Volkswagen und Ferdinand Piëch Der Rückzug der großen Chancen

VW-Patriarch Ferdinand Piëch verhandelt über seinen Rückzug bei Porsche und Volkwagen. Für den großen Wolfsburger Autokonzern ergibt sich damit die Chance auf einen Neubeginn. Ein Kommentar.
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Piëch zieht sich aus der Porsche-Holding zurück

Piëch zieht sich aus der Porsche-Holding zurück

Volkswagen könnte eigentlich ein gewöhnlicher Automobilhersteller sein. Ein Unternehmen, das einfach nur gute Autos baut, ganz so wie BMW und Daimler. Der VW-Konzern kann tatsächlich solche Autos bauen. Warum sonst ist den Wolfsburgern der Aufstieg zum größten Automobilkonzern der Welt gelungen? Warum sonst hat Volkswagen so große und bedeutende Konkurrenten wie Toyota und General Motors dabei hinter sich gelassen?

Doch Volkswagen ist leider viel mehr. Das Wolfsburger Unternehmen ist auch ein Konzern der Skandale: Die Dieselaffäre war nur das jüngste Glied einer langen Kette von Erschütterungen, die den Autohersteller immer wieder in Aufruhr gebracht haben. Betriebsräte im Rotlichtmilieu, der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Streit zwischen Arbeitnehmerseite und Vorstand, überzogene Abfindungen für ausgeschiedene Top-Manager und Vorstandsvergütungen jenseits der Realität – das ist eben auch Volkswagen.

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
1 von 9

Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 8: Rupert Stadler
2 von 9

Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 7: Jochem Heizmann
3 von 9

Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
4 von 9

Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Dazu kommt das komplizierte Beziehungsgeflecht innerhalb der beiden großen Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Oft genug hat es in den vergangenen Jahren Beispiele dafür gegeben, dass die beiden Familienstämme nicht besonders gut miteinander können. Gerade auch wegen des immer wieder belasteten Verhältnisses zwischen den beiden Familiengranden Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch. Vor zwei Jahren hat sich dieser Konflikt noch einmal entscheidend verschärft, als Ferdinand Piëch den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn loswerden wollte, sich in der Familie damit aber nicht durchsetzen konnte.

Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass sich Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch von seinen Anteilen an der Familienholding Porsche SE – und damit letztlich von der Volkswagen-Beteiligung – trennen könnte. Der 79-Jährige hat einen unbestreitbar großen Beitrag daran, dass Volkswagen in den vergangenen 20 Jahren zum Weltkonzern aufgestiegen ist.

Aber seit seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat vor zwei Jahren ist Piëch weniger durch konstruktive Beiträge im Volkswagen-Konzern aufgefallen als vielmehr durch gefährliches Querfeuer, das nur wieder für neue Unruhe im gesamten Unternehmen sorgt. Wie zuletzt im Februar, als er vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt haben soll, dass einflussreiche Mitglieder des VW-Aufsichtsrates schon viel früher von der drohenden Dieselaffäre gewusst hätten.

Keine Garantie für neue Stabilität
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