Volkswagen und der Abgasskandal
VW bekommt neues Ultimatum in den USA

Durchatmen in Wolfsburg: Volkswagen erhält eine neue Gnadenfrist. Der Autobauer bekommt von einem US-Gericht mehr Zeit, um sich mit Umweltbehörden auf einen Umrüstungsplan für Diesel-Fahrzeuge zu einigen.

New YorkNach zehn Minuten war alles vorbei. VW und die Umweltbehörden hätten „wesentliche Fortschritte“ gemacht, um sich auf einen Weg zu einigen, wie die vom Dieselskandal betroffenen Autos in den USA repariert oder von den Straßen genommen werden können, verkündete Bezirksrichter Charles Breyer am Donnerstag vor Gericht in San Francisco. Eigentlich hatte er für diesen Tag schon eine Lösung gefordert. „Doch die Parteien sind noch nicht soweit, um eine Einigung heute schon zu verkünden. Technische Details und andere wichtige Aspekte müssen noch geklärt werden“, sagte er.

Breyer ist der Richter über eine umfassende Sammelklage von Autobesitzern gegen Volkswagen in den USA, bei der auch VW-Chef Matthias Müller, Audi-Chef Rupert Stadler und Bosch-Chef Volkmar Denner zu den Beklagten zählen. Er gab sich am Donnerstag optimistisch, dass VW bald mit den Behörden eine Einigung präsentieren kann. Das ist für seinen Fall wichtig. Denn nur wenn klar ist, ob und wie die Autos repariert werden können, kann er entscheiden, wie die Autobesitzer entschädigt werden können.

Am 21. April erwartet Breyer von VW dann einen „konkreten Vorschlag“. Darin muss der Wolfsburger Autobauer unter anderem adressieren, wie die Autos repariert werden können, wie ein möglicher Plan zum Rückkauf der Autos aussehen soll, welche Autos in welche Kategorie fallen und wie hoch die Entschädigungszahlungen für die Autobesitzer ausfallen werden.

In den USA sind knapp 600.000 Autos der Marken VW, Audi und Porsche von den Abgasmanipulationen betroffen, die seit dem Modelljahr 2009 auf dem Markt sind. Dabei handelt es sich um drei Generationen von Motoren, die unterschiedlich nachgerüstet werden müssen.

VWs Anwalt Robert Giuffra versicherte dem Gericht, unter Hochdruck an einer Lösung zu arbeiten. „Unsere Ingenieure arbeiten rund um die Uhr“, sagte er. Auch VWs Anwälte seien extrem eingespannt. Die vergangenen vier Wochen „waren die härtesten, die ich in meinem Berufsleben durchgemacht habe.“

Sollte sich VW bis zum 21. April nicht mit den Behörden auf eine Reparatur der Autos einigen können, dann könnte Breyer erheblich Druck machen. So könnte er anordnen, dass die Autos nicht mehr fahrtauglich sind und von den Straßen genommen werden müssen. Danach könnte es sehr schwierig werden, die Autos zu reparieren.

Der Analysedienst Bloomberg Intelligence schätzt die Kosten, alle betroffenen Fahrzeuge zurückzukaufen, auf 9,4 Milliarden Dollar. Sollte VW nicht sofort eine solche Anordnung befolgen, dann könnte der Autobauer zu täglichen Strafzahlungen verdonnert werden – so lange, bis die Autos von den Straßen sind. Auch deutete der Richter an, dass er einen Prozess rasch voran treiben werde, wenn bis zum 21. April keine Lösung präsentiert wird.

Breyer gab sich jedoch zuversichtlich, dass es nicht soweit kommen muss. Er sei „laserscharf“ auf eine umfassende Einigung fokussiert, heißt es von der Klägerseite, um einen Prozess zu verhindern.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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