Volkswagen und Dieselgate
Es wird teuer und schmerzhaft

216 Tage nach Ausbruch des Diesel-Skandals einigen sich VW und die US-Behörden auf einen ersten Kompromiss. Die Besitzer der manipulierten Diesel werden entschädigt. Doch viele Fragen bleiben.

San Francisco/WolfsburgEs ist ein Fortschritt, aber noch lange kein Befreiungsschlag: Um in den USA, dem Epizentrum der Abgas-Krise, wieder auf die Beine zu kommen, wird Europas größter Autobauer den Rückkauf eines großen Teils seiner dort knapp 600.000 manipulierten Diesel anbieten müssen. Ein Rückruf mit Nachbesserungen in der Werkstatt reicht nicht. Zudem muss Volkswagen betroffenen Besitzern „substanziellen Schadenersatz“ zahlen. Das ist der Kern eines ersten Kompromisses zwischen VW und den US-Behörden, den der zuständige US-Richter Charles Breyer am Donnerstag als einen Meilenstein billigte. Allerdings bleiben eine Menge Fragezeichen.

Denn Details und Summen zu der Lösung sind noch unklar. Bis zum 21. Juni – einen Tag vor der VW-Hauptversammlung – hat Breyer eine Frist gesetzt. Bis dahin soll es mehr Klarheit zu den Lösungen geben.

Auch wenn keine absoluten Summen feststehen, so viel ist schon klar: Die finanziellen Folgen der Abgasaffäre werden „substanziell und schmerzhaft“, hatte Konzern-Chef Matthias Müller vor einigen Wochen gesagt. An dieser Perspektive ändert auch Breyers Billigung nichts.

Müsste der Konzern auch nur die Hälfte der insgesamt betroffenen 600.000 Autos zurückkaufen, entspräche das bei rund 20.000 Dollar Durchschnittspreis pro Auto insgesamt 6 Milliarden Dollar (gut 5,3 Milliarden Euro) Belastung.

Weiterhin fürchten muss der Konzern Strafzahlungen. Die USA haben VW wegen Betrugs und Verstoßes gegen Umweltgesetze verklagt, es drohen zweistellige Milliardenkosten. Zum Vergleich: Die bisher höchste Entschädigung in den USA musste die Hyundai-Kia Gruppe zahlen – 100 Millionen Dollar im Jahr 2014 für unerlaubte Treibhausgasemissionen.

Dennoch: Für Volkswagen dürften sich die von US-Richter Beyer in San Francisco verkündeten Kosten wie ein Schritt in die richtige Richtung anfühlen – nach Wochen des bangen Wartens und der Lähmung.

Bei genauer Betrachtung ist dies aber nur eine Seite der Medaille. Denn längst werden von VW-Kunden und ihren Juristen rund um den Globus ähnliche Forderungen laut. In Deutschland melden zum Beispiel die Verbraucherschützer Ansprüche an und warnen Volkswagen, seine US-Kunden in der Abgas-Affäre großzügiger zu entschädigen als VW-Fahrer daheim. Dabei unterstrichen die Wolfsburger am Donnerstag noch einmal ihre Linie: „Die sich nun abzeichnenden Regelungen in den USA werden in Verfahren außerhalb der USA keine rechtlichen Wirkungen entfalten.“

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