Volkswagen
Pischetsrieder zieht Samthandschuhe aus

VWs Oberklassemodell Phaeton wird nicht mehr in den USA verkauft. Das wird vor allem Ex-Vorstandschef Ferdinand Piech ärgern, war der Wagen doch eines seiner Lieblingskinder. Auf die Befindlichkeiten seines Vorgängers nimmt der Neue im Amt, Bernd Pischetsrieder, offenbar keine Rücksicht mehr.

hz/HB FRANKFURT. Unübersehbar ist, dass Piëch und Pischetsrieder im Umgang miteinander die Samthandschuhe ausgezogen haben. Denn mit dem Stopp des Phaeton in den USA dreht der VW-Chef so demonstrativ wie noch nie eine von Piëch eingeschlagene Strategie zurück. „Wir müssen nun zunächst einmal mit unseren übrigen Modellen wie Passat, Jetta und New Beetle wieder zurück zu alter Stärke finden“, erläutert ein VW-Sprecher die Linie. „Dann können wir weiter sehen.“

Um einen Konflikt mit Piëch zu vermeiden, hatte der Konzern bislang an dem wenig erfolgreichen Phaeton-Modell festgehalten und es zuletzt mit massiven Preisnachlässen in den Markt gedrückt. So sind in den USA bestimmte Phaeton-Modelle rund ein Viertel billiger zu haben als in Deutschland. Zudem erhielten die US-Händler Verkaufshilfen um 10 000 Dollar pro Wagen, die sie teilweise an die Kunden weiterreichten. Ein finanzieller Aderlass, den sich VW-Chef Pischetsrieder angesichts eines absehbaren operativen Milliardenverlustes in den USA nun allerdings nicht mehr leisten will.

Unter der Ägide des jetzigen Aufsichtsratchefs Piëch hatte der Konzern mit seiner problematischen Luxusstrategie begonnen, die ihn Milliarden kostete, aber kaum etwas einbrachte. Berichte, das Verhältnis der beiden Männer sei zerrüttet, wurden allerdings von einem hochrangigen VW-Managern als „Unsinn“ abgetan.

Grund genug gäbe es allerdings: Piech hatte am Freitag zusammen mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat den neuen VW-Personalvorstand Horst Neumann ins Amt gehoben - entgegen dem Willen von Pischetsrieder.

Trotz des Verkaufsstopps für den Phaeton in den USA sieht VW aber keinen Anlass, seine Pläne für einen Nachfolger des Luxusmodells zu überdenken. „Daran gibt es nichts zu rütteln“, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Experten glauben, dass auch der neue Großaktionär Porsche an einer Fortführung des Modells sehr interessiert ist - und bei Porsche ist wiederum Piech Großaktionär. Zusammenarbeiten wollen die beiden Autokonzerne bei diesem Modell aber nicht, wie Volkswagen am Dienstag mitteilte.

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