Volkswagen und die Whistleblower

Die Einladung zum Auspacken

Skandale wie bei Volkswagen kommen meist nur ans Licht, wenn Mitarbeiter über die Missstände auspacken. In der Autoindustrie sollen diese „Whistleblower“ nun per Gesetz besonders geschützt – und reichlich belohnt werden.
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„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option.“ Quelle: dpa
Volkswagen-Händler in Hannover

„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option.“

(Foto: dpa)

New YorkWie viele Mitwisser braucht man, um elf Millionen Motoren in ihrem Abgasverhalten zu manipulieren? Einige wenige, sagt VW. Sehr viele, glauben die Ermittler, die in Europa und den USA versuchen, den Skandal aufzuklären. Dabei hätte ja ein einziger VW-Techniker gereicht, um den VW-Vorstand oder externe Ermittler auf die Spur des Betruges zu bringen. Denn das Bewusstsein, gegen Gesetze zu verstoßen, das dürfte so manchen VW-Mitarbeiter in den letzten Jahren gequält haben.

Nur: Wem soll man sich anvertrauen, wenn man keine sichere Anlaufstelle hat?

Eine solche versucht VW jetzt zu schaffen, der Konzern muss den Behörden glaubhaft darstellen, dass er aufklären will. Konzernchef Matthias Müller fordert Ehrlichkeit ein und verspricht Hinweisgebern eine faire Behandlung. Heerscharen von Ermittlern befragen seitdem die Entwicklungsabteilung. Und prompt kommt der nächste Skandal auf den Tisch: Ja, auch bei den Verbrauchsangaben habe man geschummelt, bekannte ein VW-Ingenieur Anfang der Woche. Bei mindestens 800.000 Autos stimmen die Angaben zum Spritverbrauch nicht.

Während bei Volkswagen nun täglich mit neuen Enthüllungen zu rechnen ist, fragen sich die Ermittler: Wo waren die Whistleblower in den vergangenen Jahren? Kein VW-Mitarbeiter hat sich mit den Informationen über die Abgas-Manipulationen an die Medien oder eine Whistleblower-Plattform gewendet.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Und selbst jetzt, wo die Wahrheit ans Tageslicht gekommen ist, fällt es vielen bei VW immer noch schwer, auszupacken. „Die Bereitschaft, rechtzeitig auch dann auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, wenn man sie nicht persönlich zu verantworten hat“, sei bei VW „nicht ausreichend entwickelt“, kritisiert Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil.

Es ist ein bekanntes Problem, nicht nur bei VW. „Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option“, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen, der Ende Oktober veröffentlicht wurde und fehlende Schutzmaßnahmen für Whistleblower anprangert.

Es locken 30 Prozent von einer Millionensumme
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4 Kommentare zu "Volkswagen und die Whistleblower: Die Einladung zum Auspacken"

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  • Glauben sie mir was sie an der Börse für Daxstände abrechnen, wenn in Frankfurt geschlossen ist, davon könnten wir Millionen Flüchtlinge finanzieren.
    Da werden die 11000 diese Woche erreicht und abgerechnet, genauso wie die 9300
    als Jahrestiefstkurse alles Kurse die sie berechnen und abrechnen. Völlig legal und was der Gipfel ist die EZB warnt davor! Aus wertlosen" Derivaten werden innerhalb
    von ein paar Wochen 16 Euro. Es wird nichts dagegen unternommen!
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/ezb-warnt-die-macht-der-schattenbanken-waechst/12514288.html
    http://www.zdf.de/leschs-kosmos/geldgier-wahnsinn-mit-methode-harald-lesch-leschs-kosmos-40450424.html
    Das ist die eine Gefahr, wenn andere über Systeme verfügen welches Geld
    einfach vermehrt ohne Arbeit

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "... – und reichlich belohnt werden"

    Muss man immer gleich so übertreiben?

    Es würde schon vollauf reichen, wenn jeder offen aussprechen könnte was er denkt (in zivilisierter Form, versteht sich), ohne irgendwelche Repressalien befürchten zu müssen.

    Das ist aber keine Frage von äußeren "Anreizen", sondern eine der inneren Einstellung, bzw. (im Wirtschaftsleben) der Unternehmenskultur.

    Und die lässt sich ganz bestimmt nicht mal so eben per "ordre de mufti" ändern, das braucht erstens Zeit zur Besinnung*, zweitens echten Willen, und dann dürfte es drittens seine Zeit brauchen, bis auch die vorsichtigeren Gemüter davon überzeugt sind, das sie dem Braten trauen können...

    „„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option“, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen, der Ende Oktober veröffentlicht wurde und fehlende Schutzmaßnahmen für Whistleblower anprangert, und „Unzählige Tipp-Geber auf der ganzen Welt werden eingeschüchtert von Beamten, Kollegen und anderen und enthalten der Öffentlichkeit so wichtige Informationen vor““.

    Das darf einfach nicht sein und muss sich ganz schnell ändern.

    Und um das zu erreichen, muss erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie gravierend dieses Problem letztlich für unsere ganze Gesellschaft ist (z.B. durch die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzes zur Vermeidung ungerechtfertigter Nachteile wegen „zuviel Offenheit“.

    (*nö, ist auch bei mir noch nicht Weihnachten :))

  • Die Frage kann sich das Handelsblatt wohl selbst beantworten!
    Den Verrat mögen viele den Verräter niemand.
    Das promintes Beispiel aus jüngster Zeit: E. Snowden
    Hätte wir sonst erfahren über die Machenschaften der NSA erfahren? Wir sind wir mit ihm umgegangen?
    Und die Gründe dafür liegen auf der Hand. Wir möchten durch diese Mendchen nicht aus unserer scheinheiligen Ruhe gerissen werden. Und der Ehrlichkeits Aufruf bei VW erfüllt im Moment einen anderen Zweck. Man nennt das Gutmenschentum!

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