Volkswagen
Verfahrene Kiste

Der VW-Aufsichtsrat berät im Laufe des Mittwochs über die Sanierung der kriselnden Marke Volkswagen. Die Verhandlungen mit der IG Metall über Stellenabbau und längere Arbeitszeiten verlaufen zäh. Doch VW hat keine Zeit: Die Konkurrenz sitzt den Wolfsburgern im Nacken.

FRANKFURT. Wenn VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Mittwoch in Wolfsburg die Aufsichtsratsmitglieder über den Stand der Sanierungsbemühungen bei der Marke VW unterrichtet, wird er hauptsächlich über Ziele und Strategien reden müssen. Viele Maßnahmen hat der Vorstand zwar angekündigt und angeschoben, doch konkrete Sparerfolge beim wichtigen Thema Arbeitskosten lassen auf sich warten.

Die Hoffnungen Pischetsrieders, mit der Gewerkschaft noch vor den in eineinhalb Wochen beginnenden Werksferien zu einer Einigung zu kommen, haben sich zerschlagen. Die Gespräche mit der IG Metall wurden auf Anfang September vertagt. Dann wird sich sehr schnell entscheiden müssen, welche Einschnitte die westdeutschen VW-Beschäftigten hinnehmen müssen, um ihre Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern. Kommt es zu keiner Einigung mit den Arbeitnehmern, stehen weit mehr als die 20 000 der 100 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, die bislang offiziell bekannt gegeben wurden.

Westdeutsche VW-ler arbeiten wenig und bekommen viel

Die Fakten liegen schon lange auf dem Tisch: VW produziert in den sechs westdeutschen Werken mit Arbeitskosten, die deutlich über denen der eigenen Fabriken in Ostdeutschland und Osteuropa liegen, die Effizienz ist schlecht, die Auslastung miserabel. Die Folge: Jährlich produziert VW mit den Werken dreistellige Millionenverluste, die die Marke weltweit im vergangenen Jahr fast in die Verlustzone gedrückt hätten. Das Management verlangt die Rückkehr von der 28,8- zur 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. „Das ist mit uns nicht zu machen“, bekräftigte noch gestern der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und riet VW-Markenchef Wolfgang Bernhard, er solle aufpassen, „dass er Entscheidungen nicht zu schnell trifft“.

Doch Bernhard hat keine Zeit, er kann nicht warten. Denn der VW-Konzern steht vor wichtigen Investitionsentscheidungen, beispielsweise über den Produktionsstandort für den für 2008 geplanten, stark überarbeiteten VW Golf und zahlreiche Komponenten wie Motoren und Getriebe. Wollen die deutschen Standorte den Zuschlag – die Entscheidungen müssen noch im Herbst fallen –, müssen die Kosten nach unten. „Die Alternative ist, am aktuellen Kostenniveau festzuhalten und massiv Produktion ins Ausland zu verlagern und immer mehr Komponenten von Zulieferern zu beziehen. Das kann doch nicht unsere Perspektive sein“, hatte Bernhard gegenüber dem Handelsblatt klar gemacht. Rückendeckung wird er für diese Haltung vor allem von zwei neuen Aufsichtsratsmitgliedern bekommen: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Finanzchef Holger Härter.

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