Vorbeugung vor Korruption
Daimler verordnet sich neuen Knigge

Der Stuttgarter Autokonzern Daimler kennt Korruptionsvorwürfe. Abhilfe sollteVorstandsfrau Hohmann-Dennhardt schaffen. Sie bindet nun die Mitarbeiter beim Formulieren eines neuen Verhaltenskodex ein.
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FrankfurtKnapp zehn Monate nach ihrer Berufung hat die Daimler-Vorstandsfrau für das neu geschaffene Ressort Integrität und Recht, Christine Hohmann-Dennhardt, eine erste wichtige interne Weichenstellung vorgenommen. Die 61-jährige Ex-Bundesverfassungsrichterin plant, den rund 260.000 Mitarbeitern des Konzerns künftig einen neuen Knigge gegen Korruption zu verordnen.

„Wir wollen jetzt mit den Mitarbeitern über Integrität reden und die Ergebnisse dann in unsere neue Verhaltensrichtlinie einfließen lassen“, sagte Hohmann-Dennhardt dem Handelsblatt. „Ich gehe davon aus, dass wir Mitte nächsten Jahres so weit sind, dass der neue Verhaltenskodex in Kraft gesetzt werden kann.“

Zudem hat sich die ehemalige hessische Justizministerin entschlossen, die Stelle eines neutralen Ombudsmannes im Konzern einzurichten, der als „neutraler Vermittler“ künftig in Streitfällen moderieren soll.

Die erste Frau in der Führungsspitze des Stuttgarter Autokonzerns setzt damit im Konzern beim Umgang mit möglichen Korruptionsfällen stärker als früher auf einen Dialog mit den Mitarbeitern.

„Wir wollen jetzt mit den Mitarbeitern über Integrität reden und die Ergebnisse dann in unsere neue Verhaltensrichtlinie einfließen lassen“, kündigte die Daimler-Vorstandsfrau an. „Ich hoffe, dass wir dann ein Kompendium haben werden, das weniger Regeln, aber dafür mehr Hilfestellung und Rat bieten wird.“

Der aktuelle Verhaltenskodex von Daimler umfasst noch mehr als 1400 Regeln. Mit einem zu umfangreichen Kompendium schaffe das Unternehmen jedoch nur „ein Gestrüpp von Vorschriften, die die Mitarbeiter gar nicht mehr überschauen können“, betonte Hohmann-Dennhardt.

Ihren Vorstandsposten für „Recht und Integrität“ hat die frühere Bundesverfassungsrichterin nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass der Autokonzern jahrelang im Visier der US-Justizbehörden und der Börsenaufsicht stand. Vertriebsmanager sollen zwischen 1998 und 2008 in 22 Ländern Amtsträger bestochen haben, um Autos und Lastwagen besser an den Kunden zu bringen.

Erst im vergangenen Jahr zahlte der Konzern 180 Millionen Dollar, um einen Vergleich in der Schmiergeldaffäre herbeizuführen, und hat seitdem den bis 2013 bestellten SEC-Aufpasser Louis Freeh, einen Ex-FBI-Chef, als Kontrolleur im Haus sitzen. Er wird intern Monitor genannt.

Hohmann-Dennhardt glaubt, dass der Konzern seine Lektion aus den Fällen der Vergangenheit gelernt hat. Es habe bei Daimler „in den vergangenen Jahren einen Kulturwandel gegeben“, sagte sie. „Ich gehe davon aus, dass die Zeit des Monitors bei Daimler spätestens 2013 enden wird.“

Kommentare zu " Vorbeugung vor Korruption: Daimler verordnet sich neuen Knigge"

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  • hoffentlich wenden die daimlers diese knigges intensiv und regelmäßig an - auch unangemeldete screens sind notwendig - der BR muss da interessiert sein, denn daimler zählt ja zumindest nach aussen hin zu den seriösen industries. die Pharmas lehnen ja bis heute immer noch im großen Stil anti-korruption / bestechung und bevorteilung ab... das zahlt die gesellschaft dann über die GKVs usw.

  • als ehem. risk&security verantw. in größeren e-konzern, kann ich nur d. hinweis geben-überall und intensiv ein background-screening. keiner ist frei - es ist zu verlockend - die risiken sind enorm + sehen wir lateinamerika oder south-europe der nächste schritt ist kidnapping & erpressung im größeren stil. leider haben das nicht alle verstanden + unsere police ist noch weit weg vom intensiven erkennen. auch die internen networkings dürfen nicht verkannt werden. anonym whistle corner können helfen + wirklicher schutz den whistlern

  • Erst eine ehemalige Richterin als Feigenblatt einkaufen und dann neue Anti-Korruptionsregeln schreiben - ich gleube denen kein Wort!
    "Weniger Regeln und Mehr Hilfestellung und Rat" beim schmieren, bis Mitte nächsten Jahres...
    Und wenn die US-Behörden nicht Druck gemacht hätten, wäre nicht einmal das passiert.

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