Volkswagen und sein Testgelände
VW gestattet Einblicke in das Allerheiligste

Wegen der Dieselaffäre verkündet der Volkswagen-Konzern eine neue Offenheit. Sie soll auch im Forschungsbereich sichtbar werden. Deshalb hat der Konzern sein geheimes Testgelände geöffnet. Mit überraschenden Einsichten.
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Ehra-LessienÜber etliche Kilometer geht es an einem zwei Meter hohen Zaun entlang. Auf der Innenseite gibt es eine Fahrspur für Kontrolleinsätze, auf dem Sandstück dahinter würden die Fußspuren von unerwünschten Eindringlingen sofort erkannt werden. Am Eingangstor macht ein Hinweisschild darauf aufmerksam, dass der „Funkverkehr aufgezeichnet wird“. Stacheldraht schützt zudem das Eingangstor.

Die nächste Ortschaft ist weit weg. Volkswagen hat für sein Testgelände nördlich von Wolfsburg ganz bewusst einen abgeschiedenen Flecken ausgesucht. Die Zugangskontrollen sind streng, niemand darf sein Handy mit auf das Versuchsgelände nehmen.
Plötzlich ist die Stille in dem abgelegenen Waldstück durchbrochen: Volkswagen hat am Freitag sein Allerheiligstes geöffnet, Journalisten dürfen auf das geheime Testgelände in Ehra-Lessien. Der VW-Konzern präsentiert dort seine jüngsten Forschungsergebnisse, die sonst nur dem Vorstand und ausgewählten Führungskräften gezeigt werden.

Dass Volkswagen sein Testgelände öffnet, dafür ist im Wesentlichen die Dieselaffäre verantwortlich. Die Präsentation der Konzern-Forscher soll den Kulturwandel unter Beweis stellen, dem sich der Konzern seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals verschrieben hat. Dass Journalisten Ehra-Lessien besuchen dürfen, stehe für eine „neue Offenheit“, sagt Volkswagen-Entwicklungschef Ulrich Eichhorn. Der Besuchertag auf dem Testgelände sei zuvor eigens vom Konzernvorstand genehmigt worden.

Die „neue Offenheit“ steht in der Mitte des Testgeländes, gleich neben dem kleinen Tagungszentrum und der „Sciroccohalle“. Volkswagen hat zwei Zugmaschinen der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania vorfahren lassen. Die beiden PS-Kolosse sind selbstfahrende Lastwagen, in denen ein Fahrer nur noch zur Kontrolle sitzt. Wie von unsichtbarer Hand gezogen können die beiden Trucks völlig eigenständig in einen benachbarten Waldweg fahren. Es wirkt ein wenig beängstigend: Der Fahrer greift überhaupt nicht mehr ein, die Lkw schaffen ihren Weg allein durch den Wald. Kein einziger Baum gerät in Gefahr.

Ein wenig mehr Mut muss derjenige mitbringen, der freiwillig in den roten getunten Golf nach GTI-Vorbild steigt. „Race Pilot“ steht auf dem Sondermodell, ein langer schwarzer Streifen ziert das Auto. Das auffällige Äußere macht es deutlich: Hier geht es zur Sache. An diesem Tag hat es stark in Ehra-Lessien geregnet, auf dem großen Platz in der Mitte stehen große tiefe Pfützen.

Das Auto fährt trotzdem mit Tempo 120 in die Kurve, Wasser spritzt auf, dem Beifahrer stockt der Atem. Auch hier greift der Fahrer nicht ein, der Wagen fährt wieder autonom. Das Fahrzeug steckt voll von Elektronik: Das Besondere an diesem Auto ist ein selbstlernendes Fahrwerk, das sich den äußeren Bedingungen anpasst. Dabei helfen Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Deshalb bewältigt das Auto problemlos die schlechten Wetterbedingungen an diesem Tag mit dem vielen Regen.

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