Vom Emissionshandel profitieren
RWE plant Einstieg in Russland

Der Versorger RWE will in den Emissionshandel mit Russland einsteigen. Der Essener Stromkonzern hat dazu eine Absichtserklärung mit einem russischen Kohleproduzenten unterschrieben und führt Gespräche mit dem staatlichen Strom-Monopolisten RAO UES. Allerdings sind die rechtlichen Regelungen dortzulande noch offen.

MOSKAU. RWE-Chef Harry Roels will das Thema bei einem Besuch in Moskau anlässlich des deutsch-russischen Energieforums in dieser Woche auch mit Wirtschaftsminister German Gref vorantreiben. Der Umfang der angepeilten Projekte ist allerdings noch klein. „Russland bietet aber ein riesiges Potenzial“, sagte Henning Rentz, Leiter der politischen Abteilung bei RWE, dem Handelsblatt. Die Branche schätzt, dass das Potenzial bei mehren hundert Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr liegen dürfte – im Wert von über einer Milliarde Euro.

Die deutschen Energiekonzerne suchen derzeit nach Möglichkeiten, im Rahmen des Kyoto-Prozesses Verschmutzungsrechte zu erwerben. Deutschland hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2012 um 21 Prozent zu reduzieren – Ausgang ist das Niveau von 1990. In der EU klafft derzeit eine jährliche Lücke von 160 Millionen Tonnen zwischen dem aktuellen Ausstoß von Kohlendioxid und den erteilten Verschmutzungsrechten für Industrie und Energiewirtschaft – diese lässt sich nicht allein durch technische Innovationen schließen.

Der Preis für die handelbaren Emissionszertifikate ist zwar deutlich gefallen, so dass Unternehmen das Äquivalent für eine Tonne Kohlendioxid für den Zeitraum 2008 bis 2012 heute für rund 17 Euro kaufen können. Doch vor allem für Energiekonzerne wie Eon oder RWE – der Essener Konzern alleine ist verantwortlich für rund ein Prozent der Kohlendioxid-Emissionen weltweit – ist es sinnvoll, in die vergleichsweise günstige Modernisierung alter Kraftwerke und Anlagen in Asien oder Russland zu investieren und die daraus erworbenen Verschmutzungsrechte in Deutschland zu nutzen.

Russland hatte sehr lange mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls gezögert. Grundsätzlich kann das Land auf einen echten Gewinn aus dem Emissionsrechtehandel zählen: In den Jahren nach dem Bezugsjahr 1990 wurden zahlreiche umweltverschmutzende Fabriken aus Rentabilitätsgründen stillgelegt. Die aktuellen Emissionen liegen trotz des Booms der Wirtschaft immer noch unter dem Niveau von 1990, so dass Russland Verschmutzungsrechte gegen Devisen an andere Industrieländer verkaufen kann, ohne größere Summen in umweltverträglichere Technologie investieren zu müssen.

Doch seit der Ratifikation durch das russische Parlament hat sich praktisch nichts getan. Es fehlt vor allem an einer gesetzlichen Grundlage für den Emissionshandel. „Russland verschenkt so Tag für Tag viel Geld“, sagt ein deutscher Energiemanager.

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