Volkswagen
Winterkorn ist Favorit für die Führungsrolle

In Wolfsburg gilt Anfang dieser entscheidenden Woche die Führungsfrage des integrierten Autokonzerns aus VW und Porsche bereits als beantwortet: Winterkorn soll übernehmen. Intern hat er längst Pläne für die Integration der Porsche AG geschmiedet.

HAMBURG. Volkswagenchef Martin Winterkorn ist machtbewusst, drängt sich aber nicht vor. Als er seinen Vorgänger Bernd Pischetsrieder am Nikolaustag vor drei Jahren bei der Aufsichtsratssitzung der VW-Tochter Audi, die Winterkorn bis dahin geführt hatte, mit Modellautos verabschiedet, ist er sichtlich ergriffen. Die Stimme stockt mehrfach.

Schuld daran dürfte auch der Respekt vor dem Spitzenjob gewesen sein. Winterkorn wollte nicht unbedingt von Ingolstadt nach Wolfsburg vorrücken. Doch der einzige Mann, den „Wiko“ respektvoll „Chef“ nennt, hatte den Wechsel so gewollt: VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch.

Porsche-Enkel Piëch verlässt sich auf Winterkorn, folgt selbst dem Führungsmodell seines genialen Großvaters: Der scharrte ein Team von Spitzenleuten um sich, das die Details in seinem Sinne austüftelte, bis alles perfekt war. Winterkorn gehört seit Jahrzehnten zu Piëchs engsten Vertrauten. Beide teilen den Hang zum teuren automobilen Perfektionismus wie im Fall des VW Phaeton, den Winterkorn entwickelte. In besonderem Maße schätzt der Patriarch die Werkstoffkompetenz des VW-Chefs.

Fährt er mit einem weißen Stofftaschentuch die feinen Konturen eines neuen Modells nach, ist Winterkorn in seinem Element: Deutsche Ingenieurskunst verbunden mit italienischem Design ist sein Rezept für die Marke VW, die er wie Piëch wieder in Personalunion führt. Den internen Skeptikern in Wolfsburg hat es Winterkorn gezeigt – und sich seit Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren zum Konzernchef gemausert.

Die ungleiche Autotroika aus Piëch, Winterkorn und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, einem versierten Produktionsexperten, war sich in einem einig: VW brauchte eine Vision, den Zweikampf mit Toyota. Nicht auszudenken, was Winterkorn und Wiedeking gemeinsam hätten schaffen können. Der Workaholic Wiedeking könnte stattdessen bald mehr Zeit für eines seiner Hobbys haben: Modellautos sammeln.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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