Vom Stolz des von Beust
Die Staatskapitalisten

Links steht die „Gerechtigkeit“, rechts die „Gnade“, und zwischen den beiden Marmordamen strahlt Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust im Eingang zum Spiegelsaal des Rathauses, als sei nun alles wieder gut. Es ist halb vier nachmittags, und vor ihm stehen fast so viele Fernsehkameras wie an jenem Tag, als er seinen damaligen Koalitionspartner Barnabas Schill feuerte – und seine Karriere als Oberbürgermeister gefährdet schien.

HAMBURG. „Es waren zähe, schwierige Verhandlungen“, spricht der stets braun gebrannte Stadtchef. „Aber es ist uns gelungen, den Sitz der Beiersdorf AG in Deutschland und Hamburg zu halten.“ Und dann, als sei das noch nicht genug: „Das ist gut für Deutschland und Hamburg.“

Zweieinhalb Stunden zuvor haben die Ticker der Nachrichtenagenturen die Meldung verbreitet, die von Beust nach dem Ärger der vergangenen Monate endlich wieder einen Erfolg bringt. Der Versicherungskonzern Allianz AG verkauft 40 Prozent des Hamburger Konsumgüterherstellers Beiersdorf AG, des Unternehmens, das sich mit Marken wie Nivea und Tesa einen Namen gemacht hat. Und, das ist für von Beust das Wichtigste, die Allianz verkauft nicht an den sehr interessierten US-Konzern Procter & Gamble.

Ein Paket von 19,6 Prozent der Aktien geht an den Kaffeeröster Tchibo, zwei weitere Pakete an Beiersdorf selbst und einen Pensionsfonds der Gesellschaft – und zehn Prozent des Konzerns an die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung. Dahinter verbirgt sich die Stadt Hamburg selbst.

1,1 Milliarden Euro bezahlt von Beust dafür, dass Beiersdorf deutsch bleibt. Seit Wochen kämpften der Bürgermeister und sein Wirtschaftssenator Gunnar Uldall, den Konzern nicht zu verlieren. Zu viele Unternehmen haben die Hansestadt verlassen in den vergangenen Monaten und Jahren, zu viele planen ähnliches (siehe unten stehenden Bericht „Raus aus Hamburg“). Da wollte der Senat nicht riskieren, dass Procter & Gamble nach einer Übernahme Hamburg verlässt.

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