Vor Hochtief-Hauptversammlung
ACS greift nach Aufsichtsrats-Mehrheit

Im Kampf um das Sagen bei Hochtief hat der spanische Großaktionär ACS kurz vor der Hauptversammlung seine Karten auf den Tisch gelegt. Das Unternehmen hat in Sachen Aufsichtsrat seine ganz eigenen Vorstellungen.
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FrankfurtIm Kampf um das Sagen bei Hochtief hat der spanische Großaktionär ACS kurz vor der Hauptversammlung seine Karten auf den Tisch gelegt. Das Unternehmen von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez, das nach eigenen Angaben mittlerweile etwas mehr als 43 Prozent der Anteile an dem deutschen Bauriesen hält, stellte am Sonntag seine Liste der Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrates vor. Nach dem Willen der Spanier sollen kommenden Donnerstag neben vier Managern aus dem ACS-Konzern der bereits im Hochtief-Aufsichtsrat vertretene Manfred Wennemer in das Kontrollgremium wiedergewählt werden. Der ehemalige Chef des Automobilzulieferers Continental solle dann auch den Vorsitz des Gremiums übernehmen, hieß es aus Aufsichtsratkreisen. Hochtief wollte das nicht kommentieren. „Das ist Sache des Aufsichtsrates“, sagte eine Sprecherin.

Daneben stellt ACS auch Eggert Voscherau, Aufsichtsratchef von BASF, den früheren Finanzvorstand der Deutschen Börse Thomas Eichelmann und Abdulla Abdulaziz Turki Al-Subaie als designierten Vertreter des Großaktionärs Qatar Holding zur Wahl. „Angesichts der veränderten Eigentümerstruktur strebt ACS eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat an“, teilte der Bauriese dazu mit.

Das derzeitige Kontrollgremium des deutschen Baukonzerns hatte andere Pläne. Doch anders als auf der Liste von Hochtief finden sich etwa der derzeitige Aufsichtsratchef Detlev Bremkamp und auch der ehemalige Hochtief-Vorstand Hans-Peter Keitel nicht auf der Liste des spanischen Konzerns. Die Manager gehen Medienberichten zufolge mit schlechten Karten in die Hauptversammlung: Den Anmeldungen für die Veranstaltung am 12. Mai in der Essener Grugahalle zufolge dürften rund 70 Prozent des Hochtief-Kapitals vertreten sein, berichtete die „Wirtschaftswoche“. Angesichts des großen ACS-Aktienpakets seien dem Konzern deutliche Abstimmungsmehrheiten sicher. ACS will nach eigenen Angaben den Anteil an Hochtief weiter erhöhen und mittelfristig knapp über 50 Prozent kommen.

Nachfolger will Mitarbeiter beruhigen

Hochtief hatte sich lange erbittert gegen die Übernahme durch den spanischen Konzern gewehrt. Dieser sammelte jedoch unbeirrt Aktien ein. Mehrere Manager des deutschen Bauriesen hatten daraufhin aufgegeben, darunter auch Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, der zur Hauptversammlung seinen Posten verlässt. Sein Nachfolger wird das bisherige Vorstandsmitglied Frank Stieler. Der 52-Jährige gehört dem Führungsgremium seit März 2009 an und leitet bislang den neu geschaffenen Europa-Bereich des Konzerns mit dem deutschen Baugeschäft - und hat den Segen von ACS.

Stieler wolle nun als erstes der Belegschaft die Ängste vor dem spanischen Großaktionär nehmen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (“FASZ“). An seinem ersten offiziellen Tag im Amt - Freitag - wolle er die Belegschaft auf einer Versammlung überzeugen, dass Hochtief seine deutsche Identität behalten, die Zentrale in Essen und das Unternehmen eine eigene Aktiengesellschaft bleiben werde. Noch am selben Tag werde er dann nach Australien fliegen, um die zuletzt Probleme machende Tochter Leighton zu besuchen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sowas wäre im übrigen Europa nicht möglich!
    Dort würden das die Regierungen verhindern!
    Aber in Deutschland herrscht Ausverkauf!
    Deutschland schafft sich ab!

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