Volkswagen
Tempomacher auf der Produktionsstraße

Die VW-Manager wollen ihren Mitarbeitern weltweit beibringen, wie man effizienter Autos baut. Lehrmeister sind ausgerechnet Berater von Porsche.

WOLFSBURG. Rein äußerlich unterscheidet sich der Backsteinbau 74c nicht vom Rest des riesigen VW-Werksgeländes am Mittellandkanal. Drinnen aber will Europas größter Autobauer die Zukunft lehren.

Der Konzern hat in Wolfsburg gerade für zwei Millionen Euro ein 1 700 Quadratmeter großes "Lean Center" eingerichtet, eine Modellfabrik samt Schulungszentrum. Dort sollen die Mitarbeiter, von der Konzernspitze abwärts, ein schlankes Produktionssystem erlernen und es dann an ihre Kollegen in aller Welt weitergeben. Die Manager haben sich beraten lassen, wie Kosten zu reduzieren und Prozesse zu verbessern seien. Von Porsche-Experten, ausgerechnet. Von Porsche, dem Sportwagenbauer, dem Großaktionär, der Gefahr aus Zuffenhausen. Nach und nach hat Porsche mit Hilfe von Optionen an einer VW-Übernahme gewerkelt. Und wenn es nur das wäre.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und die Seinen sehen sich, seit sie den Sportwagenhersteller Anfang der 90er-Jahre mit Toyotas Kaizen-Philosophie der stetigen Verbesserung auf Erfolg getrimmt haben, als Weltmeister optimaler Produktion.

In Wolfsburg betrachten sie die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Sie stöhnen jetzt über einen Hang zum Besserwissen, einen externen versteht sich. Gut 20 Berater hat Porsche Consulting abgestellt, um das neue VW-Produktionssystem zu kultivieren. Die Manager in Wolfsburg fürchten den Durchgriff. Denn Porsche will den angestrebten Beherrschungsvertrag über die Volkswagen AG möglichst schnell durchsetzen. "Wer sich dann um die Produktion kümmert, ist doch klar", sagt ein Beteiligter.

Zumindest an einer Tatsache ändert das nichts. Effizienz muss her, "Lean Center" und eine Volkswagen-Variante des Kaizen, Name: "Kontinuierlicher Verbesserungsprozess". Die Konkurrenz schläft nicht.

Die Idee stammt aus Japan. VW hat sie mit Porsches Hilfe aufgegriffen, mit den Erfahrungen von Daimler und anderen abgeglichen und nach Art des Hauses so lange daran herumgemodelt, bis das Konzept perfekt schien. Der Drang nach Perfektion hat erfolgreiche Autos wie den VW Tiguan hervorgebracht. Und den Fluch zu komplizierter Technik, siehe Golf V, der kein Geld einspielte. Und nun wollen die perfektionistisch veranlagten Manager in Wolfsburg ihr Meisterstück machen. VW soll vor dem japanischen Rivalen Toyota zum besten Autohersteller der Welt werden, technisch und qualitativ sowieso, aber auch in Sachen Rentabilität und Kundenzufriedenheit. Dazu will der Konzern ein "Top-Arbeitgeber" sein, darauf legt vor allem Betriebsratschef Bernd Osterloh großen Wert. Mit ihm wurde das "Lean Center"-Projekt eng abgestimmt.

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