Volkswagen: Piech setzt sich durch

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Piech setzt sich durch

Ferdinand Piech steht vor einer Wiederwahl als Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats, wie das Handelsblatt erfahren hat. Damit hat er sich im Machtpoker mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff (CDU) durchgesetzt. Piech sitzt damit fester im Sattel denn je. Daran ändert auch ein kleiner Schönheitsfehler nichts.

HANNOVER. Nach Informationen aus dem Umfeld der niedersächsischen Landesregierung hat der zweitgrößte VW-Aktionär seinen Widerstand gegen den 69-Jährigen aufgegeben und ist bereit, Piech weiter als Vorsitzenden des Gremiums zu akzeptieren. Wulff entspricht damit der Forderung des größten VW-Aktionärs Porsche, künftig drei statt bisher zwei Kandidaten für das Aufsichtsgremium benennen zu dürfen. Im Gegenzug lässt sich der Sportwagenbauer künftig Piech als dessen Vertreter anrechnen; Piech ist Großaktionär von Porsche. Sprecher von VW und Porsche wollten die Informationen nicht kommentieren.

Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff zählte bislang zu den erbittertsten Gegnern eines Verbleibs des ehemaligen VW-Vorstandschefs im Kontrollgremium. Wulff wolle mit dem Schritt jedoch VW vor einer Zerreißprobe bewahren, hieß es. Neben Piech sollen auch DSW-Chef Roland Oetker und Tui-Chef Michael Frenzel erneut in den VW-Aufsichtsrat berufen werden. Im Aufsichtsrat steht der Personalvorschlag der Anteilseigner laut Unternehmenskreisen am 2. März zur Entscheidung an. Die Toppersonalie könnte aber bereits am heutigen Dienstagabend Thema auf der VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg sein, bei der sowohl Wulff als auch Piech anwesend sein werden.

Piech, dessen Familienclan Porsche kontrolliert, baut damit seine Macht weiter aus. Neben VW rückt der 69-Jährige voraussichtlich auch in das Kontrollgremium von MAN ein. Es werde damit gerechnet, dass Piech von VW in den Aufsichtsrat des Münchener LKW-Konzerns entsandt werde, hieß es. Da VW mit rund 20 Prozent größter Aktionär des LKW-Konzerns ist, stehen die Chancen gut, dass Piech bald sowohl das Kontrollgremium von MAN als auch von VW leiten wird. Die Luft für MAN-Chef Hakan Samuelsson, dessen Ablösung Piech hinter den Kulissen betreibt, wird damit dünner. Samuelsson hatte ferolglos versucht, den schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen und strebt jetzt eine Zusammenarbeit an. VW ist auch einer der Scania-Großaktionäre.

„Jetzt ist klar, wer bei VW das Sagen hat“, sagte Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Niedersachsen habe vielleicht noch darauf gehofft, dass das VW-Gesetz nicht kippe, aber nun seien die Machtverhältnisse klar und Wulff ziehe daraus seine Konsequenzen. Am Dienstagmorgen hatte der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) dafür plädiert, das Gesetz abzuschaffen. Es verstoße gegen Europarecht, weil es das Land Niedersachsen bevorzuge und Großinvestoren vom Kauf von VW-Aktien abschrecke.

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