Vollkasko in der Vorstandsetage
EnBW kappt üppige Managerrente

Die Diskussion über Moral und Vergütung der deutschen Manager zeigt Wirkung: Erste Unternehmen korrigieren als überzogen kritisierte Gehaltsmodelle.
  • 0

DÜSSELDORF. Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) reagiert auf die massive Kritik an den Frühruhestandsbezügen für Ex-Chef Utz Claassen und mildert die Regelung für künftige Fälle stark ab. Dem neuen EnBW-Chef Hans-Peter Villis (49) steht damit bei einem vorzeitigen Ausscheiden nicht einmal ein Drittel der Pensionsbezüge seines Vorgängers zu, der auf eine Vertragsverlängerung verzichtet und Ende September seinen Vorstandsposten abgegeben hatte. Dies geht aus dem aktuellen Geschäftsbericht des drittgrößten deutschen Stromversorgers hervor.

„Das zeigt, dass der Aufsichtsrat aufgewacht ist“, sagte Professor Michael Adams, der Leiter des Instituts für Recht der Wirtschaft an der Universität Hamburg dem Handelsblatt. „Das ist ein positiver Wechsel.“ Es sei wichtig zu sehen, dass man künftig einem Vorstand nicht für sein Nichtstun einfach weiter ein fürstliches Entgelt zahlen wolle.

Die EnBW wollte sich nicht dazu äußern, warum die Pensionsregelungen neu gestaltet wurden. Dies sei Sache des Aufsichtsrates. Ein Aufsichtsrat sagte dem Handelsblatt, dass es bei der Vertragsgestaltung für Villis „absolut klar war, dass so etwas wie bei Claassen nicht noch einmal passieren darf. Das war nach den öffentlichen Diskussionen natürlich Konsens.“

Claassens „Frührente“ sorgt in der Diskussion über die Angemessenheit von Managergehältern seit Monaten für Gesprächsstoff. Hohe Vorstandsbezüge, Aktienoptionen und Pensionszahlungen werden von Politikern und Gewerkschaften immer schärfer kritisiert.

Durch den Fall von Post-Chef Klaus Zumwinkel, gegen den wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, hat die Debatte neuen Schwung erhalten. „Die Sensibilität für alle Fragen rund um die Vorstandsvergütung ist in den deutschen Aufsichtsräten deutlich gestiegen“, sagt Christian Strenger, Mitglied der Cromme-Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung die Grundsätze der guten Unternehmensführung festlegt. „Auch die neue Regelung bei der EnBW scheint aber keineswegs perfekt – nur einen niedrigeren Betrag einzuführen ändert ja nichts an dem falschen konzeptionellen Ansatz“, sagt Strenger. „Es mangelt nach wie vor an einer befriedigenden Definition für die aktiengesetztliche Vorgabe der ‚Angemessenen Vergütung’“.

Utz Claassen, der frühere Chef der EnBW, handelte bei seinem Amtsantritt 2003 eine außergewöhnlich üppige Pensionsregelung aus. Dem 44-Jährigen steht seine Pension unmittelbar nach Ende seines Vertrages und in voller Höhe zu. Wie die EnBW im aktuellen Geschäftsbericht erstmals bestätigt, wird Claassen jährlich 398 000 Euro erhalten, solange er keine neue Tätigkeit aufnimmt. Bis 2026, wenn Claassen die EnBW-Altersgrenze von 63 Jahren erreicht, stünden ihm in diesem Fall sieben Millionen Euro zu, nachdem er bereits während seiner Amtszeit mehr als zwölf Millionen Euro als normales Gehalt erhalten hat. Nach 2026 bekommt Claassen dann bis an sein Lebensende eine EnBW-Rente, die ebenfalls rund 400 000 Euro pro Jahr beträgt.

Seite 1:

EnBW kappt üppige Managerrente

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Vollkasko in der Vorstandsetage: EnBW kappt üppige Managerrente"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%