Vor- und Nachteile für jedes Szenario
MTU-Verkauf geht in den Endspurt

Der Verkauf des deutschen Triebwerk- Spezialisten MTU Aero Engínes GmbH scheint in die entscheidende Phase zu kommen. Der Eigner Daimler-Chrysler werde wahrscheinlich in dieser Woche zwei der vier Interessenten für eine eingehendere Prüfung auswählen, berichten verhandlungsnahe Kreise. Welche Bieter dies sein werden, ist offen. Allerdings rechnen Finanzkreise damit, dass der Autokonzern ein Angebot für eine „Stand-alone-Lösung“ sowie eines für eine Fusion mit einem anderen Triebwerkshersteller gegenüberstellen wird.

FRANKFURT/MÜNCHEN. Im Rennen sind zur Zeit noch die Private-Equity-Firmen Carlyle, Doughty Hanson, Blackstone und Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Der fünfte Bieter, JF Lehmann, hat sich mittlerweile KKR angeschlossen. Während Blackstone und KKR den Triebwerk-Spezialisten weiterhin allein agieren lassen wollen, will Carlyle MTU mit Fiat Avio zusammenführen. Doughty Hanson erwägt eine Fusion von MTU mit ihrer Beteiligung Dunlop Aerospace, einem in Kanada beheimateten Triebwerk-Hersteller. Sowohl MTU als auch Daimler-Chrysler wollten zum Stand der Verkaufsverhandlungen keine Stellung nehmen.

Alle drei Szenarien bieten für MTU Vor- und Nachteile. Die Stand-alone-Lösungen von KKR und Blackstone wären am schnellsten zu realisieren. Vor allem die komplexen Lieferverträge mit dem US-Triebwerksbauer Pratt & Whitney (P&W) haben in der Vergangenheit einen Verkauf von MTU behindert. P&W muss einem Eignerwechsel zustimmen, will MTU nicht seinen wichtigsten Kunden verlieren. „Bliebe MTU allein, dürfte P&W die Zustimmung zu einem Verkauf leichter fallen“, heißt es in den Kreisen.

Andererseits fehlen den Finanzinvestoren bei diesem Szenario wichtige Synergiequellen. Um ihren Geldgebern dennoch die versprochenen hohen Renditen bieten zu können, müssten KKR oder Blackstone den Kaufpreis – die Rede ist von 1,5 Mrd. bis 2,2 Mrd. Euro – weitgehend über Kredite finanzieren, die MTU tilgen müsste. Das wäre ein Mühlstein um den Hals der Münchener. Im wettbewerbsintensiven Markt für zivile Triebwerke würde dann der Spielraum für Innovationen drastisch verringert.

Eine Fusion mit Fiat Avio würde MTU neue Chancen eröffnen. Es entstünde ein gewichtiger europäischer Player im Triebwerksmarkt. Im Management von MTU wird seit längeren mit diesem Szenario geliebäugelt. MTU und Fiat Avio kooperieren schon heute in einigen Bereichen. Auch bei Daimler-Chrysler soll es Befürworter einer solchen Lösung geben. Allerdings wäre die neue Firma auf Europa konzentriert. Auf dem wichtigen US-Markt bringt das Zusammengehen mit Fiat Avio die Münchener kaum voran.

Überdies ist Fiat Avio nicht sehr stark im relativ konjunkturunabhängigen und margenstarken Wartungs-Geschäft (Maintenance Repair & Overhaul/MRO) – ganz im Gegensatz zu MTU. Ein fusionierter Konzern würde also unter dem Strich stärker auf die Zyklen im klassischen Triebwerksbau reagieren. Allerdings könnte Carlyle mit MTU und Fiat Avio auf der Produktionsseite Kosten sparende Synergien heben. Beide Firmen bauen Komponenten für Großtriebwerke. Die Lösung wird freilich dadurch erschwert, dass einer solchen Fusion neben P&W auch der Triebwerksbauer General Electric (GE) zustimmen muss. Er ist Großkunde bei Fiat Avio und hat ähnlich wie P&W bei MTU ein Vetorecht im Falle eines Eigentümerwechsels der Italiener.

Ein Zusammengehen mit der Doughty-Hanson-Beteiligung Dunlop Aerospace würde MTU auf dem US-Markt Vorteile bringen. Dunlop ist dort ein etablierter Name und hat die U.S. Airforce zum Kunden. „Wenn es um den militärischen Bereich geht, spielt die Musik in den Staaten“, sagt ein Branchenkenner.

Da Dunlop zudem rund 70 % seiner Umsätze mit Wartung erzielt, würde die fusionierte Firma recht robust gegen die Marktzyklen sein. Auch auf der Produktseite ergänzen sich beide Firmen. Während MTU außerhalb des Militärsektors im Großtriebwerksbau tätig ist, liefert Dunlop Komponenten für kleinere Triebwerke, etwa Turboprops.

Der Nachteil dieser Lösung ist freilich der Sitz von Dunlop im nordamerikanischen Raum. Welche Chancen ein solches Verkaufsszenario bei der Bundesregierung haben wird, ist offen. Berlin pocht beim Verkauf von MTU auf ein Mitspracherecht, da die Regierung den Abfluss von militärischem Know-how befürchtet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%