Vorerst kein Zukauf
RWE scheitert in Russland

RWE-Chef Jürgen Großmann muss einen herben Misserfolg verkraften. Der Energiekonzern sagte jetzt nach monatelangen, zähen Verhandlungen die Beteiligung an einem Stromproduzenten in Russland ab. RWE ist zwar weiter am Einstieg in den lukrativen russischen Markt interessiert, die besten Gelegenheiten haben sich aber bereits Konkurrenten gesichert.

DÜSSELDORF. RWE hatte im März gemeinsam mit dem russischen Mischkonzern Sintez bei der Privatisierung der russischen Stromwirtschaft den Zuschlag für den Produzenten TGK-2 erhalten. Dabei übernahm zunächst Sintez einen kontrollierenden Anteil, später sollte aber RWE die Steuerung übernehmen. Die Russen stellten jedoch immer neue Forderungen, durch die das Risiko zu einem großen Teil auf den deutschen Konzern übertragen worden wäre. Schon Anfang Juli wurde in Branchenkreisen vermutet, dass Sintez RWE damit letztlich aus dem Projekt drängen wolle.

Und jetzt gab der Energiekonzern tatsächlich entnervt auf – das Projekt seit nicht mehr „sinnvoll“, hieß es. RWE verwies dabei auf den Kaufpreis, nannte aber keine Einzelheiten.

TGK-2 wäre kein großer Zukauf gewesen. Mit 7 000 Mitarbeitern setzte die Firma zuletzt rund 600 Mill. Euro um und versorgte mit 16 Heizkraftwerken rund sieben Millionen Kunden im Nordwesten Russlands mit Strom und Wärme. Zum Vergleich: RWE selbst verbuchte zuletzt 43 Mrd. Euro Umsatz und zählt 30 Millionen Kunden. RWEs Anteil am TGK-2-Kauf wurde von Analysten auf 300 bis 400 Mill. Euro geschätzt.

Großmann selbst maß dem Projekt aber eine hohe strategische Bedeutung bei. Im Erfolgsfall wäre ihm der Einstieg in einen Markt gelungen, der überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten verspricht. Zudem verfügt TGK–2 über lukrative Standorte für neue Kraftwerke.

Für TGK-2 sprach auch, dass es eines der letzten Energieunternehmen ist, die überhaupt noch auf dem Markt sind. Als Großmann vor knapp einem Jahr die RWE-Führung übernahm, war die Privatisierung in Russland schon weitgehend abgeschlossen. Konkurrenten wie die russische Gazprom, die italienische Enel oder der heimische Rivale Eon hatten sich die größten Produzenten gesichert. Eon konnte dabei für über vier Mrd. Euro den ungleich größeren OGK-4 erwerben. Außerdem ist Großmann zunehmend dem Druck seiner Aktionäre ausgesetzt.

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