Von Wien nach Oberbayern
Sandoz macht Umzug offiziell

Sandoz zieht um. Die Generika-Tochter des Schweizer Pharmakonzerns Novartis lässt sich mit niedrigeren Steuern von Wien nach Oberbayern locken. Das Handelsblatt hatte bereits am 20. April über die Pläne berichtet. Sandoz wollte sich damals nicht dazu äußern.

HB MÜNCHEN. Sandoz' Firmensitz werde künftig Holzkirchen sein, wo auch die kürzlich von Novartis erworbene Hexal GmbH ihren Sitz hat, sagte Novartis-Chef Daniel Vasella am Dienstag in München. Den Ausschlag habe unter anderem der Gewerbesteuersatz der 16 000 Einwohner großen Gemeinde 30 Kilometer südlich von München gegeben. Bürgermeister Josef Höss sagte, Holzkirchen habe die Steuer für Sandoz um 30 Prozent gesenkt. Auch die bestehende Organisation und Produktion von Hexal sowie die Nähe zu wissenschaftlichen Instituten in München hätten für Holzkirchen gesprochen.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zeigte sich zufrieden, dass es dem Bundesland gelungen sei, sich gegen die österreichische Hauptstadt Wien und gegen Basel, den Sitz von Novartis, durchzusetzen. In den vergangenen Jahren hatte das Nachbarland Österreich aggressiv mit niedrigeren Steuern und einem flexibleren Arbeitsmarkt zahlreiche deutsche Unternehmen in die Alpen gelockt. Die Entscheidung sei eine Entscheidung gegen den Trend, sagte Stoiber. „Deutschland verliert jeden Tag mehr als 1000 Arbeitsplätze ins Ausland, weil Unternehmen in anderen Teilen der Welt günstigere Bedingungen vorfinden als in Deutschland“, warnte er.

Der Umzug von Wien werde etwa sechs Monate dauern, sagte Sandoz-Chef Andreas Rummelt. Damit begonnen werde, sobald die EU-Kartellbehörden endgültig grünes Licht für die Übernahme von Hexal gäben. Er rechne damit in der zweiten Jahreshälfte. Wie viel der Umzug kosten werde wisse er noch nicht.

Die Sandoz-Zentrale in Holzkirchen soll etwa 150 Mitarbeiter haben. Etwa 40 bis 50 Prozent der Stellen sollen neu entstehen. „Wir werden einen Teil der Beschäftigten aus Wien umsiedeln“, sagte Rummelt. Für andere Mitarbeiter in Österreich wolle das Unternehmen sozialverträgliche Lösungen finden, versprach er. Nach Unternehmensangaben arbeiten in der Zentrale in Wien rund 100 Mitarbeiter.

Mit der Übernahme von Hexal und dessen Beteiligung an der US-Generikafirma Eon Labs steigt Sandoz zum weltweiten Branchenprimus im Geschäft mit preisgünstigen Nachahmermedikamenten auf. Die Zwillingsbrüder Thomas und Andreas Strüngmann, die Hexal und Eon Labs im Februar für 5,5 Milliarden Euro an Novartis verkauft hatten, werden weiter im Unternehmen arbeiten. Die Marken Sandoz und Hexal sollen erhalten bleiben.

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