Volkswagen
VW-Verkäufe bleiben auf Talfahrt

Der besonders in China erfolgsverwöhnte VW-Konzern muss nach Jahren der Rekorde zurückschalten. Die Flaute im Reich der Mitte zieht die Auslieferungen ins Minus. Auch andere Märkte schwächeln seit längerem erheblich.
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WolfsburgNach Jahren der ungebremsten Rekordfahrt steht beim Volkswagen-Konzern die Halbjahresbilanz der Verkäufe im Minus. Damit muss der Dax-Riese ausgerechnet kurz vor seinen jüngsten Zahlen zum zweiten Quartal Ende dieses Monats einen anhaltend negativen Trend einräumen.

Nachdem die Auslieferungen wegen Rückgängen im April und Mai auf Fünfmonatssicht bereits nur noch stagniert hatten, zog nun ein spürbares Juni-Minus von 4,3 Prozent Europas größten Autobauer nach sechs Monaten sogar auf Talfahrt: Per Juni liegen die Verkäufe des Zwölf-Marken-Konzerns im Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 0,5 Prozent im Minus. Das teilten die Wolfsburger am späten Freitagabend erst nach Börsenschluss mit.

Per Mai stand bereits nur noch ein Miniwachstum (plus 0,3 Prozent) in der globalen Auslieferungsbilanz. Der April hatte 1,3 Prozent Minus ergeben, im Mai wuchs der Rückgang auf 2,6 Prozent an. Nun folgte zur Halbzeit 2015 mit den gut 4 Prozent ein noch dickeres Juni-Minus.

Mit dem Bruch reißt bei Volkswagen eine rund fünfeinhalb Jahre lange Erfolgsgeschichte ab. Vor dem aktuellen Minus diesen Frühling hatte es zuletzt Ende 2009 Verluste gegeben. Die Gründe sind bekannt: Vor allem das fehlende Tempo in China und teils dramatische Einbrüche auf anderen Märkten würgen derzeit den jahrelangen Absatz-Höhenflug ab, mit dem Volkswagen den Konkurrenten General Motors überholte und 2014 nah an den Weltmarktführer Toyota heranrückte.

„Angespannt bleibt neben Südamerika und Russland auch die Entwicklung in China. (...) Diesen aktuellen Marktveränderungen konnte sich vor allem die Marke Volkswagen-Pkw als Marktführer nicht entziehen“, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler zur Begründung der Zahlen.

Denn Europas Branchenprimus fand auch mit seiner Pkw-Kernmarke keinen Ausweg aus der Talfahrt. Im Juni sank die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat fast zweistellig um 8,6 Prozent auf 470 700 Stück. Die Hausmarke VW-Pkw rund um Golf und Passat steckt damit nunmehr schon seit neun Monaten in Folge im Rückwärtsgang. Zum Halbjahr 2015 steht ein Minus von 3,9 Prozent (per Mai minus 3,0 und per April minus 2,2 Prozent).

China ist der wichtigste Markt für den VW-Konzern und vor allem für die Kernmarke VW-Pkw. Konzernweit steht das Reich der Mitte per Juni bei minus 3,9 Prozent, für VW-Pkw sind es minus 6,7 Prozent.

Branchenexperte Stefan Bratzel hatte mit Blick auf China der dpa vor wenigen Tagen gesagt: „Es herrscht dort im Moment eine gewisse Ratlosigkeit. Die Frage ist, ob die Verkaufsrückgänge nur eine vorübergehende Delle sind oder ob sich das länger zieht.“ Für den gesamten VW-Konzern entfällt gut ein Drittel des Absatzes auf China. Am 29. Juli legt Volkswagen seine finanzielle Halbjahresbilanz vor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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