Volkswagen-Sanierung
IG Metall geht auf Forderung von VW ein

Die Verhandlungen des Autobauers Volkswagen mit der IG-Metall und dem Betriebsrat über eine Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW tragen erste Früchte. Das Management des VW-Konzerns konnte beide Parteien davon überzeugen, dass längere Arbeitszeiten unumgänglich sind. Den Ausschlag gaben konkrete Invesititionszusagen für die westdeutschen Werke.

FRANKFURT. IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine wird daher der am heutigen Montag in Hannover tagenden Tarifkommission empfehlen, die Gespräche mit VW fortzusetzen. Eine Zustimmung des Gremiums, trotz des bestehenden Tarifvertrages in Verhandlungen über die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche einzusteigen, gilt nach Aussagen aus Gewerkschaftskreisen als sicher. Darauf deutet auch hin, dass mit VW bereits der kommende Montag als nächster Verhandlungstermin festgesetzt wurde.

Das im Konzern für Personalangelegenheiten zuständige Vorstandsmitglied Horst Neumann und VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes hatten der Gewerkschaft am vergangenen Freitag Grundzüge ihres Konzepts für die Sanierung der Marke VW vorgestellt. Es enthält nach Informationen aus dem Umfeld eine Reihe konkreter Investitionszusagen für die sechs westdeutschen Werke. Unter anderem soll in Wolfsburg zur Verbesserung der Auslastung neben dem Golf in Zukunft ein weiteres Volumenmodell gefertigt werden.

Personalvorstand Neumann hatte zu Verhandlungsbeginn am Freitag die Dringlichkeit einer Kostensenkung angemahnt: „Es geht um die Zukunft von VW in Deutschland und darum, wie viel Beschäftigung und Produktion wir hier halten können.“ VW schreibt mit seinen westdeutschen Werken nach Managementangaben seit Jahren dreistellige Millionenverluste. Dies ist auch ein Grund dafür, dass die Marke VW trotz weltweit steigender Absatzzahlen im vergangenen Jahr nur knapp an der Verlustzone vorbeigeschrammt ist. Daher knüpft das Management weitere Produktionszusagen für die Werke an die Bedingung deutlicher Kostensenkungen. Eine Kernforderung ist die Rückkehr von der 28,8-Stunden-Woche zur 35-Stunden-Woche, um die kapitalintensiven Anlagen besser auszulasten.

Für Betriebsrat und Gewerkschaft sind feste Zusagen über ein zusätzliches Produktionsvolumen die Bedingung für Eingeständnisse, da eine Verlängerung der Arbeitszeiten allein das Problem der Überkapazitäten und des Personalüberhangs noch verschärfen würden. Schon jetzt liegt beispielsweise die Auslastung des Werkes Wolfsburg bei weniger als 70 Prozent. Nach Konzernangaben hat VW in Westdeutschland bislang rund 20 Prozent zu viel Personal. Mit Vorruhestands- und Abfindungsregelungen sollen 20 000 Stellen abgebaut werden.

VW plant die Erhöhung der Arbeitszeit angeblich in drei Stufen, wobei sich der Zeitpunkt nach der Auslastung der einzelnen Werke richten soll. Längere Arbeitszeiten soll es nur „dann und in den Bereichen“ geben, „wo ausreichend Arbeit da ist“, hat Personalchef Neumann angekündigt. Knackpunkt einer Einigung ist die Vergütung der Mehrarbeit. Eine Arbeitszeitverlängerung ohne jeden Lohnausgleich, wie vom Management gefordert, lehnt der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh kategorisch ab. Den Weg zu einem Kompromiss könnte eine Erfolgsbeteiligung ebnen.

Auf eine Verlängerung der festen Beschäftigungsgarantie, die nach dem bisherigen Tarifvertrag bis 2011 gilt, will sich der Konzern aber nicht einlassen. Entsprechende Medienberichte wurden dementiert. „Es gibt keine Einigung im Hintergrund“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das VW-Management möchte sich auf Investitions- und Produktionszusagen beschränken. „Sichere Arbeitsplätze kommen durch Wettbewerbsfähigkeit. Die sichert man am Besten, in dem man an der Qualität der Produkte, an den Kosten und einer effizienten Organisation arbeitet“, hat VW-Markenchef Wolfgang Bernhard die Verhandlungslinie vorgegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%