Monsanto kehrt vor Übernahme durch Bayer in Gewinnzone zurück

Vor Übernahme durch Bayer
Monsanto gelingt Trendwende

Nach roten Zahlen im Vorjahr hat Monsanto im abgelaufenen Quartal wieder einen Gewinn erzielt. Der Saatgutkonzern, den Bayer übernehmen will, profitierte von besseren Geschäften in Südamerika und verspricht auch für das Gesamtjahr einen Ertragsanstieg.
  • 0

St. LouisDer US-Saatgutriese Monsanto steuert in gestärkter Verfassung auf die Übernahme durch Bayer zu. Für das Ende November abgeschlossene erste Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 meldete Monsanto jetzt einen kleinen Gewinn von 29 Millionen Dollar, gegenüber 253 Millionen Dollar Verlust im Vorjahr. Die Erwartungen der Analysten, die dem Saatgutriesen im Schnitt nur ein ausgeglichenes Ergebnis zugetraut hatten, konnte er damit leicht übertreffen.

Anders als im vergangenen Jahr, als man mehrfach die Ertragsprognosen nach unten korrigieren musste, konnte Monsanto-Chef Hugh Grant zudem die bereits im Oktober präsentierte Ertragsprognose für 2017 jetzt bekräftigen. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie im Gesamtjahr stellt er einen Anstieg auf 4,50 bis 4,90 Dollar je Aktie in Aussicht, gegenüber 4,48 Dollar im Vorjahr. Der freie Cashflow dürfte danach 1,4 bis 1,6 Milliarden Dollar erreichen.
Die Zahlen deuten darauf, dass der US-Konzern wie versprochen tatsächlich wieder auf Wachstumskurs zurückfindet und damit offenbar die Talsohle der aktuellen Agroflaute durchschritten hat. Sie kommen insofern auch den Plänen von des Bayer-Konzerns entgegen, der mit der geplanten Übernahme darauf wettet, dass das Pflanzschutz- und Saatgutgeschäft nach der Flaute in den letzten beiden Jahren wieder stärker in Schwung kommt. Der Leverkusener Konzern hatte sich nach monatelangen Verhandlungen im September mit dem Monsanto-Management auf eine Übernahme des US-Konzerns für insgesamt rund 66 Milliarden Dollar geeinigt. Rund 57 Milliarden Dollar entfallen dabei auf den Erwerb der Monsanto-Aktien, neun Millionen auf die Übernahme von Monsanto-Schulden. Einen Vollzug dieser größten Übernahme in der Firmengeschichte erwartet Bayer bis Ende des Jahres.
Bayer-Chef Werner Baumann setzt vor allem darauf, dass die Kombination der beiden Konzerne im Agrobereich die Innovationskraft noch deutlich verstärkt, weil man künftig die Entwicklung von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln stärker verzahnen kann. Diese Argumentation hat jetzt auch das Monsanto-Management stark betont. „Zusammen mit Bayer sehen wir die Chance, Innovationen zu beschleunigen und integrierte optimierte Lösungen zu bieten“, sagte Technologie-Chef Robb Fraley. Die aktuelle Forschungs-Pipeline von Monsanto umfasst nach Fraleys Aussage Produkte mit einem Spitzenumsatz-Potenzial von 25 Milliarden Dollar. Das entspricht fast dem doppelten des letzten Jahresumsatzes von 13,5 Milliarden Dollar.
Die Ertragswende im letzten Quartal führt Monsanto unterdessen vor allem auf ein besseres Geschäft in Argentinien und Brasilien zurück, wo Landwirte nach zwei schwachen Jahren die Anbauflächen wieder ausweiteten. Zudem wirkte die Aufwertung des brasilianischen Reals positiv. Der Umsatz lag mit 2,6 Milliarden Dollar um fast ein Fünftel über dem Vorjahreswert und ebenfalls leicht über den Erwartungen der Analysten. Zuwächse kamen dabei ausschließlich aus dem Saatgut-Geschäft, während die Herbizid-Umsätze und –Erträge weiter schrumpften, bedingt durch weitere Preisrückgänge beim Herbizid Glyphosat. Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 247 Millionen Dollar gegenüber einem operativen Verlust von 272 Millionen Dollar im Vorjahr, als Monsanto hohe Rückstellungen für ein Kostensenkungsprogramm gebildet hatte. Klammert man Sondereffekte aus, hat sich der bereinigte Gewinn je Aktie laut Monsanto von elf auf 21 Cents je Aktie verbessert.
Die Quartalszahlen und die Gewinnprognose für 2017 bedeuten zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die Ertragswerte der Jahre 2014 und 2015, als der US-Konzern auf bereinigter Basis noch mehr als fünf Dollar je Aktie verdiente, dürfte Monsanto damit aber noch nicht wieder erreichen. Auch der freie Cashflow wird mit erwarteten 1,4 bis 1,6 Milliarden Dollar noch deutlich hinter den Durchschnittswerten der letzten Jahre (von gut zwei Milliarden Dollar pro Jahr) zurückbleiben. Um eine angemessene Verzinsung des Kaufpreises zu erzielen, wird Bayer indessen noch weitere kräftige Ertragssteigerungen bei Monsanto benötigen.
Immerhin hat der US-Konzern bisher eine Rückkehr zu einem zweistelligem Gewinnwachstum ab dem Jahr 2018 in Aussicht gestellt. Bayer hofft außerdem, mindestens 1,5 Milliarden Dollar an laufenden Kosten einzusparen durch die Kombination von Monsanto mit der eigenen Agro-Sparte.

Kommentare zu " Vor Übernahme durch Bayer: Monsanto gelingt Trendwende"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%