Volkswagen und Dieselgate
Die teuren Folgen des Abgasbetrugs

Volkswagen kommt der Dieselbetrug teuer zu stehen: Nach Insiderinformationen muss der Konzern einen zweistelligen Milliardenbetrag zurücklegen. Der Abschlussbericht von Jones Day lässt auf sich warten.

HamburgVolkswagen muss einem Insider zufolge wegen des Abgasskandals in seiner Bilanz für das abgelaufene Jahr mindestens zehn Milliarden Euro zur Seite legen. „Das wird im Gesamtjahr im zweistelligen Milliarden-Bereich liegen“, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Ein weiterer Insider bestätigte dies. VW äußerte sich nicht. Der Wolfsburger Konzern hatte im dritten Quartal bereits wegen der Reparatur der weltweit rund elf Millionen von Manipulation der Dieselabgaswerte betroffenen Fahrzeuge 6,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt.

Trotz der immensen wirtschaftlichen Schäden stockt die Aufklärung im VW-Skandal. Der für „die zweite Aprilhälfte“ angekündigte Bericht der US-Kanzlei Jones Day lässt auf sich warten. Ob es den Bericht für die Öffentlichkeit zeitnah geben wird, ist alles andere als sicher.

Die Gründe für eine mögliche Verschiebung liegen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber nicht in Wolfsburg, sondern in den USA. Dies berichtete am Mittwoch auch das „Wall Street Journal“. Die dortigen Ermittler des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI sollen die Kanzlei Jones Day „sehr eindringlich“ darauf hingewiesen haben, dass eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt problematisch für die eigenen Ermittlungen sei. Ein Sprecher des US-Justizministeriums wollte sich zu der Thematik nicht äußern.

Damit nicht genug: In Wolfsburg fürchtet man, durch einen öffentlichen Bericht noch mehr Unmut des US-Justizministeriums zu erfahren. Die Folge könnten höhere Kosten bei einem Vergleich vor Gericht sein.

„Die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen“, heißt es aus dem VW-Aufsichtsrat. Das Gremium ist Auftraggeber der Kanzlei und hat das letzte Wort für den Umgang mit den Ergebnissen der monatelangen Ermittlungen. Rund 450 Personen durchleuchten eine gigantische Datenmasse von mehr als 100 Terabyte - mehr als 50 Millionen Bücher. Zudem wurden Mitarbeiter vernommen und ihre Aussagen protokolliert.

Nach dpa-Informationen kann der Bericht derzeit ohnehin keinen Schuldigen präsentieren. Stattdessen zeichnet er eine Chronologie der Ereignisse nach und entlastet die Konzernspitze um den damaligen Chef Martin Winterkorn. Denn keinem Vorstand kann dem bisherigen Stand zufolge eine Mitwisserschaft oder gar eine Anweisung bei den millionenfachen Diesel-Manipulationen nachgewiesen werden.

Für die US-Ermittler geht es wohl aber nicht um diese Aussage. Die Deutung der Schuldfrage werde sich garantiert niemand von dem Kanzlei-Bericht vorschreiben lassen, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Problematischer sei es mit den dort für Insider identifizierbaren Personen. „Diese könnten - wenn sie etwa von den US-Behörden noch nicht befragt wurden - gewarnt sein oder ihre Aussagen denen anderer Befragter anpassen“, sagt ein Aufsichtsrat. Das störe womöglich die Wahrheitsfindung empfindlich. „Und das kann nicht in unserem Sinne sein.“ Das Verhältnis zu den US-Behörden gilt schon als belastet.

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„Das würde natürlich schon wehtun“

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