Volkswagen und Dieselgate

„Ein-Mann-Betrieb, der sich an die Börse verirrt hat“

Die Kritik an der Führungsstruktur von Volkswagen wird lauter. Der norwegische Ölfonds hat den Konzern hart attackiert. Manuel Theisen, Experte für Unternehmensführung, fordert gar den Rücktritt der Konzernspitze.
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Großbaustelle Kulturwandel in Wolfsburg. Quelle: dpa
Volkswagen

Großbaustelle Kulturwandel in Wolfsburg.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer norwegische Staatsfonds, der 1,22 Prozent der VW-Aktien und 0,49 Prozent der Stimmrechte hält, hat beim VW-Konzern eine bessere Führungsstruktur angemahnt. Nach der Abgasaffäre nehme der Wolfsburger Konzern die Sorgen der Investoren nicht ernst, klagt der Chef des Ölfonds, Yngve Slyngstad. Manuel Theisen, einer der profiliertesten deutschen Experten für gute Unternehmensführung (Corporate Governance), geht in seinen Forderungen sogar noch weiter.

Professor Theisen, der mächtige norwegische Ölfonds, einer der größten Einzelaktionäre von VW, hat die Führungsstruktur bei Volkswagen scharf kritisiert als „komplex und problematisch“. Ist die Kritik berechtigt?
Die Kritik kann ich gut nachvollziehen. Es ist erstaunlich, wie ruhig sich die Shareholder insgesamt beim VW-Abgasskandal bisher verhalten haben. Aber das Sagen bei Volkswagen haben eben die Mehrheitseigner, die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen. Und die haben keinerlei Interesse, an den Unternehmensstrukturen grundsätzlich etwas zu verändern.

Der BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Experte für gute Unternehmensführung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Quelle: Pressefoto
Manuel Theisen

Der BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Experte für gute Unternehmensführung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“.

(Foto: Pressefoto)

Als Corporate-Governance-Experte begrüßen Sie also den öffentlichen Druck, den der Fonds auf VW ausübt?
Der Druck ist ausgesprochen positiv. Denn von innen heraus ist bei Volkswagen keine große Besserung zu erwarten. Schließlich kommen die neuen Köpfe wie Vorstandschef Matthias Müller alle aus dem alten System. Und der neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hat zuvor als langjähriger Finanzvorstand die Vergangenheit sogar finanziert. Tiefer drin kann man die Finger nicht im Problem haben.

Ein wirklicher Wandel kann von der neuen VW-Führungsmannschaft also nicht ausgehen?
Unter den Augen der Mehrheitsaktionäre besteht für sie überhaupt keine Motivation, Fehler aufzudecken oder aufzuarbeiten. Es gibt für sie keinen Grund, eine nachhaltige Unternehmensführung zu installieren. Die Frösche trocknen eben den Sumpf, in dem sie sitzen, nicht selbst aus.

Wenn Hersteller selbst ihre besten Kunden sind
Mehr als nur Prozente
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Der deutsche Automarkt hat sich im Jahr 2015 positiv entwickelt. Auch für die Autokäufer waren satte Rabatte möglich, zeigt eine Studie des auf die Preisbeobachtung spezialisierte CAR-Institut (Center Automotive Research) der Universität Duisburg-Essen. Und auch die Zahl der Fahrzeuge, die Hersteller auf sich selbst zulassen, um sie danach günstiger zu verkaufen, hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Welche Marken selbst ihre besten Kunden waren...

Alleine im Dezember 2015, so stellt das Center Automotive Research fest, ließen die Autohersteller und Autohändler 70.189 PKW auf sich selber zu.
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Das entspracht einem Anteil von 30,4 Prozent aller Neuwagenzulassungen hierzulande. Der Hintergrund: Diese Eigenzulassungen tauchen nach einiger Zeit mit hohen Preisnachlässen als Tageszulassungen und junge Gebrauchtwagen wieder im Markt auf.

Foto: Kia Optima

Zurückhaltung bei den Premium-Marken
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Die deutschen Premiumriesen waren im Jahr 2015 besonders zurückhaltend: Audi (28,4 Prozent), BMW (23,9 Prozent) und Mercedes (25,6 Prozent) haben einen relativ geringen Anteil an Eigenzulassungen.

Keine Tricks bei Ford
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Aber auch im Volumengeschäft fallen zwei Marken durch ungeschönte Zahlen auf: Ford erreicht mit einer Eigenzulassungsquote von 23,1 Prozent sogar den Spitzenwert im Ranking. Aber auch die tschechische VW-Tochter Skoda schneidet mit 23,9 Prozent gut ab.

Der Marktführer gibt den Trend vor
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VW liegt (auf Rang 6) mit 30,7% Eigenzulassungsquote fast exakt auf dem Gesamt-Durchschnitt aller Hersteller.

Verkaufsförderung a la Rüsselsheim
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Bei Opel haben die Eigenzulassungen einen Anteil von 42 Prozent. Damit landen die Rüsselsheimer auf dem vorletzten Platz im Ranking. Im Dezember ging fast jeder zweite Opel an Händler, Autovermieter oder Hersteller. Dennoch hat sich der Hersteller im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um einen knappen Prozentpunkt verbessert.

Letzter im Ranking
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Nur Fiat - auf Rang 16 und damit Letzter des Vergleichs - betreibt das Prinzip der Rabattvermehrung durch Eigenzulassungen noch heftiger: Bei der italienischen Marke wurden zwischen Januar und November 2015 41,9 Prozent aller Neuwagen auf Hersteller oder Händler zugelassen. Gleichzeitig war Fiat aber auch die Marke, die in diesem Zeitraum die Eigenzulassungen am stärksten reduzierte (-2,8%).

Die patriarchalische Führungskultur bei VW gilt als ein Auslöser der Abgasbetrugsaffäre...
Bei VW kann man „Führungskultur“ nur in Anführungszeichen setzen. Es hat keine Kultur gegeben. VW ist ein strikt paternalistisch geführtes Unternehmen, in dem Herr Piëch über Druck und Angst regiert. Seit Jahren spreche ich von „Ferdis Würstchenbude“. Volkswagen ist ein Ein-Mann-Unternehmen, das sich an die Börse verirrt hat.

Harsche Worte. Was muss sich konkret ändern?
Die Führungsmannschaft muss komplett ausgetauscht werden. Die alten Garden kennen nur das System der Angst. Talente gibt es überall, die unbelastet sind. Allein es fehlt der Wille.

„Der Staat ist der schlechteste Manager“
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