Vom einst größten Industrieunternehmen ist kaum etwas übrig geblieben: AEG – am Ende gescheitert

Vom einst größten Industrieunternehmen ist kaum etwas übrig geblieben
AEG – am Ende gescheitert

Immer noch ein kleines Wunder, jeden Tag milliardenfach. Strom fließt durch den Metallfaden, von hauchdünnem Glas ummantelt, durch Gas geschützt – und es wird Licht. Die Glühbirne, sie steht am Anfang der Geschichte eines Unternehmens, das einen unerhörten Aufschwung nimmt, der in einen ebenso sensationellen Niedergang münden sollte.

NÜRNBERG. Bis heute stehen drei Buchstaben dafür: AEG. Vor ziemlich genau einhundert Jahren war das der größte Konzern der Welt, jahrzehntelang blieb die Firma ein Weltkonzern, trotz aller Kriege, aller deutschen Krisen.

Unter dem AEG-Logo wurden der Farbfernseher erfunden und das Bildtelefon, die elektronische Fernsehkamera und das Tonband. AEG hat Rundfunksender gebaut und Flugzeuge, Atomkraftwerke und Computer. Mit dem Ende des Wirtschaftswunders jedoch setzt in zwei Jahrzehnten der Niedergang ein. Derzeit steht die letzte nennenswerte deutsche Fertigung von Elektrogeräten, die den Namen der Marke tragen, vor dem Aus.

Verzweifelt kämpft die Belegschaft der AEG-Hausgeräte GmbH in Nürnberg um den Erhalt ihres Werks, das längst zum schwedischen Elektrolux-Konzern gehört – ein aussichtsloser Kampf: „Mein persönliches Gefühl ist: Electrolux-Chef Hans Straberg ist eher auf dem Trip, das Werk zu schließen – egal, welche Gegenrechnungen wir ihm liefern“, sagt der Vize-Aufsichtsratsvorsitzende der AEG Deutschland und stellvertretende Nürnberger DGB-Chef Jürgen Wechsler gestern nach einer Betriebsversammlung. Nach Brüssel waren sie gefahren, um dem AEG-Aufsichtsrat einen Deal anzubieten. Man könne länger Arbeiten, auf Lohn verzichten (siehe: Verzweiflungsplan). Die Reaktion fiel kühl aus: Man werde es prüfen, alles Weitere Mitte Oktober.

Bis dahin werden sich die Spielregeln im globalisierten Markt für Waschmaschinen wohl nicht geändert haben. Ein gnadenloser Preiskrieg tobt. Statt des Elektroladens um die Ecke machen jetzt die Discounter das Geschäft, Waschmaschinen werden verschleudert. Was heute 1 700 AEG-Arbeiter in Nürnberg zusammenschrauben, kommt morgen aus Osteuropa. Den Werbespruch aus erfolgreichen Zeiten „AEG – Aus Erfahrung gut“ haben sie schon lange abgewandelt zu „Am Ende gescheitert“.

Mitte nächsten Jahres stehen zwei neue Elektrolux-Werke in Polen, aus Nürnberg braucht man dann nur noch die drei roten Buchstaben der 1887 ins Leben gerufenen Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft. Mit dem Überlebenskampf werden sie noch ein Mal zum Symbol: für einen von der Auszehrung bedrohten traditionsreichen Industriestandort im Herzen Europas. Die AEG, eine deutsche Geschichte.

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