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23.04.2008 

Am Donnerstag in Hamburg treffen die unterschiedlichen Interessen der beiden Großaktionäre mit voller Wucht aufeinander. Die Fronten sind verhärtet: Porsche will den starken Einfluss Niedersachsens beschränken, das Land stemmt sich vehement dagegen. Bei VW geht es beim Aktionärstreffen und in den Wochen und Monaten danach mit harten Bandagen um die künftige Machtverteilung.

Porsche hält derzeit knapp 31 Prozent an VW und hat angekündigt, die Mehrheit zu übernehmen. Vorstandschef Wendelin Wiedeking will eine der "innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt" schaffen und vor allem die VW-Profitabilität verbessern. Die Messlatte sei Toyota. In der Automobilindustrie gehe es um Sein oder Nichtsein, der Feind sei "draußen in der Welt zu suchen".

Doch zunächst tobt eine interne Schlacht um die Hackordnung in der künftigen Porsche/VW-Welt. Einst als Retter von VW gefeiert, der einen Einstieg von "Heuschrecken" verhindert habe, gilt Wiedeking bei vielen in Wolfsburg inzwischen als Buhmann. Der Chef des Sportwagenbauers mache so ziemlich alles falsch und fahre die Übernahme gegen die Wand, lautet der Vorwurf hinter den Kulissen. "Porsche läuft seit Jahren mit einer dicken Hose herum und läuft Gefahr, bei der Hauptversammlung nackt dazustehen", heißt es in Konzernkreisen.

Wiedeking stört vor allem der starke Einfluss Niedersachsens und des VW-Betriebsrats. Ein an das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) angepasstes VW-Gesetz sei überflüssig, wetterte Wiedeking und sprach von "heiligen Kühen". Damit ging er auf Konfrontationskurs zu den Arbeitnehmervertretern und Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff, die ihre besonderen Rechte bei VW mit aller Macht verteidigen wollen.

Beim Aktionärstreffen beantragt Porsche als Reaktion auf das EuGH - Urteil in der VW-Satzung, die für wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung nötige qualifizierte Mehrheit von derzeit 80 Prozent auf 75 Prozent zu senken. Dies richtet sich vor allem gegen das Land Niedersachsen, das knapp über 20 Prozent an VW hält und damit eine Sperrminorität innehat. Das Land wiederum hat einen Gegenantrag gestellt, in dem es fordert, die Sperrminorität beizubehalten. Aus Sicht Porsches hat der EuGH diese Regelung gekippt, das Land wiederum sieht dies anders. Zudem sei die VW-Satzung aktienrechtskonform.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wulff gibt sich kämpferisch

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