Volkswagen plant Budget Car
VW-Billigauto – Chance und Risiko zugleich

Volkswagen will 2018 das erste Billigauto in China vom Band laufen lassen. Damit begibt sich der Autoriese aus Wolfsburg auf einen schmalen Grat. Als abschreckendes Beispiel dient der Tata Nano aus Indien.
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FrankfurtFür deutsche Autokäufer war es so etwas wie ein Kulturschock. Als der indische Autobauer Tata im Jahr 2008 „das billigste Auto der Welt“ präsentierte, da mischte sich ungläubiges Erstaunen mit Hohn und Spott. Ein Auto, das umgerechnet lediglich 1.440 Euro kosten sollte, aber so gut wie alles an Komfort, Sicherheit, Technik und auch noch Optik vermissen ließ, das konnte selbst die Inder nicht überzeugen. Kein ABS, keine Airbags oder sonstige Sicherheitsfeatures. Auf Servolenkung, Klimaanlage oder Autoradio wurde sowieso verzichtet. Dafür Plastik statt Blech und Klebstoff statt Schweißpunkt. So billig konnte der Wagen gar nicht sein, als dass er in dieser Zusammenstellung in Indien Käufer fand.

Der Nano, mittlerweile aufgewertet zum Modell „GenX“ und mit 2.800 bis 4.100 Euro auch nicht mehr ganz billig, läuft noch immer schleppend. Und das, obwohl er viel deutsches Knowhow mitbringt. Die Einspritztechnik und wesentliche Teile der Autoelektronik stammen von Bosch, die Nockenwelle sogar vom Formel-1-Zulieferer Mahle und die Motoraufhängung von Freudenberg.

Für Volkswagen ist der Nano ein warnendes Beispiel, dass man es eben doch nicht so schlicht treiben darf wie bei Tata. Die Verantwortlichen wissen, dass die Kunden selbst in den aufstrebenden Ländern an Qualität gewöhnt sind und dass es schließlich auch darum geht, den Ruf als Qualitätsmarke auch bei einem Billigmodell zu wahren. Denn das, was in der Regel heimische Produzenten mittlerweile bei diesem Thema zu bieten haben, kann sich durchaus sehen lassen.

Genau diese Gründe waren es, die Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bisher zögern ließen. Immer wieder war man kurz davor, mit entsprechenden Plänen an die Öffentlichkeit zu gehen. Und stets machten die Billig-Modelle der Konkurrenz aus Fernost, die man in Wolfsburg auseinander genommen und genau seziert hatte, Nachbesserungen nötig. „Auch für ein Budget-Car braucht es mittlerweile eine hohe Qualität“, sagte Vorstandschef vor einigen Monaten. Die Kalkulation dahinter ist klar: Der Name Volkswagen steht hier wie in den aufstrebenden Ländern für Qualität. Sollten dann selbst heimische Firmen mehr bieten, wäre die Gefahr groß, sich zu blamieren.

Zumal die eigenen hohen Qualitätsansprüche weltweit bekannt sind. Und Konzernchef Winterkorn auch bei einfacheren Modellen immer wieder selbst nach der Qualität schaut. Als im April auf der Hannover Messe beispielsweise Indien Gastland war und Volkswagen am Stand den im dortigen Pune produzierten Vento vorstellte, da prüfte Winterkorn beim Warten auf die Kanzlerin Spaltmaß, Türen und Kofferraum mit dem gleichen prüfenden Blick wie bei einem in Deutschland produzierten Auto. Der Vento, eine Stufenheck-Version des Polo, kostete bei seiner Einführung im Jahr 2010 gerade mal 7.000 Euro. Zuletzt gab es ein Facelift dieses Modells.

Das nun via „Bild am Sonntag“ für das Jahr 2018 angekündigte Budget Car von VW soll indes aus China kommen. Zum Preis zwischen 8.000 und 11.000 Euro wird es ab dann einen SUV sowie eine Schräg- und Stufenheck-Variante geben. Dort ist der Markt nicht nur ungleich größer als in Indien, es wird wie üblich mit einem heimischen Partner eine Kooperation geben. Im Gespräch war dafür in den vergangenen Monaten immer wieder der Name Great Wall.

Die große Unbekannte dürfte bei all den Plänen sein, ob die Konkurrenz in drei Jahren nicht ebenfalls schon deutlich weiter ist und dann nicht doch gleich wieder nachgebessert werden muss. Sowohl bei Ausstattung als auch beim Preis. So hat beispielsweise erst vor wenigen Wochen der französische Konkurrent Renault seinen Kleinwagen Kwid vorgestellt. Der City-SUV, wie er dort genannt wird, soll lediglich zwischen 4.000 und 5.000 Euro kosten und in Indien gebaut werden. Als wichtiges Statussymbol für den dortigen Markt hat er sogar serienmäßig ein Navigationssystem eingebaut.

Kommentare zu " Volkswagen plant Budget Car: VW-Billigauto – Chance und Risiko zugleich"

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  • Und wenn ich daran denke, wie sehr die versammelte deutsche Journaille, auch im HB, damals die deutsche Industrie VERDAMMT hat, weil sie nicht in der Lage waren, so ein Billigdings wie den NaNo zu bauen.....

  • Deutsche Rechtschreibung ist auch manchmal ein schmaler Grat. ;)

    http://www.duden.de/rechtschreibung/Grat

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