Vor Fusion mit VW: Porsche glänzt mit Umsatz- und Gewinnrekorden

Vor Fusion mit VW
Porsche glänzt mit Umsatz- und Gewinnrekorden

Porsche tankt für den Weg unter das Dach von VW noch einmal Kraft und fährt im Rumpfgeschäftsjahr 2010 neue Rekorde ein. Zahlen stehen der Fusion nicht im Weg - sondern die einstigen Machenschaften des Managements.
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Porsche hat mit seinem Sportwagengeschäft in den letzten fünf Monaten des Jahres 2010 Rekorde bei Umsatz und Gewinn eingefahren. Das operative Ergebnis habe sich in den Monaten August bis Dezember 2010 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum auf 688 Millionen Euro verdreifacht, teilte die Porsche AG am Dienstag in Stuttgart mit. Der Umsatz sei um 59 Prozent auf 3,867 Milliarden Euro gestiegen.

In der AG ist das Fahrzeuggeschäft von Porsche angesiedelt, die börsennotierte Porsche Holding hält rund 51 Prozent der Anteile. Rund 49 Prozent der Anteile liegen in der Hand von Volkswagen. „Das Rumpfgeschäftsjahr war für Porsche ein außerordentlich erfolgreiches Jahr bei Absatz, Umsatz und Ergebnis“, sagte Vorstandschef Matthias Müller. „Wir konnten bei der Umsatzrendite und dem Cashflow erneut zulegen und unterstreichen damit die finanzielle Solidität des Unternehmens“, sagte Finanzchef Lutz Meschke. Porsche verkaufte im Rumpfgeschäftsjahr, mit dem die Berichtsperiode an VW angepasst wird, 40.446 Fahrzeuge. Der Absatz kletterte damit um 56,6 Prozent.

Die glänzenden Zahlen halten Müller den Rücken für seine ehrgeizigen Pläne frei. Eifrig tüfteln die Schwaben derzeit daran, welche Fahrzeuge sie in Zukunft noch auf den Markt bringen könnten. In den nächsten Jahren will Müller den Absatz auf rund 200 000 Fahrzeuge hochschrauben, etwa doppelt so viele wie zuletzt.  

Ein wichtiges Projekt hat dabei bereits Gestalt angenommen: Voraussichtlich 2013 kommt ein kleiner Bruder des Geländewagens Cayenne auf den Markt. Dabei gilt als so gut wie sicher, dass der Aufsichtsrat dem Porsche-Werk Leipzig den Zuschlag für die Fertigung gibt. Im Rennen waren auch die Audi-Werke in Neckarsulm und im bayerischen Ingolstadt sowie der VW-Standort Hannover.  

Der Cajun würde Leipzig mindestens 500 neue Arbeitsplätze bringen, hatte Müller kürzlich angekündigt. Derzeit arbeiten an dem Standort rund 650 Menschen für Porsche. In der Fabrik werden bisher der Cayenne und die Luxuslimousine Panamera montiert, die vorgefertigten Teile kommen aus VW-Werken. Bei einer Entscheidung für den kleinen Geländewagen will Porsche Leipzig zu einem Produktionsstandort mit Rohbau und Lackiererei ausbauen.  

Auch die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE hatte dank des brummenden Autogeschäfts zuletzt nach langer Durststrecke wieder einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro (August bis Dezember 2010) eingefahren. Zuvor verbuchte die Holding, unter deren Dach die Porsche AG und die Beteiligung der Stuttgarter an VW gebündelt sind, zwei Geschäftsjahre lang tiefrote Zahlen. Grund: Der verlorene Übernahmekampf mit VW.  

Nachdem Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Sommer 2009 mit seinem Plan scheiterte, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, drehten die Wolfsburger den Spieß um. Porsche soll nun als zehnte Marke unter das Dach von Volkswagen schlüpfen.  

Doch vor allem wegen der sich hinziehenden Ermittlungen gegen Wiedeking und seinen früheren Finanzchef Holger Härter ist der Zeitplan für das Zusammengehen noch in diesem Jahr in Gefahr. Den Managern, die im Sommer 2009 gehen mussten, wird im Zuge des gescheiterten VW-Übernahmeversuchs unter anderem Untreue vorgeworfen.

Außerdem ist Porsche noch dabei, den während der Auseinandersetzung mit VW angehäuften Schuldenberg von mehreren Milliarden Euro abzutragen. Auch dies ist eine Voraussetzung für ein Zusammengehen der beiden Autobauer, denn VW will kein unkalkulierbares Risiko eingehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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