Volkswagen

VW erklärt das Ende eines Skandals – und kürt einen neuen Personalvorstand

VW erklärt den CO2-Skandal für beendet. Firmeninterne Messkontrollen hätten den Verdacht widerlegt. Anderer Meinung ist das Verkehrsministerium. Unterdessen hat der VW-Aufsichtsrat einen neuen Personalvorstand ernannt.
Update: 09.12.2015 - 17:35 Uhr

Volkswagen gibt Entwarnung bei CO2-Ausstoß

Wolfsburg/BerlinKurz vor der Jahreswende kann Volkswagen zumindest bei einer Großbaustelle Entwarnung geben: Anders als ursprünglich befürchtet sind nach Angaben des Konzerns nicht 800.000, sondern nur maximal 36.000 Fahrzeuge von den falschen CO2-Abgaswerten und Spritverbrauchs-Daten betroffen. Dies teilte VW am Mittwoch in Wolfsburg zu erneuten Prüfungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), des Bundesverkehrsministeriums und eigenen Untersuchungen mit.

„Abweichungen wurden in den internen Messungen nur bei neun Modellvarianten festgestellt“, hieß es. Der Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben habe sich nicht bestätigt.

Trotz des geringeren Ausmaßes der CO2-Falschangaben hält das KBA aber an allen vorgesehenen Nachmessungen fest. „Diese Messungen werden ungeachtet der nunmehr vorliegenden Bewertung durch Volkswagen in vollem Umfang durchgeführt“, hieß es vom Bundesverkehrsministerium in Berlin. Für eine abschließende Bewertung – auch zur Frage möglicher Steuer-Nachzahlungen – müssten diese Messungen abgewartet werden.

Fast zeitgleich ernannte der VW-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung auf dem Werksgelände den Stahlmanager Karlheinz Blessing zum neuen Personalvorstand. Ab Januar soll der 58-Jährige den derzeit vakanten Posten übernehmen. Der bisherige Personalchef Horst Neumann war Ende November in den Ruhestand gegangen. In der Zwischenzeit übernimmt VW-Chef Matthias Müller den hoch dotierten Vorstandsposten.

Zudem setzte VW zwei neue Vorstände bei der Pkw-Kernmarke ein: Ralf Brandstätter übernimmt das Ressort Beschaffung, Frank Welscher wird Entwicklungschef. Brandstätter übernimmt sein Amt vom Konzern-Beschaffungschef Francisco Javier Garcia Sanz, der den Job kommissarisch gemacht hatte. Welscher folgt auf Heinz-Jakob Neußer, der Kreisen zufolge bereits wegen der Abgas-Affäre beurlaubt wurde.

„Dr. Blessing ist eine Persönlichkeit mit hoher unternehmerischer und sozialer Kompetenz“, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch laut Mitteilung. Er übernehme die Aufgabe in einer schwierigen Zeit. Er wolle sich „mit aller Kraft dafür einsetzen“, die Erfolgsgeschichte von Volkswagen fortzusetzen, erklärte Pötsch nach der Ernennung.

Auch Niedersachsens Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil lobte die Personalentscheidung: Blessing sei ein „hochkompetenter Manager mit breiten industriellen Erfahrungen“. Zugleich zeigte sich Weil angesichts der gesunkenen Zahl an Autos mit CO2-Manipulationen erleichtert: „Gerade diese Frage hatte in den vergangenen Wochen für Verunsicherungen gesorgt, die jetzt weitgehend beseitigt sind.“

Die gesunkene Zahl löst aber nur ein Problem. Ungeklärt sind die finanziellen und strafrechtlichen Folgen der Stickoxid-Manipulationen bei mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen. VW hatte hierzu bislang allein für die technischen Nachbesserungen rund 6,7 Milliarden Euro eingeplant, mögliche Schadenersatz- und Strafzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe sind noch nicht berücksichtigt.

Die internen CO2-Messergebnisse sollen laut VW bis Weihnachten unter behördlicher Aufsicht bei einem neutralen technischen Dienst erneut überprüft werden. Anschließend könnten alle Fahrzeuge, bei denen die Richtigkeit der Angaben bestätigt werde, „uneingeschränkt angeboten und verkauft werden“. Für alle anderen müssten die Genehmigungswerte noch angepasst werden. Ähnliche Fälle habe es in der Vergangenheit auch bei VW und anderen Autoherstellern bereits gegeben.

Nach Angaben von Volkswagen stoßen die besagten neun Modellvarianten entsprechend dem gültigen Europäischen Prüfzyklus auf dem Prüfstand „im Mittel nur wenige Gramm CO2“ mehr aus als bislang angegeben. Dies entspreche zugleich einer Erhöhung des Verbrauchs im Messzyklus von etwa 0,1 bis 0,2 Litern auf 100 Kilometer.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Für den Einsatz auf der Straße bleibe aber alles beim Alten: „Die Realverbrauchswerte der Kunden ändern sich nicht, zudem sind keine technischen Maßnahmen an den Fahrzeugen notwendig“, hieß es weiter.

„Es gab anfangs Unplausibilitäten“, sagte ein VW-Sprecher auf die Frage, warum man Anfang November überhaupt und ohne Druck von außen an den CO2-Werten von 800 000 Autos gezweifelt hatte, „und es gab Mitteilungen von Mitarbeitern, die sich nicht sicher waren, ob bei Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen war.“

Damit dürften auch die von VW zunächst auf zwei Milliarden Euro geschätzten Kosten für das Kohlendioxid-Problem deutlich geringer ausfallen. Die ursprüngliche erwartete Ergebnisbelastung habe sich damit nicht bestätigt. Ob dennoch Kosten entstünden, hänge von den Nachmessungen ab.

Zumindest an der Börse stieß die Nachricht umgehend auf positives Echo: Die VW-Vorzüge legten zwischenzeitlich um über sieben Prozent zu. Anfang November war die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Verdachts auf CO2-Falschangaben um zeitweise annähernd 11 Prozent abgesackt.

  • afp
  • dpa
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