Vollbremsung der Hersteller
Desaster in der Lkw-Branche

Monatelange Kurzarbeit, milliardenschwere Sparprogramme und am Ende wohl tiefrote Zahlen: Die Lkw- und Bushersteller stecken in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Selbst in den zuvor boomenden Schwellenländern verdüstern sich die Aussichten. Eine Besserung wird es vorerst wohl nicht geben. Über fehlendes Vertrauen, totale Flaute und vage Hoffnung.

STUTTGART/MÜNCHEN/NEW YORK. Der Großauftrag elektrisiert die Börse: 400 Busse soll MAN nach Abu Dhabi liefern, prompt legt die Aktie um acht Prozent zu. Die gestrige Euphorie hat einen einfachen Grund. Der Einzelauftrag vom Golf übertraf das gesamte Ordervolumen der letzten Monate. Im vierten Quartal hatte MAN 360 Neuaufträge in seiner Nutzfahrzeugsparte verbucht. So viel produzieren die Werke normalerweise an einem Tag.

Monatelange Kurzarbeit, milliardenschwere Sparprogramme und am Ende wohl tiefrote Zahlen. Die Lkw- und Bushersteller stecken in der schlimmsten Branchenkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Ob Daimler, Volvo, Scania oder MAN - die Auftragsbücher sind leer. Die Folge: In fast allen Lkw-Fabriken stehen seit Monaten die Bänder still, Daimler und MAN gehen von Umsatzeinbrüchen bis zu fünfzig Prozent im ersten Halbjahr 2009 aus. Weitere Prognosen, sagt MAN-Chef Håkan Samuelsson, "sind derzeit nicht seriös zu stellen".

Die Hersteller legen eine Vollbremsung hin, dabei hat die Branche die fettesten Jahre aller Zeiten hinter sich. EU-Osterweiterung und heißlaufende Konjunktur rund um den Globus ließen die Kassen klingeln. In den Boomjahren ab 2005 stieg der Lkw-Absatz von MAN um ein Drittel. Zum Schluss bestellten die Spediteure wegen der langen Lieferzeiten ihre Trucks einfach doppelt und blähten die Auftragsbücher künstlich auf. Der Abkühlung des Marktes Mitte 2008 folgte die Pleite der Lehman-Bank. Praktisch über Nacht war die Lkw-Party vorbei. Die Kunden bestellen nicht, die Banken finanzieren nicht. Immerhin: "Die Krise wird 2009 wohl durchschritten werden. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten dürften die Aufträge wieder anziehen", sagt Christian Aust von der Bank Unicredit. Da die Flotten aber im Boom weitgehend ausgetauscht wurden, dürfte der Markt nur mäßig wachsen.

Krisen im zyklischen Lkw-Markt sind nicht neu, doch meist regional begrenzt. Ging Europa in die Knie, brummte es in den USA oder umgekehrt. Doch in den USA, dem weltgrößten Truckmarkt, gibt es bislang nur Hoffnungswerte. Amerikas Trucker klammern sich auch an das Gesetz der Serie: Wer als Erster in die Rezession rutscht, fährt in einer zyklischen Industrie wie der Lkw-Branche auch am schnellsten wieder raus.

Der Einbruch bei US-Immobilien, der freie Fall der Autoindustrie sowie verschärfte Kreditbedingungen haben die Nachfrage nach Lkw im Vorjahr auf das niedrigste Niveau seit 1992 zurückfallen lassen. Ein empfindlicher Rückgang der weltweiten Handelsströme und die sich zuspitzende Situation am US-Arbeitsmarkt haben die Situation im laufenden Jahr noch verschärft. "Mit Blick auf diesen scharfen Gegenwind bleiben die Perspektiven düster, mindestens für das erste Halbjahr 2009", sagt Branchenanalyst Neelu Singh von Frost & Sullivan. Für die nächsten beiden Jahre prognostiziert er "allenfalls eine leichte Erholung". Der US-Anbieter Navistar erwartet, dass der nordamerikanische Markt für schwere Lkw und Schulbusse 2009 um weitere 30 000 auf 210 000 bis 225 000 Fahrzeuge schrumpfen wird.

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