Volkswagen
Pischetsrieder bekommt Sonderaufgabe

Zum Jahresende wird Bernd Pischetsrieder seinen Posten als Volkswagen-Chef los sein. Dem Konzern bleibt er dennoch treu. Laut zweier Medienmeldungen hat er auch schon eine neue Aufgabe bekommen: Er soll die verfeindeten Lkw-Hersteller MAN und Scania zusammenbringen, an denen VW beteiligt ist. Keine leichte Aufgabe, gibt es doch einen erstarkten Gegenspieler.

HB/hst FRANKFURT. Das Zusammenbringen von MAN und Scania sei eine von Pischetsrieders künftigen Sonderaufgaben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf Aufsichtsrats-Kreise. Auch die Nachrichtenagentur Reuters besitzt gleichlautende Informationen: „Pischetsrieder soll das zu einem erfolgreichen Ende führen“, sagte ein Mitglied des VW-Aufsichtsrats am Freitag zu Reuters. Ein Konzernsprecher von Volkswagen lehnte eine Stellungnahme ab.

Volkswagen hatte nach der außerordentlichen Sitzung des Präsidiums seines Aufsichtsrates am Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung das „einvernehmliche Ausscheiden“ seines Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder zum Jahresende bekanntgegeben. Über die weitere Tätigkeit Pischetsrieders war geschwiegen worden. Nach Medieninformationen bleibt der Manager dem Konzern erhalten. Die Information bestätigte ein Sprecher der IG Metall am Donnerstag in Frankfurt: Der VW-Chef werde in dem Unternehmen andere Aufgaben übernehmen. Deshalb gebe es auch keinen Grund für eine Millionen-Abfindungen, sagte der Sprecher und dementierte damit entsprechende Spekulationen.

Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters ist Mitglied des Präsidiums des VW-Aufsichtsrates, das am Dienstag einstimmig für den künftigen neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn gestimmt hatte. Das Unternehmen wollte die Vorgänge auch am Donnerstag nicht kommentieren. Pischetsrieders Vertrag, der 2007 ausläuft, war erst Anfang Mai vom Aufsichtsrat um 5 Jahre bis 2012 verlängert worden.

Sollte sich bewahrheiten, dass Pischetsrieder MAN und Scania zusammenbringen soll, wäre dies eine Ironie der Geschichte. Denn es verdichten sich die Hinweise, dass gerade sein Vorpreschen im Übernahmepoker um den schwedischen Lkw-Bauer zu seiner Entmachtung geführt hat. Pischetsrieder hatte sich kurz nach Bekanntgabe der Übernahmepläne durch MAN an dem Münchener Mischkonzern beteiligt; bei Scania ist VW sachon seit längerem Großaktionär. Mit seinem Engagement wollte Pischetsrieder den Einfluss von VW bei dem angestrebten Zusammengehen der Lastwagen-Bauer erhöhen. VW baut in Brasilien selbst Lastwagen und hat offenbar vor, dieses Geschäft in das fusionierte Unternehmen einzubringen. Angeblich hat dem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Beteiligung an MAN aber nicht gepasst. Denn sollte das Zusammengehen von MAN und Scania scheitern, dürften die Aktien beider Unternehmen abstürzen, was dem Großeigner VW viel Geld kosten würde.

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