Vor der Aufsichtsratssitzung
Conti-Betriebsrat erwärmt sich für Schaeffler

Die Zustimmung von Autoindustrie und Wirtschaftsminister Glos hat die Schaeffler-Gruppe bereits. Heute äußert sich der Continental-Aufsichtsrat zu dem Übernahmegebot. Conti Wennemer-Chef hat bei der Abwehr einen schweren Stand. Denn jetzt zeigen sich auch die Arbeitnehmer des Automobilzulieferers offener als er.

LONDON/DÜSSELDORF. Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des Aufsichtsrates von Continental am heutigen Mittwoch wächst der Druck auf Chefkontrolleur Hubertus von Grünberg, Farbe im Übernahmekampf gegen den Angreifer Schaeffler zu bekennen. Das fordern vor allem die Arbeitnehmervertreter, die ihre Linie gestern im Gesamtbetriebsrat abstimmten. "Wenn sich ein Aufsichtsratschef in dieser Situation nicht klar positioniert, ist er fehl am Platz", sagte ein Kontrolleur aus dem Arbeitnehmerlager dem Handelsblatt. "Am Ende müssen wir zu einer eindeutigen Entscheidung kommen."

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" will sich Conti-Chef Manfred Wennemer eine Kapitalerhöhung um bis zu zehn Prozent genehmigen lassen. Die Hauptversammlung hatte das Management im April zu einer Erhöhung ermächtigt. Zudem wolle Wennemer Gutachten von JP Morgan und Goldman Sachs vorstellen, die zu dem Schluss kämen, dass der gebotene Preis nicht den Wert von Conti widerspiegelt. Goldman Sachs solle nach einem "Weißen Ritter" suchen, der einen großen Anteil von unter 30 Prozent übernehme.

Aufsichtsratskreisen zufolge hatte von Grünberg Sympathie für die Übernahmepläne des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler erkennen lassen. In einem gestern veröffentlichten Interview mit dem "Manager Magazin" warnte er vor einem "Kampf um jeden Preis". Die Frage sei, für wie sicher man einen Erfolg von Schaeffler halte. "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen." Die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Vorstandschef Wennemer seien aber nicht grundlegend. Für eine Zerschlagung stehe er aber nicht zur Verfügung, sagte von Grünberg. Die Franken, die er jahrelang beraten hat, versicherten, Conti nicht zerschlagen zu wollen. "Schaeffler will das sogar vertraglich garantieren", sagte er.

Auf die Vermeidung einer Zerschlagung und den Erhalt der Arbeitsplätze pocht der Betriebsrat. Die schlechte Nachricht für Wennemer: Die Arbeitnehmer wollen keine Front gegen Schaeffler aufbauen und zeigten sich gestern offener als der Konzernchef. "Wir haben nichts gegen deutsche Investoren einzuwenden, solange sie die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft einhalten", heißt es in einem gestern veröffentlichten Brief des Conti-Gesamtbetriebsrats an die Schaeffler-Gruppe. Es müsse langfristige Perspektiven für die Standorte geben sowie Zusagen für Arbeitplätze.

Schaeffler antwortete noch gestern Abend auf das Schreiben. "Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen wird es in Folge des Angebots nicht kommen", teilte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Jürgen Geißinger mit. Conti solle als eigenständiger, börsennotierter Konzern mit Sitz in Hannover fortbestehen - "selbstverständlich auch künftig mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat".

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