Volle Kassen
Ravensburger prüft Zukäufe

Nach fünf Jahren Sanierung geht Ravensburger jetzt wieder in die Offensive. Deutschlands größter Spieleverlag will sich nach Übernahmeobjekten umsehen. Das Geld dazu hat das Traditionsunternehmen allemal.

STUTTGART. „Wir brauchen mehr Elektronik-Know-how“, sagte Ravensburger-Chef Karsten Schmidt am Mittwoch in Stuttgart. Um sich dieses Wissen ins Haus zu holen, könnte sich das Traditionsunternehmen spezialisierte Firmen kaufen, erläuterte Schmidt. Das Geld dazu hat Ravensburger, denn der Konzern steht wieder gut da. Im vergangenen Jahr kletterte der Gewinn um rund zwei Mill. Euro auf knapp 31 Mill. Euro. „Das ist der höchste Jahresüberschuss, den das Unternehmen je erwirtschaftet hat“, so Schmidt.

Zudem hat die Firma aus der oberschwäbischen Kreisstadt Ravensburg keine Bankverbindlichkeiten mehr. „Hier sind alle Optionen da, etwas zu tun“, sagte der neue Finanzchef Jörg-Viggo Müller, der jüngst von der Kleidermarke Hugo Boss zu der Spielefirma gewechselt ist.

Ravensburger blickt damit nach der Restrukturierung der vergangenen Jahre wieder nach vorne. Schmidt hat das Unternehmen seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2002 von vielen Altlasten befreit. Ein völlig missglückter Ausflug in die Medienbranche, der Einstieg ins Geschäft mit Computerspielen und Lerncomputern hatte Ravensburger in den Jahren 1999 und 2000 sogar in die roten Zahlen gedrückt. Dazu kam Ärger mit privaten Anlegern, die Ravensburger für seinen bis heute defizitären Spielepark an Bord geholt hatte.

Den Konflikt mit den Investoren hat Schmidt inzwischen gelöst, von Problembereichen hat er sich getrennt. Mit einem Mix aus neuen Produkten und alten, aber aufgefrischten Spielen hat es der Manager geschafft, Ravensburger wieder profitabel zu machen. Zudem wächst die Firma wieder leicht. Vergangenes Jahr kletterte der Umsatz um rund ein Prozent auf knapp 282 Mill. Euro. Das hört sich bescheiden an, doch der deutsche Spielwarenmarkt ist 2006 um fast zwei Prozent geschrumpft.

Um in der Gunst der Kinder zu bestehen, sucht Schmidt jetzt nach neuen Technologien, die er in die Spiele einbauen kann. Schon lange hat Ravensburger Elektronik in einige seiner Spiele integriert. In den kommenden Jahren werden elektronische Funktionen aber noch wichtiger werden. Deshalb wollen die Schwaben sich genau auf diesem Feld verstärken.

Dass Ravensburger seine Krise überlebt hat, ist nicht selbstverständlich. Weltweit wird der Spielzeugmarkt von den großen US-Konzernen Mattel und Hasbro dominiert. Dazu kommt die Billigkonkurrenz aus Fernost. Schon seit Jahren werden in Deutschland immer mehr Spielwaren aus Asien verkauft. So exportierten die Produzenten aus Hongkong im vergangenen Jahr 14 Prozent mehr Puppen, Rennautos und Holzklötze in die Bundesrepublik als im Jahr zuvor.

Mit bekannten Marken und innovativen Produkten gelingt es aber einer ganzen Reihe von deutschen Produzenten, zu überleben und zu wachsen. So gehören die bunten Playmobil-Plastikwelten des Familienunternehmens Geobra Brandstätter seit Jahren regelmäßig zu den meistverkauften Spielwarenartikeln in Deutschland. In den vergangenen fünf Jahren ist der Umsatz von Playmobil um mehr als die Hälfte auf zuletzt 402 Mill. Euro geklettert. Die Franken produzieren einen Großteil ihrer Miniaturautos und der Plastikhäuser in ihrer Heimat.

Einen ähnlichen Weg geht die Firma Bruder, die in Fürth Spielzeuglaster aus Plastik fertigt. Vergangenes Jahr kletterte der Umsatz um knapp ein Fünftel. Das Geheimnis des Erfolgs: Die Fahrzeuge sehen fast genauso aus wie die Originale. „Die Kinder können gut unterscheiden, ob ein Müllauto oder ein Bagger realistisch ist oder nicht“, sagt Inhaber Paul Heinz Bruder. „Der deutsche Vater kauft ein wie ein Ingenieur, die Mutter wie eine Lehrerin“, ist Ravensburger-Chef Schmidt überzeugt. Das heißt: Die Eltern setzen auf Qualitätsspielzeug für ihre Kinder.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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