Doch bis zum integrierten Unternehmen ist es noch weit. Vorerst wird improvisiert. Noch fehlen in der Endmontage in Toulouse die planmäßig vorverkabelten Sektionen aus Hamburg. Die ersten 25 Maschinen müssen in der Endmontage in Toulouse „per Hand“ verkabelt werden, ein mühsames Unterfangen. In langen Bahnen liegen die Stränge jetzt neben den mächtigen Rümpfen der Maschinen. Mehr als ein Flugzeug pro Monat ist so nicht zu schaffen.
Es ist eine deutsch-französische Strafarbeit. Mehrere Hundert Techniker aus Hamburg sind bis weit in das kommende Jahr nach Frankreich abkommandiert, um den Kabelsalat gemeinsam mit ihren französischen Kollegen zu entwirren. Sind die ersten zwei Dutzend Maschinen Mitte des kommenden Jahres fertig, soll die Serienproduktion anfahren.
Doch auch mit dem improvisierten Verkabelungsplan bleibt die Produktion wackelig. „Die A380 ist eine Maschine, an der sich alle richtig austoben konnten“, klagt ein Airbus-Entwickler. „Und genau das ist heute das Problem: kein Innenraum gleicht dem anderen“. Die Möglichkeiten der riesigen, doppelstöckigen Kabine hat Airbus stets als Verkaufsargument genutzt. Jede Airline bestellt seitdem ein individuelles Kabinendesign. Hauptkunde Emirates hat schon einmal drei unterschiedliche Innenraumgestaltungen entwickeln lassen, neben viel Gold und Brokat legen die Araber wert auf noch mehr elektronische Spielereien. Geld, so machen die potenten Großkunden klar, spielt keine Rolle. Hauptsache, die Konkurrenten erfahren nicht, wie die eigene Kabine aussieht. Jeder Airbus-Mitarbeiter muss eine Verschwiegenheitserklärung über das Gesehene unterschreiben, wenn er den Innenraum einer A380 betritt.
Die Verheißung, keine Stangenware auszuliefern, weckt Begehrlichkeiten. Kurzfristige Änderungen sind jederzeit möglich. So lässt Erstkunde Singapore Airlines derzeit sein zweites Exemplar von den Airbus-Kabinenbauern noch einmal überarbeiten, wenn auch nur in Details. „Eine verschobene Kaffeemaschine in der Bordküche zieht gleich einen Rattenschwanz an Änderungen nach sich“, umschreibt ein Insider die Arbeiten im Airbus-Auslieferungszentrum – von denen es bei Airbus nach wie vor selbstverständlich eines in Hamburg und eines in Toulouse gibt. Dort herrscht Hochbetrieb, noch hält Airbus den revidierten Lieferplan aufrecht – auch wenn intern die Alarmsignale schon wieder blinken.
Am anderen Ende der Welt reißt die Euphorie indes nicht ab. Singapore-Airlines-Chef Chew Choon Seng wartet auf 24 weitere A380. Ein Dutzend Flüge hat der Riesenflieger zwischen Singapore und Sydney mittlerweile hinter sich, jeder Trip ist ein Happening.
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