat von Tui-Chef Michael Frenzel steht dann zwar zur Verlängerung an. Der aber werde neben Ministerpräsident Christian Wulff und Minister Walter Hirche als Vertreter des Landes Niedersachsen gezählt, hieß es in Hannover. Niedersachsen ist mit rund 18 Prozent bisher Hauptaktionär bei VW.

Auch Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer könnte dann turnusgemäß ausscheiden. Doch er will seinen Platz anscheinend nicht für einen Porsche-Vertreter räumen. Gegenüber dem Handelsblatt dementierte eine Siemens-Sprecherin Rückzugabsichten. Die Positionen der Aufsichtsräte Hans Michael Gaul und Lord David Simon of Highbury stehen dagegen laut Unternehmenskreisen erst im Jahr 2007 zur Verlängerung an. Auch das Mandat von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch läuft erst 2007 aus.

Piëch steht unter wachsender Kritik wegen seiner Doppelrolle als Kontrolleur von VW und Miteigentümer von Porsche. Nicht nur Aktienrechtsexperten sehen eine Kollision der Interessen. Auch die Ratingagentur Fitch befürchtet, dass Piëch einzelne VW-Aktionäre bevorzugen könnte. Darüber hinaus wächst der Unmut innerhalb des VW-Aufsichtsrates über mangelnde Transparenz und den Führungsstil Piëchs.

Der Volkswagen-Aufsichtsrat ist mitbestimmt. Deshalb sind zehn Kontrolleure Betriebsräte und Gewerkschafter. Wegen der Affäre um den früheren Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert gab es bereits Neubesetzungen auf der Arbeitnehmerbank. Der VW-Aufsichtsrat will sich in einer Sondersitzung am 10. Oktober mit den Folgen des Einstiegs von Porsche beschäftigten.

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