Volkswagen und Dieselgate
Aus Südkorea kommt der nächste Nadelstich

Wegen der Dieselaffäre gerät Volkswagen in Südkorea immer stärker unter Druck. Für einen großen Teil der Modelle gibt es jetzt einen befristeten Verkaufsstopp. Damit könnte VW aber einem Verbot der Behörden zuvorkommen.

DüsseldorfDer nächste Rückschlag für Volkswagen in der Dieselaffäre, dieses Mal in Südkorea. Der VW-Konzern hat einen Verkaufsstopp für das asiatische Land beschlossen, wie ein Konzernsprecher in Wolfsburg bestätigte. Betroffen sind davon 79 Modelle der Marken Volkswagen und Audi. Nicht nur Diesel-Modelle stehen auf der Liste, sondern auch Benziner.

Der VW-Konzern will sich damit nicht endgültig aus Südkorea zurückziehen, sondern spricht von einem „temporären“ Verkaufsstopp. Auslöser sind Ermittlungen südkoreanischer Behörden in der Abgasaffäre. „Wir stoppen den Verkauf freiwillig, um der Konfusion im Markt entgegenzutreten“, ergänzte eine Sprecherin von Volkswagen Korea am Freitag. Die Maßnahme werde von Montag an wirksam.

Das Umweltministerium in Seoul will die Zulassung für Dutzende von VW- und Audi-Modellen zurückziehen. Das Unternehmen soll Papiere bei Emissionswerten geschönt haben, um die Zulassung in Südkorea zu bekommen. Die Behörden des Landes hatten ihre Ermittlungen gegen VW wegen des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte erheblich ausgeweitet. Im Juni war sogar ein Mitarbeiter von Volkswagen Korea festgenommen worden.

Der VW-Konzern erlebt in Südkorea schon jetzt einen starken Einbruch der Verkaufszahlen. Zu seinen besten Zeiten hat Volkswagen dort bis zu 60.000 Autos im Jahr verkauft. Schon 2015 waren es gerade einmal noch gut 35.000. Auch in Asien leidet der Konzern unter einer Vertrauenskrise auf Seiten der Kunden, ausgelöst durch die Dieselaffäre.

Von der laufenden Untersuchung des südkoreanischen Umweltministeriums sind nach Reuters-Angaben insgesamt 32 Konzernmodelle betroffen. Fallen die Ermittlungen negativ aus, würde VW ein staatlich verhängtes Verkaufsverbot drohen. Diesem möglichen Verbot ist Volkswagen nun offenbar selbst zuvorgekommen, um für Klarheit in Südkorea zu sorgen. Die Behörden in Seoul haben Zweifel an den Verbrauchs- und Lärmwerten, die VW für seine Modelle in Korea angemeldet hat. Frühestens in drei Monaten soll feststehen, ob VW die Zulassung für seine Fahrzeuge doch bekommen wird.

Südkorea ist nicht das erste Land, in dem VW den Verkauf bestimmter Modelle nach dem Bekanntwerden der Dieselaffäre stoppt. Seit dem Herbst vergangenen Jahres werden in den USA und in Kanada überhaupt keine Dieselmodelle mehr verkauft. Von VW selbst kamen zuletzt immer wieder Hinweise, dass dieser Verkaufsstopp für Dieselfahrzeuge in Nordamerika dauerhaft und endgültig sein könnte. Für die Bewältigung der Dieselaffäre hat Volkswagen bislang mehr als 16 Milliarden Euro zurückgestellt. 

 

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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